Synology DS220j im Test: Schnelle Daten­ver­schlüs­se­lung nun auch für Einsteiger

Frank Hüber
58 Kommentare
Synology DS220j im Test: Schnelle Daten­ver­schlüs­se­lung nun auch für Einsteiger

tl;dr: Die Synology DS220j erhält einen schnelleren Prozessor, der die Datenübertragungsrate bei aktiver Verschlüsselung verdreifacht. Einsteiger können wieder bedenkenlos zu Synologys Einstiegsmodell greifen, das auch bei der Leistungsaufnahme und der Lautstärke überzeugt, obwohl Neuerungen erneut Mangelware sind.

Synologys Einstiegs-NAS mit zwei Einschüben

Die DS220j ist der Nachfolger der DS218j, Synologys Einsteiger-NAS für bis zu zwei 3,5-Zoll-Festplatten, das nach wie vor die meisten Käufer findet. Erneut soll das j-Modell vor allem Privatkunden ansprechen, die ihre Daten nicht nur zentral sichern möchten, sondern auch mit anderen über Freigaben teilen wollen.

Nachdem sich die Synology DS218j (Test) viel Kritik gefallen lassen musste, als sie Ende 2017 auf den Markt kam, da nur das SoC etwas höher getaktet war, steht mit der DS220j zumindest wieder ein Wechsel des Hauptprozessors an. Auch das 2-Bay-Modell erhält den Realtek RTD1296 mit vier Kernen und 1,4 GHz, der auch schon in der jüngst vorgestellten Synology DS420j (Test) steckt. Der alte Marvell Armada 385 hat nun tatsächlich ausgedient.

Fraglich ist, welchen Nutzen die DS220j aus der höheren Leistung ziehen kann, denn schon die DS218j überträgt unverschlüsselte Daten am Übertragungslimit der Netzwerkschnittstelle mit rund 110 MB/s. Ein Aspekt, dem im Test nachgegangen wird.

Die unverbindliche Preisempfehlung der DS220j liegt bei rund 169 Euro – sie fällt somit rund 15 Euro niedriger aus als die ursprüngliche Preisempfehlung der DS218j, die bei rund 184 Euro lag und derzeit für ca. 160 Euro im Handel lieferbar ist.

Technische Details

Neues, altes ARM-SoC

Der Wechsel des SoC bedeutet auch bei der DS220j einen Wechsel von ARM v7 auf ARM v8. Weiterhin gilt aber, dass der Realtek RTD1296 keineswegs ein brandneues SoC ist, sondern bereits seit rund zwei Jahren eingesetzt wird. Synology selbst hat den Prozessor in der DS418, der DS218 (Test) und der DS218play (Test) eingesetzt, Konkurrent QNAP beispielsweise in der TS-328 (Test). Die Leistungsfähigkeit des Prozessors ist somit bereits abgesteckt und stellt im Vergleich zum Marvell Armada 385 aus der DS218j mit 2 Kernen, 2 Threads und 1,3 GHz durchaus eine deutliche Verbesserung dar, denn der RTD1296 bietet vier Kerne, vier Threads und 1,4 GHz Taktfrequenz.

Erneut keine Änderungen abseits des SoC

Abseits des neuen Systems on a Chip hat sich mit der DS220j im Vergleich zur DS218j allerdings nichts verändert. Das Gehäuse und alle Anschlüsse sind erneut unverändert von dem Vorgänger aus dem Jahr 2017 übernommen worden. So kommt auch der leise 92-mm-Lüfter wieder zum Zuge. Sind zwei USB-3.0-Anschlüsse ebenso wie ein einzelner Netzwerkanschluss für Neukunden und Einsteiger ausreichend, werden Besitzer der DS218j so zwei Mal überlegen, ob ein Umstieg auf die DS220j lohnenswert ist. Auch den RAM hat Synology nämlich bei vergleichsweise geringen 512 MB belassen, wobei nun SoC-bedingt DDR4 statt DDR3 eingesetzt wird. So wird weiterhin ein Unterschied zur DS218play (Test) und DS218 (Test) gewahrt, denn erstere wartet mit 1.024 MB RAM, letztere sogar mit 2.048 MB auf, jeweils bei identischem SoC wie die DS220j. Einen x86-Prozessor bietet erst die DS218+ (Test), der dann wiederum ebenfalls 2.048 MB RAM zur Verfügung stehen.

Synology DS220j Synology DS218j Synology DS218play QNAP TS-231P QNAP TS-231P2
SoC: Realtek RTD1296
ARMv8
1,40 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Marvell Armada 385
ARMv7
1,30 GHz, 2 Kern(e), 2 Thread(s)
Realtek RTD1296
ARMv8
1,40 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Annapurna AL-212
ARMv7
1,70 GHz, 2 Kern(e), 2 Thread(s)
Annapurna AL-314
ARMv7
1,70 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
RAM: 512 MB 1.024 MB
1.024 MB
Variante
4.096 MB
Festplatteneinschübe: 2
S-ATA-Standard: I/II/III
HDD-Format: 3,5" 2,5" & 3,5"
RAID-Level: Einzellaufwerk, JBOD, RAID 0, RAID 1
M.2-Ports für SSD-Cache:
I/O-Ports: 1 × 1-Gbit-LAN
2 × USB 3.0
2 × 1-Gbit-LAN
3 × USB 3.0
Wake on LAN: Ja
Verschlüsselung: AES-256 (ordner- und laufwerksbasiert) AES-256 (laufwerksbasiert) AES-256 (ordner- und laufwerksbasiert)
Lüfter: 1 × 92 × 92 × 25 mm
(entkoppelt)
1 × 92 × 92 × 25 mm 1 × 70 × 70 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
1 × 70 × 70 × 25 mm
Netzteil: 60 Watt (extern) 65 Watt (extern)
Maße (H×B×T): 165,0 × 100,0 × 225,5 mm 168,5 × 102,0 × 225,0 mm 169,0 × 102,0 × 219,0 mm
Leergewicht: 0,88 kg 0,87 kg 1,28 kg
Preis: 169 € ab 189 € ab 230 € 201 € ab 266 € / ab 339 €

Im Vergleich zur DS218play hat die DS220j auf technischer Seite somit einen halbierten Arbeitsspeicher, ist ansonsten aber identisch. Größere Unterschiede sind erst wieder zu erwarten, wenn Synology auch die anderen Serien aktualisiert. Die Leistung der DS220j konnten Käufer mit der DS218play so aber auch schon seit mehr als zwei Jahren erhalten.

Intern nur mit ext4, kein btrfs

Wie schon bei der DS420j unterstützt auch die DS220j lediglich ext4 als Dateisystem für die internen Festplatten. Technisch wären auch eine btrfs-Unterstützung und somit eine höhere Datensicherheit und Datenintegrität möglich, dies hat Synology mit der DS218 und DS418 – ebenfalls mit Realteks RTD1296-SoC – bereits bewiesen. Wie die DS218play wird aber auch die DS220j trotz identischen SoC kein btrfs unterstützen. Auf Prüfsummen und Snapshots müssen Käufer der DS220j somit verzichten.

Wer zweimal LAN möchte, wird bei QNAP fündig

Erneut ist es Konkurrent QNAP, der der DS220j mit TS-231P und TS-231P2 etwas entgegensetzt, die bereits zwei Netzwerkanschlüsse mit Link Aggregation bieten. Mit knapp 180 und 225 Euro sind beide Modelle aber auch teurer als die DS220j. Lediglich die TS-231P2 hat zusätzlich ein 4-Kern-SoC an Bord, ist mit mindestens 55 Euro Aufpreis aber deutlich teurer.

Synology DS220j

Das weiße Hochglanz-Gehäuse der DS220j muss für den Einbau der Festlatten geöffnet werden – Festplatteneinschübe und eine schraubenlose Montage bieten erst teurere Modelle. An der Rückseite halten das Gehäuse zwei Schrauben zusammen – sind diese gelöst, lässt es sich auseinanderschieben. 2,5-Zoll-Festplatten lassen sich auch beim neuen Modell nur mit passenden Adaptern einsetzen, die Synology separat anbietet.

Die Festplatten werden jeweils mit fünf Schrauben im Inneren des NAS fixiert. Die Halterung und die Schraubdurchführungen sind gummiert, was der Übertragung der Festplattengeräusche zugutekommen sollte. Wie schon bei der DS218j liegt ein kleines Halteblech bei, mit dem die beiden Festplatten auf einer Seite zusätzlich mit einer dritten Schraube fixiert werden können. Dieses Blech muss vom Käufer erneut selbst am Metallkäfig verschraubt werden. In Summe müssen wieder 14 Schrauben festgezogen werden, bevor das vollbestückte NAS einsatzbereit ist.

Zerlegbar, aber kein RAM-Upgrade möglich

Der innere Aufbau ist ebenfalls identisch zum Vorgänger. Der Lüfter kann somit bei Bedarf erneut getauscht werden, zu beachten ist dabei jedoch, dass er nicht geschraubt ist, sondern durch Clips des Lüftergitters am Gehäuse gehalten wird. Mit etwas Aufwand lassen sich auch der Metallkäfig und die Hauptplatine ausbauen und das NAS vollständig zerlegen. Einen Nutzen hat dies jedoch erneut nicht, da kein RAM-Upgrade möglich ist. Der Arbeitsspeicher ist erneut fest auf der Hauptplatine verlötet und es gibt keinen SO-DIMM-Steckplatz, um weitere Speichermodule einzusetzen.

Die Anschlüsse der DS220j – USB 3.0 (2 x), LAN, Strom und ein Kensington-Lock – befinden sich alle an der Rückseite des NAS. Das 60-Watt-Netzteil ist extern umgesetzt. An der Vorderseite, die nunmehr seit der DS215j unverändert ist, sind neben dem Ein-/Ausschalter somit nur die Status-LEDs für die Festplatten, den LAN-Anschluss und das System platziert, die optisch signalisieren, wenn es Probleme mit einer dieser Komponenten gibt.

DSM 7 folgt im Laufe des Jahres

Die anschließende Inbetriebnahme der DS220j erfolgt über die Web-Oberfläche und den Einrichtungsassistenten, der nach dem ersten Einschalten im lokalen Netzwerk über find.synology.com aufgerufen werden kann. Das NAS ist nach wenigen Minuten einsatzbereit, was erneut eine der Stärken des DiskStation Manager (DSM) 6.2 darstellt. Im Test wird Version 6.2.2.-24922 Update 4 eingesetzt. Der DiskStation Manager 7 ist noch nicht fertiggestellt, wird allerdings im Laufe des Jahres verfügbar sein und dann auch die DS220j unterstützen.

Auf der nächsten Seite: Übertragungsraten und USB-Backup