Sony WF-SP800N im Test: Sport-In-Ears mit gutem Klang, aber zu schwachem ANC

Frank Hüber
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Sony WF-SP800N im Test: Sport-In-Ears mit gutem Klang, aber zu schwachem ANC

tl;dr: Die kabellosen Sport-In-Ear-Kopfhörer Sony WF-SP800N bieten eine lange Akkulaufzeit, einen guten Klang, einen sehr angenehmen und dank Ear-Wings festen Sitz und sind nach IP55 gegen Staub und Wasser geschützt. Das ANC ist aber nicht effektiv genug und bleibt deutlich hinter dem WF-1000XM3 zurück.

Die Sony WF-SP800N präsentieren sich als kabellose Allrounder-In-Ears, die eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC), Schutz gegen Staub und Wasser nach IP55, Ear-Wings für einen festen Sitz beim Sport, eine automatische Pause-Funktion und die Unterstützung der Sprachassistenten Google Assistant und Amazon Alexa mit einer guten Akkulaufzeit von 9 Stunden ohne Aufladen kombinieren.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 199,90 Euro sind die Sony WF-SP800N allerdings kein Schnäppchen und müssen ihre zahlreichen Funktionen somit auch in der Praxis im Test gebührend unter Beweis stellen. Für diesen Preis erhält der Käufer neben den Ohrhörern und dem Ladecase eine Anleitung, ein USB-C-auf-USB-A-Ladekabel mit einer Länge von rund 20 cm, Silikon-Ohrpassstücke in vier Größen und Ear-Wings in zwei unterschiedlichen Größen. Die Ohrpassstücke und Ear-Wings sind einzeln an den Ohrhörern angebracht, so dass unterschiedliche Größen kombiniert werden können. Die Sony WF-SP800N sind allerdings nicht zum Tragen ohne Ear-Wings konzipiert, da sie dann Kanten aufweisen, in die diese greifen.

Technische Daten der Sony WF-SP800N

Großes Ladecase mit USB-C

Für das Ladecase setzt Sony auf ein ungewöhnliches Design, das dem Ladecase der WF-1000XM3 (Test) angelehnt ist, aber in jede Richtung abgerundetere Formen aufweist. In der Hand fühlt es sich auch durch die matte Oberfläche sehr gut an. Dennoch ist es mit Abmessungen von 85,5 × 52,25 × 34,4 mm (B × H × T) vergleichsweise groß und für die meisten Hosentaschen ungeeignet – ein Resultat auch aus den Ear-Wings, die mit im Ladecase untergebracht werden müssen. Das Ladecase der Sony WF-XB700 (Test) misst zum Vergleich 81,3 × 36,5 × 43,2 mm, bei den Sony WF-1000XM3 sind es hingegen gar 103,0 × 42,6 × 24,5 mm. Samsung Galaxy Buds+ (Test) kommen auf nur 70,0 × 38,8 × 26,5 mm und die Apple AirPods Pro (Test) auf lediglich 45,2 × 60,6 × 21,7 mm. Das Ladecase der kürzlich getesteten JBL Live 300TWS, die ebenfalls Sportler ansprechen wollen, misst 72,7 × 48,7 × 31,9 mm (B × H × T).

Das Ladecase der WF-SP800N wiegt 59 g, womit es zwar deutlich leichter als das 77 g schwere Exemplar der WF-1000XM3 ist, aber immer noch im oberen Bereich des Testfelds angesiedelt ist. Das Ladecase der Samsung Galaxy Buds+ (Test) ist zum Vergleich ebenso wie das der Apple AirPods (Test) nur rund 40 g schwer.

Die Ohrhörer rasten sicher und zuverlässig im Ladecase ein und lassen sich sehr gut entnehmen. Sony hat hier nicht jeden Millimeter auf Kosten der Handhabung eingespart, um das Ladecase so klein wie möglich zu gestalten. Werden die Ohrhörer in das Ladecase eingesetzt, leuchtet sowohl bei diesen als auch außen am Ladecase eine LED, die den Ladezustand signalisiert.

Eine Schnellladefunktion sorgt nach nur 10 Minuten für eine Musikwiedergabe von weiteren 60 Minuten. Geladen wird das Ladecase ausschließlich über USB-C; Wireless Charging bieten die WF-SP800N nicht. Die Ohrhörer benötigen rund 2 Stunden, um vollständig geladen zu werden, das Ladecase hingegen knapp 3 Stunden.

Knapp 9 Stunden Akkulaufzeit mit ANC, über 13 ohne

Sony nennt für die WF-SP800N eine Akkulaufzeit von bis zu 9 Stunden mit aktiviertem ANC und bis zu 13 Stunden ohne ANC. Über das Ladecase können die Ohrhörer ein Mal vollständig aufgeladen werden, so dass sich die Akkulaufzeit je nach gewähltem Modus auf 18 oder 26 Stunden verdoppelt.

In der Praxis war nach 8:55 Stunden mit ANC und 13:25 Stunden ohne ANC Schluss – ein hervorragendes Ergebnis, mit dem sich Sony vor keiner Konkurrenz verstecken muss. Die hauseigenen WF-XB700 (Test) kommen auf 9 Stunden, aber ohne ANC. Der bisherige Primus, die Samsung Galaxy Buds+ (Test), erzielt in der Praxis rund 12 Stunden Akkulaufzeit. Modelle wie die JBL Live 300TWS mit knapp 6 Stunden Musikwiedergabe werden klar geschlagen.

Bluetooth 5.0 des WF-1000XM3 und AAC

Für die Funkverbindung mit dem Smartphone kommt der Bluetooth-Chip des WF-1000XM3 (Test) zum Einsatz, die WF-SP800N setzen somit ebenfalls auf Bluetooth 5.0. Der Bluetooth-Chip überträgt den Klang an beide Ohren gleichzeitig. Bei den Audio-Codecs bieten die Ohrhörer neben SBC auch AAC, verzichten aber auf einen HD-Codec oder Sonys hauseigenen LDAC. Die WF-SP800N beherrschen jedoch wie die WF-1000XM3 Sonys „360 Reality Audio“, was allerdings vom Musik-Streamingdienst unterstützt werden muss. Der Hersteller bietet zudem eine „Extra-Bass-Funktion“ an, über die der Bass verstärkt werden kann. Mit Sonys DSEE HX („Digital Sound Enhancement Engine HX“), mit deren Hilfe digitale, komprimierte Musikstücke um fehlende Musik-Informationen ergänzt werden sollen, so dass diese „fast High-Resolution-Audio-Qualität“ erreichen sollen, warten die WF-SP800N nicht auf – in der Praxis kein großer Verlust.

Multi-Connect, also die gleichzeitige Verbindung mit mehreren Endgeräten, so dass nahtlos zwischen diesen gewechselt werden kann, unterstützen die WF-SP800N nicht. Soll das verbundene Endgerät gewechselt werden, muss immer erst die aktuelle Bluetooth-Verbindung manuell unterbrochen werden. Wer die In-Ears ausschließlich mit einem Endgerät nutzt, für den ist dieser Punkt zu vernachlässigen.

6-mm-Treiber, kein QN1e-ANC-Chip

Die dynamischen Neodymium-Treiber in den Ohrhörern messen 6 mm im Durchmesser. Weitere Details zum Frequenzgang und zu anderen technischen Spezifikationen hat Sony zu den WF-SP800N nicht bekannt gegeben. Auch den Soundchip verrät der Hersteller nicht – bekannt ist nur, dass nicht der QN1e-ANC-Chip aus den WF-1000XM3 zum Einsatz kommt.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
Sony WF-SP800N JBL Live 300TWS Sony WF-XB700 Sony WF-1000XM3 Sennheiser Momentum True Wireless 2 Samsung Galaxy Buds+ Bose SoundSport Free Jabra Elite 75t Apple AirPods Pro Apple AirPods (2. Gen.) Huawei FreeBuds 3
Akkulaufzeit Ohrhörer 9 h (mit ANC), 13 h (ohne ANC) 6 h 9 h 8 h 7 h 11 h 5 h 7,5 h 5 h 5 h 4 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 18 h 20 h 18 h 32 h 28 h 22 h 15 h 28 h 24 h 24 h 20 h
Wireless Charging Nein Ja Nein Ja Nein/Ja Ja
ANC Ja Nein Ja Nein Ja Nein Ja
Bluetooth-Standard 5.0 5.1 5.0 4.1 5.0 5.1 LE
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, AAC, aptX, aptX LL SBA, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC SBC, AAC SBC
USB-Typ USB-C Micro-USB USB-C Lightning USB-C
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 9,5 / 59 g 6 / 54 g 8 / 46 g 8,5 / 77 g 6,0 / 58 g 6,3 / 39,6 g 9 / 80 g 5,5 / 35 g 5,5 / 46 g 4 / 40 g 4,5 / 48 g
Zertifizierung IP55 IPX5 IPX4 Keine IPX4 IPX2 IPX4 IP55 IPX4 Keine Keine
Preis 190 Euro 134 Euro 137 Euro 190 Euro 299 Euro 140 Euro 170 Euro 180 Euro 280 Euro 140 / 170 Euro 145 Euro

IP55 gegen Staub, Schweiß und Regen

Die WF-SP800N sind nach IP55 gegen Staub und Wasser geschützt. Strahlwasser aus beliebigem Winkel kann ihnen somit nichts anhaben, wobei Sony den Treiberausgang, der im Gehörgang sitzt, hiervon explizit ausnimmt. Dennoch können die Ohrhörer laut dem Hersteller abgewaschen werden. Vollständig untertauchen sollte man sie jedoch nicht. Wie immer bezieht sich die IP-Zertifizierung nur auf die Ohrhörer, nicht aber auf das Ladecase.

Problemlose Einzelnutzung für Musik und Telefonie

Beide Ohrhörer der WF-SP800N können einzeln genutzt werden, da sie sich, wie bereits erwähnt, einzeln mit dem Smartphone verbinden. Die auf dem jeweiligen Ohrhörer gewählte Steuerung bleibt dabei unverändert und ist somit in jedem Fall eingeschränkt.

Der Wechsel zwischen dem Stereo- und Mono-Betrieb und andersherum erfolgt ohne Unterbrechung, sofern das automatische Pausieren der Wiedergabe beim Herausnahmen eines Ohrhörers nicht aktiviert ist.

Touchsteuerung mit Anpassungen in der App

Die Wiedergabesteuerung erfolgt über Touchflächen an der Außenseite der Ohrhörer. Um diese Flächen zielsicher zu treffen, ist etwas Gewöhnung erforderlich, da man anfänglich gerne den Rand der Ohrhörer erwischt. Der rechte Ohrhörer ist dabei mit der Wiedergabesteuerung belegt. Hierüber kann Musik durch einmaliges Antippen gestartet und pausiert werden. Doppeltes Antippen springt einen Track weiter, dreifaches einen Track zurück. Ein langer Druck auf die Touchfläche des rechten Ohrhörers aktiviert den Sprachassistenten des Smartphones.

Auf dem linken Ohrhörer ist hingegen im Auslieferungszustand die Umgebungsgeräuschsteuerung aktiviert. Ein einfaches Antippen schaltet zwischen der aktiven Rauschunterdrückung und der Durchleitung der Umgebungsgeräusche um oder deaktiviert beide Funktionen. Durch ein Gedrückthalten wird die Funktion „Schnelle Beachtung“ ausgelöst, die die Musikwiedergabe stoppt und die Umgebungsgeräusche durchleitet. In der Praxis ist diese Funktion allerdings wenig sinnvoll, da es immer noch schneller ist, den Ohrhörer aus dem Ohr zu nehmen, um die Umgebung wirklich schnell wahrzunehmen.

Die Verstärkung der Umgebungsgeräusche lässt sich in der App anpassen. Auf der höchsten Stufe 20 erhöht sich auch das Grundrauschen, da es ebenfalls verstärkt wird. Bei niedrigeren Stufen ist hingegen kein Rauschen zu hören. Über „Fokus auf Stimme“ lassen sich zudem explizit die Stimmen in der Umgebung verstärken, was in der Praxis durchaus einen hörbaren Unterschied macht.

Zudem können die Ohrhörer den Modus automatisch anhand der erkannten Aktivität des Trägers anpassen – Sony nennt diese Funktion „Advanced Adaptive Sound Control“. Dabei kann nicht nur die Bewegung, sondern auch der Standort eines Nutzers in die Umschaltung einbezogen werden. Der Träger kann dabei eigene Standorte anhand einer Karte definieren, an denen ein bestimmtes Profil ausgelöst werden soll. Die Headphones-Connect-App von Sony schaltet zwischen den vier Modi „Verweilt“, „Spaziert“, „Läuft“ und „Wird befördert“ um. Ein akustisches Signal signalisiert jeweils den Wechsel der Einstellung. Auf Wunsch können Ansagen und Töne in der App deaktiviert werden.

Neben einer Anpassung des ANCs über die App bieten die Kopfhörer somit wieder einen Transparenzmodus, über den Außengeräusche an das Ohr des Trägers durchgeleitet werden. Erfreulich ist hierbei erneut, dass die Intensität eingestellt werden kann, so dass auch das Ausmaß der Verstärkung des Grundrauschens individuell selbst bestimmt werden kann. Dies fehlt vielen Konkurrenten, die beim Transparenzmodus nur zwischen an und aus unterscheiden.

Lautstärkeregelung nur unter Verlust anderer Funktionen

Wie bei den WF-1000XM3 ist auch bei den WF-SP800N ein Anpassen der Steuerung möglich, erneut aber nur über vordefinierte Profile. Die einzelnen Touchgesten lassen sich somit nicht einzeln mit Funktionen belegen. Möchte man beispielsweise auf dem linken Ohrhörer die Lautstärke steuern, fällt die Umgebungsgeräuschsteuerung dadurch zwangsläufig weg.

Zu den Profilen gehören die „Wiedergabesteuerung“ (Standard rechts), die „Umgebungsgeräuschsteuerung“ (Standard links), der „Lautstärkeregler“, „Google Assistant“, „Amazon Alexa“ und „Nicht zugewiesen“. Eine einfache Möglichkeit, „Lauter“ und „Leiser“ auf die Geste „Gedrückt halten“ rechts und links zu legen, ist weiterhin nicht möglich.

Automatisches Pausieren und Ausschalten

In der App kann darüber hinaus eingestellt werden, ob die Musikwiedergabe automatisch pausieren soll, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen wird, und fortgesetzt wird, sobald der Benutzer den Ohrhörer wieder einsetzt. Diese Funktion ist sowohl unter Android als auch iOS verfügbar. In der Praxis funktioniert das automatische Pausieren und Fortsetzen sehr zuverlässig. Wenn beide Hörer aus den Ohren genommen werden, schalten sich diese nach fünf Minuten automatisch aus – auch dies lässt sich in der App auf Wunsch deaktivieren.

App mit weiteren Funktionen

In der App von Sony kann zudem ein Equalizer genutzt werden, der vordefinierte Profile bietet, aber auch das Speichern eigener Profile erlaubt. Die Anpassungen bewegen sich aber nur über fünf Regler im Bereich zwischen 400 Hz und 16 kHz.

Neu ist, dass die Einstellungen der App im Profil des Nutzers auf den Servern von Sony gesichert werden können. So lassen sich individuelle Einstellungen der Geräuschsteuerung und zu „360 Reality Audio“ sichern, um sie beispielsweise auf einem neuen Smartphone in der App wieder abrufen zu können. Über die App kann der Nutzer nämlich seine Ohren fotografieren und die Analyse der Ohrform in die Berechnung des 3D-Klangs einfließen lassen – ähnlich dem Verfahren von Creatives Super X-Fi –, was sich nun sichern lässt.

Denn auch die WF-SP800N unterstützen wie die WF-1000XM3 Sonys „360 Reality Sound“, wodurch der Eindruck eines dreidimensionalen Klangbilds erzeugt wird, wenn die Audiodateien entsprechend abgemischt wurden. Dies ist nach wie vor bei Weitem nicht bei allen aktuellen Tracks der Fall, weshalb der Nutzen sehr begrenzt ist. Und auch wenn der Unterschied deutlich zu hören ist, profitiert nicht jeder Titel automatisch von einem 3D-Klangbild. Nur wenn die Technik sinnvoll und gezielt eingesetzt wird, ist sie tatsächlich ein deutlicher und lohnenswerter Mehrwert. Hierfür ist aber auch ein teures Abo etwa bei Tidal oder Deezer nötig, denn nur die Hi-Fi-Varianten bieten auch „360 Reality Sound“.

Angenehmes Tragegefühl, sicherer Halt

Mit 9,5 g pro Ohrhörer gehören die WF-SP800N zu den schweren Modell im Testfeld. Dank der Ear-Wings sitzen sie aber dennoch fest und zudem sehr angenehm mit wenig Druck ihm Ohr, sofern sich beim Träger eine passgenaue Kombination aus Passstück und Ear-Wing finden lässt – was beim Tester kein Problem darstellte.

Die WF-SP800N ähneln abseits der Ear-Wings grundsätzlich dabei in ihrer Form und dem Trageprinzip den WF-1000XM3, sind also vergleichsweise groß und ragen deutlich aus dem Ohr heraus. Unter Mützen lassen sie sich somit kaum tragen.

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