C:\B_retro\Ausgabe_53\: Microsoft Xbox 360

Sven Bauduin 142 Kommentare
C:\B_retro\Ausgabe_53\: Microsoft Xbox 360

tl;dr: Nur wenige Wochen vor dem Marktstart der Xbox Series X sowie Xbox Series S am 10. November 2020 wirft C:\B_retro\ einen Blick zurück auf die damals noch auf der PowerPC-Architektur basierende Microsoft Xbox 360 aus dem Jahr 2005. Auch schon damals hieß der Hauptkonkurrent Sony, dieser setzte auf den Cell-Superprozessor.

Jeden Sonntag wirft diese Serie einen unterhaltsamen Blick zurück auf drei Jahrzehnte voller bewegter Geschichten und interessanten Entwicklungen der Computerszene. Mythen, Meilensteine und Meisterwerke: C:\B_retro\.

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Microsoft Xbox 360

Während sich IBM, Sony und Toshiba im Februar 2005 mit ihrem neuen in 90 nm gefertigten Superprozessor „Cell“ rühmten, der damalige CPUs um das bis zu Zehnfache übertreffen sollte, stellte Microsoft die Xbox 360 im März 2005 auf der jährlich in San Francisco stattfindenden Game Developers Conference erstmals einem breiten Publikum vor, Details nannte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt nicht.

Im Rahmen der Games Convention 2005 in Leipzig wurde die Xbox 360 zum ersten Mal live auf der Bühne präsentiert und erste Details zu Hardware und Spielen bekannt. Im September 2005 gab Microsoft die endgültigen Veröffentlichungsdaten bekannt.

Die Xbox 360 kam am 22. November 2005 in den USA und Kanada in den Handel, am 2. Dezember 2005 folgte der Marktstart in Europa und am 10. Dezember 2005 wurde die Spielkonsole auch in Japan veröffentlicht.

Xbox 360 Basis System
Xbox 360 Basis System
Xbox 360 Pro System
Xbox 360 Pro System

Erneut hieß das Duell, welches viele Spieler in Lager teilte, Microsoft gegen Sony und diesmal sollten die Xbox 360 und die PlayStation 3 (Test) gegeneinander antreten.

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Die Hardware

Während Sony auf seinen mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Cell-Prozessor mit insgesamt acht Synergistic Processing Units mit je einem Thread und eine Grafikeinheit vom Typ Nvidia RSX „Reality Synthesizer“ setzte, basierte die Xbox 360 auf einer PowerPC-CPU mit drei Kernen, die jeweils zwei Threads abarbeiten konnten.

Wie bei den aktuellen Next-Gen-Spielkonsolen Xbox Series X und PlayStation 5, war auch die Xbox 360 im Jahr 2005 mit ihrem 10 MB großen und 256 GB/s schnellem „Embedded Speicher“ vom Typ eDRAM und ihrem auf CPU und Grafikeinheit aufgeteilten 512 MB großen GDDR3-Speicher die komplexere Konsole.

Mit den folgenden Spezifikationen traten die Microsoft Xbox 360 und die Sony PlayStation 3 in der Folge gegeneinander an:

Die Hardware im Vergleich
Xbox 360 PlayStation 3
Microsoft Xbox 360 Sony PlayStation 3
Prozessor Custom IBM Power-PC,
3 Kerne mit je 2 Threads
Cell Prozessor,
8 Synergistic Processing Units
mit je einem Thread
Taktfrequenz 3,2 GHz 3,2 GHz
L2 Cache 1 MB 512KB L2 Cache, 256KB pro SPE
Systemspeicher 512 MB GDDR3 RAM,
700 MHz, geteilt mit GPU
256 MB XDR RAM
Bandbreite des Systemspeichers 22,4 GB/s 25,6 GB/s
Embedded Speicher 10MB eDRAM Keinen
Bandbreite des Embedded RAMs 256 GB/s -
Grafikchip Custom ATI Prozessor Nvidia RSX „Reality Synthesizer“
Taktrate des Grafikchips 500 MHz 550 MHz
Grafikspeicher 512 MB GDDR3 RAM,
700 MHz, geteilt mit GPU,
10 MB eDRAM
256MB GDDR3 RAM,
700MHz
Bandbreite des Grafikspeichers 21,6 GB/s zum VRAM und
256 GB/s zum eDRAM
22,4 GB/s
Unterstützte Auflösungen 480i, 480p, 720p, 1080i 480i, 480p, 720p, 1080i, 1080p
Auswechselbare Festplatte 20 GB, optional oder
im Pro System
Ja, Größe unbekannt
max. Anzahl der Controller Vier Sieben
Unterstützte Medien Xbox DVD, DVD-Video,
DVD-ROM, DVD-R/RW,
DVD+R/RW, CD-DA,
CD-ROM, CD-R, CD-RW,
WMA CD, MP3 CD,
JPEG Photo CD
BD, BD-ROM, Blu-ray Disc,
CD, CD-DA, CD-DA (ROM),
CD-R, CD-RW, DVD+R, DVD+RW,
DVD-R, DVD-ROM, DVD-RW,
PS2 DVD-ROM, PS3 BD-ROM,
PS3 DVD-ROM, PS1 CD-ROM,
PS2 CD-ROM, SACD HD,
SACD Hybrid (CD-Layer)
Medium der Spiele Dual-Layer DVD-ROM Blu-ray BD-ROM
Netzwerk 1 Gigabit Ethernet 1 Gigabit Ethernet
Kabelloses Netzwerk 802.11 A/B/G Wi-Fi optional 802.11 B/G Wi-Fi, Bluetooth 2.0
Surround Sound Multi-Kanal, bis zu 256
diskrete Kanäle
5.1 Dolby Surround
I/O-Anschlüsse 3 USB 2.0, 2 Memory Slots,
Ethernet Port (RJ45),
Optischer Audioausgang
6 USB 2.0, Ethernet (RJ45),
CF Slot (Type I, II),
SD Slot, Memory Stick,
Memory Stick Duo,
Optischer Audioausgang
Media Center Extender 2.0 Ja Nein
Inhalte von iPod und Co. Ja Nein
Audio-, Video- und Musik-Streams Ja Ja
Abwärtskompatibilität Eingeschränkt Eingeschränkt (unbekannt)
Online-Dienst Xbox Live Noch unbekannt

Während die klassische Xbox zum Deutschland-Start am 14. März 2002 noch mit einem Intel Pentium III mit 733 MHz, auf 128 kByte halbiertem L2-Cache daher kam und im PC bereits wesentlich leistungsfähigere Prozessoren wie den Pentium 4 2 GHz (Northwood) oder Athlon XP 2000+ (Palomino) zu finden waren, rechnete in der Xbox 360 ein speziell für diese Zwecke von IBM entwickelter Prozessor.

Der von IBM entwickelte Xbox-360-Prozessor wurde in 90 nm und unter Verwendung von Silicon on Insulator (SOI) bei IBM und Chartered Semiconductor gefertigt. Er bot drei vollwertige 64-Bit-PowerPC-Kerne, die mit 3,2 GHz betrieben wurden und mit einem jeweils 32 kByte große Daten- (4-fach assoziativ) und Befehlscache (2-fach assoziativ) aufwarten konnten.

Da jeder der drei Kerne darüber hinaus Simultaneous Multithreading (SMT) bot, also zwei Aufgaben parallel abarbeiten konnte, war die Xbox 360 in der Lage bis zu 6 Threads parallel auszuführen und stellt damit die seinerzeit aktuellen Dual-Core-Prozessoren von Intel und AMD in den Schatten.

Technische Daten der CPUs im Vergleich
Xbox 360
(CPU)
Pentium 4
(500-Series)
Pentium 4
(600-Series)
Pentium D
(800-Series)
Entwicklung IBM Intel Intel Intel
Fertigung 90 nm (SOI) 90 nm 90 nm 90 nm
Transistoren 165 Mio. 125 Mio. 169 Mio. 230 Mio.
Fläche 168 mm² 112 mm² 135 mm² 206 mm2
Prozessortakt 3,2 GHz 2,8-3,8 GHz 3,0-3,8 GHz 2,8-3,2 GHz
Kerne (Threads) 3 (6) 1 (2) 1 (2) 2 (2-4)

Der von ATi entwickelte Grafikchip wurde unter dem internen Codenamen „C1“ geführt, in der Öffentlichkeit wurde dagegen eher von „Xenos“ gesprochen.

Der C1 wurde im 90-nm-Prozess bei TSMC gefertigt und stellte kein gewöhnliches Einkern-Prinzip dar, da der Chip vielmehr aus zwei Teilen bestand. Einer stellte den eigentlichen „Shader-Core“ dar, während der Andere größtenteils ein 10 MB großer eDRAM-Speicher war.

Die GPU bestand aus insgesamt rund 232 Millionen Transistoren und taktete in der Spitze mit bis zu 500 MHz.

Der YouTube-Kanal 91Tech veröffentlichte erst vor wenigen Tagen ein „15 Jahre später“-Review der Xbox 360, welches definitiv sehenswert ist.

Die Spiele

Insgesamt 15 Spiele, von denen in Deutschland 14 auf den Markt kommen sollten, flankierten den Start der Xbox 360 am 2. Dezember 2005 in Europa. Das Line-Up bestand dabei zu Beginn fast ausschließlich aus Sport- und Rennspielen sowie Shootern.

Auf Abenteuer- und Rollenspiele mussten Spieler bis 2006 warten, bevor The Elder Scrolls IV: Oblivion und Final Fantasy XI diesen Umstand korrigieren sollten.

Die folgenden Titel lieferten Microsoft und die Entwicklerstudios zum Start der Xbox 360:

  • Amped 3 (2K Sports)
  • Call of Duty 2 (Activision)
  • NBA Live 06 (Electronic Arts)
  • Madden NFL 06 (Electronic Arts)
  • Peter Jacksons King Kong (Ubisoft)
  • FIFA 06: Road to FIFA World Cup (Electronic Arts)
  • Kameo: Elements of Power (Microsoft Game Studios)
  • Project Gotham Racing 3 (Microsoft Game Studios)
  • Need for Speed: Most Wanted (Electronic Arts)
  • Tony Hawk’s American Wasteland (Activision)
  • Tiger Woods PGA TOUR 06 (Electronic Arts)
  • Perfect Dark Zero (Microsoft Game Studios)
  • Quake 4 (Activision, id Software)
  • GUN (Activision)

Das Zubehör

Neben einem kabelgebundenen und einem kabellosen Controller sowie einer 64 MB großen Memory Unit für Spielstände, bot Microsoft für die Xbox 360 auch eine optional 20 GB fassende Festplatte an.

Zubehör: Wireless Controller
Zubehör: Wireless Controller
Zubehör: Kabelgebundener Controller
Zubehör: Kabelgebundener Controller

Während die Controller mit 34,99 respektive 44,99 Euro zu Buche schlugen, kostete die Festplatte seinerzeit 99,99 Euro. Für die Memory Unit mussten ebenfalls 34,99 Euro entrichtet werden, was in keinem Verhältnis zum Preis der Festplatte stand.

Zubehör: 20 GB Festplatte
Zubehör: 20 GB Festplatte
Zubehör: Memory Unit mit 64 MB
Zubehör: Memory Unit mit 64 MB

Zudem bot das Unternehmen aus Redmond neben einem Headset für 29,99 Euro auch einen Wireless-Adapter zum Preis von 79,99 Euro an, der die WLAN-Standards 802.11a, 802.11b und 802.11g im 2,4-GHz-Frequenzbereich beherrschte.

Zubehör Headset
Zubehör Headset
Zubehör: Wireless Lan Adapter
Zubehör: Wireless Lan Adapter

Für den Einsatz als Medienzentrale boten sich seinerzeit die Universal Fernbedienung (29,99 Euro) und die Mini-Fernbedienung (19,99 Euro) an, da mit der Xbox 360 auch die Wiedergabe von DVDs und Videodateien möglich war.

Zubehör: Universal Fernbedienung
Zubehör: Universal Fernbedienung
Zubehör: Mini-Fernbedienung
Zubehör: Mini-Fernbedienung

Verschiedenste Scart- und Component-HD-AV-Kabel rundeten das umfangreiche Zubehörprogramm der Xbox 360 ab.

Das HD-DVD-Laufwerk

Eine echte Besonderheit war das optional erhältliche externe HD-DVD-Laufwerk, welches erstmals auf der E3 2006 vorgestellt wurde. In Deutschland kam das HD-DVD-Laufwerk am 24. November 2006 zum Preis von 199,00 Euro inklusive des HD-DVD-Films King Kong in den Handel.

Das externe HD-DVD-Laufwerk für die Xbox 360
Das externe HD-DVD-Laufwerk für die Xbox 360 (Bild: Wikipedia)

Im Januar 2008 wurde der Preis des HD-DVD-Laufwerks auf 99 Euro gesenkt. Im Mai 2008 senkte Amazon den Preis gar auf 10 Euro, um Restbestände zu verkaufen – das das Advanced Optical Disc-Konsortium (AOD), dem u. a. NEC, Microsoft, Toshiba, Intel, IBM und Hewlett-Packard angehörten, hatte den Wettkampf gegen die Blu-ray verloren.

Kinect

Ab November 2010 wurde zudem die Erweiterung Kinect für die Xbox 360 angeboten, mit der es Spielern möglich war, Spiele mit eigenen Bewegungen zu steuern.

In der Leiste von Kinect befinden sich eine Kamera sowie ein Infrarotsensor, welche die Bewegungen des Spielers auf den Bildschirm übertragen, wobei kein Controller mehr verwendet werden muss. In diesem Bereich war die Xbox 360 der PlayStation 3 mit PlayStation Move sowie der Wii seinerzeit voraus.

Der Erfolg

Die Xbox 360 stellte einen großen Erfolg für Microsoft dar, denn hatte die erste Xbox das Duell mit der PlayStation 2 mit 25 zu 157 Millionen verkauften Einheiten noch deutlich verloren, gelang der Xbox 360 ein beachtliches Unentschieden.

Sowohl die PlayStation 3 als auch die Xbox 360 verkaufen sich bis heute rund 86 bis 87 Millionen Mal und belegen damit einen der vorderen Plätze im Ranking der meistverkauften Spielkonsolen bis heute.

Die meistverkauften Spielkonsolen bis heute
Platz Konsole Hersteller Art Erschienen Verkäufe
1 PlayStation 2 Sony stationäre Spielkonsole 2000 158 Millionen
2 Nintendo DS Nintendo Handheld-Konsole 2004 155 Millionen
3 Game Boy Nintendo Handheld-Konsole 1989 119 Millionen
4 PlayStation 4 Sony stationäre Spielkonsole 2013 113 Millionen
5 PlayStation Sony stationäre Spielkonsole 1994 103 Millionen
6 Wii Nintendo stationäre Spielkonsole 2006 102 Millionen
7 PlayStation 3 Sony stationäre Spielkonsole 2006 87 Millionen
8 Xbox 360 Microsoft stationäre Spielkonsole 2005 86 Millionen
9 Game Boy Advance Nintendo Handheld-Konsole 2001 82 Millionen
10 PlayStation Portable Sony Handheld-Konsole 2004 81 Millionen

Damit ist die Xbox 360 die mit Abstand meistverkaufte Spielkonsole von Microsoft, gefolgt von der Xbox One mit rund 50 Millionen verkauften Einheiten.

Aus der Community

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Community-Mitglied „andi_sco“, seines Zeichens Initiator des „Retro-Hardware Bilderthreads“ hat ein besonders schönes Foto der Xbox-360-GPU zur Verfügung gestellt.

Die GPU der Xbox 360 neben einer ATi Radeon 7500 Mobility und einer AMD C-50 APU
Die GPU der Xbox 360 neben einer ATi Radeon 7500 Mobility und einer AMD C-50 APU (Bild: andi_sco)

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