AW: Fußballstammtisch 2015 (1. Beitrag beachten)
Tuchel ist alles, aber nicht ähnlich. Sowohl die Menschenführung, der Charakter als auch die taktische Auffassung vom Spiel sind vollkommen gegensätzlich.
Die einzigen zwei Dinge, die Tuchel und Klopp verbinden, sind die Impulsivität an der Seitenlinie und die Tatsache, dass sie beide mal Mainz trainiert haben.
Tuchel ist mit seiner rauen, bisweilen nicht so sympathischen, autoritären Art als Typ genau das, was Leute wie Weidenfehler und Hummels (falls er denn bleibt) brauchen, um den nächsten Schritt machen zu können. Wir dürfen jetzt ja nicht den Fehler machen, uns einen Klopp light zu beschaffen, es darf kein "weiter so" geben.
Klopps väterliche, freundschaftliche Art hat sich teilweise abgenutzt, teilweise wurde sie ausgenutzt und Spieler konnten sich auf ihren vergangenen Leistungen ausruhen, da Klopp es nicht übers Herz bringt, Spieler wie unseren Neuer für ganz arme abzusägen. Tuchel ist da viel distanzierter zu seinen Spielern, es muss jeder beweisen, dass er noch gut genug ist, und er hat auch kein Problem damit, ehemalige Leistungsträger außen vor zu lassen, wenn sie es nicht mehr bringen. Das brauchen so einige bei uns, um wieder den Arsch hochzukriegen.
Taktisch kann Klopp Tuchel nicht das Wasser reichen. Tuchel ist extrem flexibel in der Hinsicht und hat auch ein weitaus größeres Verständnis fürs Spiel. Klopp musste sich da oftmals auf seinen Assistenten Buvac verlassen und war in seiner Herangehensweise/in seinem Stil extrem eindimensional. Wenn man den Artikel von Röckenhaus (Hofjournalist) in der Süddeutschen liest, kann man auch sehen, wie ideen- und planlos Klopp schon seit dem Winter 2013 war. Seine einzige Erklärung für die Krise war "das wird schon, wenn die Verletzten zurückkommen kommt der Erfolg von allein". Solche Interviewaussagen haben viele Fans diese Saison sehr erzürnt und fassungslos gemacht. Unsere einzige Hoffnung war, dass das nur Medienblabla ist, aber viele (auch ich) gingen davon aus, dass WZK verblendet genug sind, um ihren eigenen Müll zu glauben.
Jetzt, wo Klopp gesehen hat, dass er Unrecht hatte und auch keine Mittel findet, das Problem zu korrigieren, ist er gegangen. Das ist konsequent und gut für den Verein.
Wir hatten lange genug einen Motivator und Menschenkenner als Cheftrainer. Jetzt brauchen wir einen Trainer, der sich durch taktische Überlegenheit gegenüber den meisten anderen Trainern auszeichnet, weiche Faktoren sind für mich nach dieser Saison nachrangig. Und da ist Tuchel für mich der beste Trainer, den es im deutschsprachigen Raum gibt.
Als Gesamtpaket wäre mir Sascha Lewandowski am liebsten, aber das ist wohl leider unmöglich. Von Favre halte ich nichts. Er ist ein toller Trainer mit einer ganz klaren Idee, doch diese passt nicht zu uns (und wird möglicherweise auch zu Gladbach nicht mehr passen, wenn sie ihre Erfolge über einige Jahre bestätigen). Gladbach ist eines der ideenlosesten Teams am Ball, ihre Spielstrategie ist im Grunde darauf ausgelegt, extrem ballsicher und mit wenig Risiko zu spielen, bis die individuelle Klasse nachhilft. Davon hatten wir unter Klopp schon genug. Favres Fußball tut sich gegen tiefstehende Gegner extrem schwer, die werden in Zukunft Probleme bekommen.