Parrot Bebop 2 im Test : Komfortabler Quadrokopter als Freizeitdrohne

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Parrot Bebop 2 im Test: Komfortabler Quadrokopter als Freizeitdrohne

Die Zahl der Hobby-Drohnen-Piloten in Deutschland ist mittlerweile sechs- bis siebenstellig und es hat sich ein breiter Markt, angefangen bei kleinen Spielzeugdrohnen für unter 50 Euro bis hin zu professionellen Kameradrohnen für mehrere tausend Euro, entwickelt. Die Produktvielfalt sinkt mit steigendem Preis. Aber auch im Umfeld von Parrots Bebop 2, die zum Testzeitpunkt für rund 500 Euro allein und für 700 Euro mit Skycontroller-Steuerung erhältlich ist, gibt es Konkurrenz in Form der älteren Einstiegsmodelle vom Marktführer DJI (Phantom 3), von AEE und Yuneec (Q500).

Je nachdem, ob bei den Rivalen beispielsweise eine Kamera integriert wurde oder die Bebop 2 mit Controller und zusätzlichen Akkus von Interesse ist, gibt es Überschneidungen im Preissegment. Käufer stehen dann vor der Frage, ob die Ausstattung der Bebop 2 den Mehrpreis gegenüber günstigeren Flugmodellen rechtfertigt, ob man für eine ähnliche Investition nicht nur eine Drohne mit Aufhängung (Gimbal) für die vielleicht schon vorhandene GoPro-Kamera vorzieht oder auch gleich in die Liga über 1.000 Euro „aufsteigt“. Da es sich bei der Bebop 2 laut Parrot um eine Freizeitdrohne (im Vergleich zu genannten, professionelleren Alternativen) handelt und dies der erste Test einer solchen auf ComputerBase ist, berührt der Testbericht auch den Themenkomplex insgesamt. „Drohne“ ist als Begriff sehr allgemein und in Deutschland oft negativ behaftet, spezifischer müsste man von „Flugmodellen“ oder „Unbemanntem Luftfahrtsystem“ sprechen – je nachdem, ob privat zur Freizeitgestaltung oder zu sonstigen, gewerblichen Zwecken geflogen wird. Auch „Multikopter“ und „Quad(ro)kopter“ dienen als treffendere Bezeichnung für die Bebop 2, der Testbericht folgt trotzdem dem Hersteller und allgemeinen Sprachgebrauch und nutzt an einigen Stellen den Begriff „Drohne“.

650 Euro für Bebop 2 mit Skycontroller Black
650 Euro für Bebop 2 mit Skycontroller Black
Mehr Gewicht und Volumen, Bumper fehlen
Mehr Gewicht und Volumen, Bumper fehlen
Einfacher Transport in der OVP
Einfacher Transport in der OVP

Aufgrund der integrierten 14-Megapixel-Kamera mit Full-HD-Videoaufnahme, GPS und einer Flugsteuerung, die einen stabilen selbstständigen Flug ermöglicht, rückt die Parrot Bebop 2 näher an die professionelleren Vertreter unter den Quadrokoptern. Sie ist mit knapp über 500 Gramm Gewicht und ihren handlichen Abmessungen, der rein digitalen Bildstabilisation und auch vom Marketing her aber noch sehr nahe verwandt mit den Spielzeugdrohnen. Bei Novellierungen in der Gesetzgebung könnte das Startgewicht von 500 Gramm ausschlaggebend sein für die juristische Einordnung und als Trennung zur Oberklasse der Phantom-Modelle fungieren. Bei der Bildqualität gibt es einen Sprung gegenüber den HD-Kameras günstigerer Drohnen, eine Phantom 3 macht jedoch die besseren Aufnahmen. Im Grunde ist die Bebop 2 etwas für Einsteiger mit gehobenen Ansprüchen.

Wobei Einstieg in das Hobby auf keinen Fall „Einfach kaufen und losfliegen“ mit der „Drohne, die jeder fliegen kann“ bedeutet. Recht schwungvoll bewirbt das Marketing von Parrot die Bebop 2 als idealen Urlaubsbegleiter für „neue Perspektiven“ auf Stränden, Gewässern und Bergen. ComputerBase hat das als Szenario auch genau so getestet, es handelt sich hier aber abseits der Hardware nicht um ein unkompliziertes Spielzeug.

Dass es für Drohnenflug örtliche Gesetzeslagen gibt, erwähnt Parrot. Dass es eine je nach Nutzung (gewerblich oder privat) und spezifischem Modell angepasste Haftpflichtversicherung braucht (gesetzlich vorgeschrieben), erfahren die Piloten auf Fachseiten wie drohnen-forum.de, kopterforum.de, drohnen.de, kopter-profi.de oder bei Hobby-Piloten unter beispielsweise my-road.de im Internet sowie im örtlichen Modellflugverein. Dort kann man sich beraten lassen, Kontakte knüpfen und für den persönlichen Einstieg ins Hobby in die Zukunft schauen.

Luftaufnahme mit der Bebop 2
Luftaufnahme mit der Bebop 2

Nicht wenige Unfälle (und Totalschäden) oder gar Gerichtsprozesse im Zusammenhang mit Drohnen lassen sich so vermeiden und der Pilot bekommt ein Gefühl für Folgekosten. Als Einsteiger oder Laie im rechtlichen Wirrwarr rund um Drohnen, Flugkörper, Modellflugzeuge und Co. durchzublicken, ist auch ein extremer Akt der Recherche. Die Vereine und spezialisierte Anwälte können hierbei helfen. Falls es zu Anzeigen gekommen ist oder bezüglich des Hobbys Rechtsfragen auftauchen, liefert die Berliner Kanzlei Hoesmann kompetente Hilfe, da sie als Partner des Bundesverbands Copter Piloten darauf spezialisiert ist. Der Verband ist auch eine Anlaufstelle für Versicherungsfragen und bietet diese im Vergleich recht günstig an. ComputerBase ist diesbezüglich auch für Hinweise in den Kommentaren dankbar, die Linkliste erhebt keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit.

Um sich vor bösen Überraschungen nur vermeintlich privater Nutzung zu schützen, ist eine Auseinandersetzung mit der örtlichen Gesetzeslage bezüglich UAV/UAS (Unmanned Aerial Vehicles/Systems, unbemannte Luftfahrtsysteme) unabdinglich. In Berlin beispielsweise gibt es ausgedehnte Kontrollzonen, in denen jeder Flug mindestens genehmigungspflichtig oder gar wie im 5-Kilometer-Umkreis vom Reichstag oder 3,7-Kilometer-Umkreis vom Forschungsreaktor am Wannsee verboten ist. Generell sollten in Deutschland 1,5 Kilometer Abstand zu Wohngebieten, Städten und Flugplätzen eingehalten werden; Piloten müssen die Privatsphäre „unter sich“ und die Grenzen der Flughöhe und Sichtweite achten.

Stark verkürzte Hinweise zum Flug
Stark verkürzte Hinweise zum Flug
Anderen Teilnehmern im Luftraum immer ausweichen!
Anderen Teilnehmern im Luftraum immer ausweichen!

In manchen Bundesländern braucht es schon eine Aufstiegserlaubnis, sobald Luftbilder angefertigt werden. In anderen erst, wenn diese auch verkauft werden. Gewerbliche Nutzer zahlen für eine zweijährige Aufstiegserlaubnis in etwa 200 Euro, ein dafür unter anderem nötiger Tauglichkeitsnachweis ist noch etwas teurer (Seminare mit Zertifikat oder mitunter auch Vereinsmitgliedschaft). Die Erlaubnis gilt dann auch nur für ein Bundesland; für den Ostseeurlaub oder eine Bergwanderung kann sie bei der entsprechenden Landesluftfahrtbehörde dann jedoch in vereinfachtem Verfahren beantragt werden. Die Aufstiegserlaubnis kostet natürlich wieder, für einen Flug sind meist schon 50 Euro fällig und die Behörde braucht nicht selten mehr als eine Woche Bearbeitungszeit.

Spätestens nach dem Kauf kommen noch einmal mindestens 40 Euro Jahresbeitrag aus der Hobbykasse für Versicherungen zu den Investitionen für Einsteiger. Wer vorhat, die gemachten Aufnahmen im Internet zu veröffentlichen, zählt oft schon als gewerblicher Nutzer und zahlt drauf. An dieser Stelle unterscheidet der Gesetzgeber zwischen Flugmodell und unbemanntem Luftfahrtsystem; die Nutzung ist ausschlaggebend. Modellflugvereine und -verbände sowie Unternehmen mit kommerziellem Interesse an Drohnen wollen die undurchsichtige Gesetzeslage derzeit mit Fokus auf die Nutzung vereinheitlichen. Vielleicht spart das in Zukunft Geld und Zeit für die Hobbyisten. Bestimmte Kosten bleiben jedoch auch für Freizeitdrohnen wie die Parrot Bebop 2.

Gleicher Akku für Skycontroller Black und Bebop 2
Gleicher Akku für Skycontroller Black und Bebop 2

Ein zusätzlicher Akku, mit dem man dann auch eine volle Flugstunde erreicht (drei Akkus inkl. Skycontroller), kostet zum Beispiel 60 Euro. Irgendwann wollen Rotoren erneuert werden und immer wieder finden sich im Umfeld des Hobbys Drohnenflug weitere Folgekosten. Allein ein zusätzlicher Original-Akku für die DJI Phantom 3 verteuert diese Alternative um 130 Euro – die Echtheit wird von der Software geprüft. Vorab kann man natürlich schwer einschätzen, ob 20 bis 30 Minuten Flugzeit genügen, aber wer als Pilot erst mal aus dem Sperrgebiet eines Großstadtflughafens rausfahren muss, möchte vielleicht länger in der Luft bleiben.

Klarheit über eventuelle Folgekosten hilft, die Perspektive für das Hobby und auch das entsprechende Modell zu wählen. Für die Bebop 2 mit Skycontroller wird beispielsweise ein 7 oder 10 Zoll großes Tablet für die Bildübertragung sehr empfohlen (Smartphones passen natürlich auch). Schon beim ersten Ausprobieren fiel ein Plus an Sicherheit und Präzision bei der Steuerung mit Joysticks auf. Entscheidet man sich nicht gleich für den Kauf im Paket, so kostet auch der Nachkauf nochmals. Die Möglichkeit, Bluetooth-Gamepads an das Smartphone oder Tablet zu koppeln oder aber ein Nvidia Shield Portable zu nutzen, sei hier nicht unerwähnt. Ein echter Vollzeit-Geek hat bei YouTube eine schöne und günstige Möglichkeit vorgestellt.

Wie viel Geld man auf das Hobby wirft, ist im Einzelnen unterschiedlich, aber es wird nicht bei den 480 Euro für die Bebop 2 bleiben. ComputerBase hofft, dass dieser Prolog, der das Themenfeld auch nur kurz umreißt und die vielen Grauzonen eher umschifft, nicht allzu viele Einsteiger gleich wieder verschreckt. Sind entsprechende Arrangements gemacht und erste Erfahrungen gesammelt, dann bietet die Parrot Bebop 2 nämlich auch langfristig Spaß und Motivation für neue Orte und Perspektiven.

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