Netzallianz: 100 Milliarden Euro für die Gigabit-Netze bis 2025

Andreas Frischholz 102 Kommentare
Netzallianz: 100 Milliarden Euro für die Gigabit-Netze bis 2025
Bild: Telekom

Bis 2025 soll Deutschland ein flächendeckendes Gigabit-Netz erhalten, hat nun auch der für die digitale Infrastruktur zuständige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verkündet. Einen entsprechenden Plan hat er beim letzten Treffen der Netzallianz vorgestellt.

Der Plan (PDF) ist Teil einer gemeinsamen Strategie, um die Investitionen für den Netzausbau bereitzustellen. Das Ziel: Insgesamt veranschlagt Dobrindt 100 Milliarden Euro, um bis 2025 ein Breitbandnetz zu errichten, das Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich ermöglichen soll. Von konkreten Technologien ist aber nicht die Rede, es ist also kein Infrastruktur-Ziel, was zuletzt etwa die alternativen Provider-Verbände gefordert haben.

Ebenso gehe es nicht nur um reine Geschwindigkeit. Dobrindt: „In Zukunft brauchen wir mehr Bandbreite, eine zuverlässige Echtzeit-Übertragung und intelligente Netze, die Daten selbstständig verarbeiten, priorisieren und schnellstmöglich zum Nutzer transportieren.“ Wie in der Vergangenheit stellen sich dabei aber Fragen wegen der Netzneutralität.

50-Mbit/s-Ziel bis Ende 2018 soll erreicht werden

Im Kern gilt immer noch der Fahrplan, auf den sich die Netzallianz bereits beim letzten Treffen im November 2016 verständigt hatte. Bis Ende 2018 sollen zunächst alle Haushalte einen Anschluss mit 50 Mbit/s erhalten, wobei Dobrindt davon ausgeht, dass das Ziel auch erreicht wird. 2020 sollen dann die Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden 5G-Ausbau stehen, bis 2025 ist eine „gigabitfähige, konvergente Infrastruktur“ für Deutschland geplant.

Nun wurden auch die Details zur Finanzierung genannt. 4 Milliarden Euro hat der Bund bereits durch Förderprogramme bereitgestellt. Von 2018 an sollen jährlich 3 Milliarden Euro folgen. Den Rest wollen die Unternehmen investieren, sodass bis 2025 insgesamt 100 Milliarden Euro in den Breitbandausbau fließen.

Ansonsten bleibt die Strategie bei den bekannten Punkten. Für Anreize in die Investitionen soll etwa ein fairer Wettbewerb sorgen, die Vorgaben orientieren sich dabei an der Telko-Reform der EU. Daher stehen auch Kooperationen zwischen den Netzbetreibern auf der Agenda, um den Ausbau zu beschleunigen. Es ist eine Strategie, die mittlerweile auch Branchengrößen wie die Deutsche Telekom aufgreifen.

5G-Frequenzvergabe für 2018 anvisiert

Neuigkeiten gibt es auch bei dem 5G-Ausbau. Noch im Jahr 2018 sollen die benötigten Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard vergeben werden. Damit würden die Unternehmen genug Vorbereitungszeit erhalten, um den für das Jahr 2020 angesetzten Rollout vorzubereiten. Wird der Zeitplan eingehalten, „würden wir damit die ersten in Europa sein“, so Dobrindt.

Eine Voraussetzung für 5G ist allerdings auch der Glasfaserausbau. So heißt es in dem Strategiepapier: „Um die mit 5G möglichen Gigabit-Datenraten nutzen zu können, müssen erhebliche Investitionen nicht nur in Funktechnik, sondern auch in Glasfaserinfrastrukturen geleistet werden (...).

Kabelnetzbetreiber sind zufrieden mit der neuen Strategie

Dass die Netzallianz keine bestimmte Technologie für den Breitbandausbau vorschreibt, begrüßen die Kabelnetzbetreiber. In einer Stellungnahme erklärte Thomas Braun, Präsident vom Kabelnetzbetreiber-Verband ANGA: „Eine einseitige politische Festlegung auf eine bestimmte Anschlusstechnologie würde den weiteren Ausbau schneller Netze bremsen.“ Und Unitymedia-CEO Lutz Schüler sagte: „Die meisten Investitionen und Innovationen für hochleistungsfähige Netze entstehen im Wettbewerb von Infrastrukturen und Technologien. Den Großteil der Investitionen für Gigabit-Netze in Deutschland muss von privaten Unternehmen kommen.“ Nötig wären daher „verlässliche Rahmenbedingungen und unternehmerische Freiheit“.

Überraschend sind diese Stellungnahmen allerdings nicht, weil die Kabelnetzbetreiber – gemessen an den verfügbaren Breitband-Geschwindigkeiten – derzeit gut dastehen. Alternative Festnetz-Provider fordern allerdings regelmäßig, dass die Breitbandstrategie sich nicht nur auf eine bestimmte Geschwindigkeit beschränken dürfe, sondern ein Infrastruktur-Ziel vorgeben müsse. So lasse sich der rasche Ausbau von direkten Glasfaseranschlüssen (FTTB/H) forcieren.