PC-Netzteile im Test : Vergleich und Kaufberatung

PC-Netzteile von 45 bis 150 Euro

Welches Netzteil die beste Wahl für den eigenen Computer ist, kommt vor allem auf die geplanten Komponenten und die eigenen Prioritäten an – ein 150-Euro-Netzteil macht in einem 500-Euro-System genauso wenig Sinn wie ein 40-Euro-Netzteil in einem 1.000-Euro-Computer. Unnötig starke Netzteile zu kaufen, kann sich negativ auf den Wirkungsgrad auswirken und zu den Preisen eines 80Plus-Bronze-Netzteils mit über 600 Watt gibt es beispielsweise 450-Watt-Netzteile, die eine höhere Wirkungsgrad-Zertifizierung nach 80Plus Gold besitzen.

ComputerBase gibt auf Basis aktueller Tests von Netzteilen und daraus abgeleiteter Bestenlisten nachfolgend Kaufempfehlungen im Preisbereich von knapp 45 bis 150 Euro. Auch Formfaktoren abseits von ATX sind dabei ein Thema.

Netzteil-Rechner nicht hilfreich bei der Dimensionierung

Vor allem wenn es darum geht, die richtige Netzteil-Leistungsklasse für einen Gaming-PC zu finden gibt es viele gegenläufige Meinungen. Grafikkarten-Hersteller sind bezüglich der Leistungs-Vorgaben besonders maßlos, weil die Empfehlung unabhängig vom restlichen System und von der Qualität des Netzteils ausgesprochen wird - Billig-Netzteile können ihre volle Nennleistung nämlich nicht abgeben.

Netzteil-Rechner übertreiben

Netzteil-Rechner berücksichtigen die individuelle Konfiguration schon genauer, übertreiben mit ihrem Wattbedarf aber trotzdem. In die Kalkulation fließt nämlich nur der Maximalverbrauch jeder einzelnen Komponente mit ein. Zudem werden für Laufwerke und Lüfter pauschal große Leistungen aufsummiert, unabhängig davon ob es sich um eine sparsame SSD oder eine hochtourige Festplatte handelt. Die Berechnung mag für eine Worst-Case-Abschätzung bei synthetischer Volllast gut sein, Gaming-Systeme nehmen bei Spielelast jedoch deutlich weniger Leistung auf.

Messwerte der Redaktion sind die bessere Orientierung

In diesem Fall ist ein Blick auf die Leistungsaufnahme des kompletten Testsystems in Grafikkarten-Tests hilfreicher. Die dort angegebene Leistungsaufnahme bezieht sich auf die Eingangsleistung des Netzteils. Die aufgedruckte Leistung auf dem Netzteil beschreibt jedoch die Leistung, die an die Hardware abgegeben werden kann. Die tatsächliche bereitzustellende Leistung liegt daher verglichen zu den Messwerten noch niedriger. Für die richtige Dimensionierung sollte trotzdem der Messwert in den Grafikkarten-Benchmarks selbst herangezogen werden, um einen gewissen Sicherheitspuffer einzuhalten, der eine mögliche Überlastung des Netzteils vermeiden soll.

Empfehlungen für Office und Multimedia

350-Watt-Netzteile für Office, Multimedia und sparsame Gaming-PCs
350-Watt-Netzteile für Office, Multimedia und sparsame Gaming-PCs

Für Büro-Computer, Multimediasysteme und sehr sparsame Spielerechner sind 300 Watt Dauerleistung absolut ausreichend. Netzteile in dieser Leistungsklasse bieten meistens einen 6-Pin-PCIe-Stromstecker, um auch kleine bis mittelgroße Grafikkarten versorgen zu können. Den günstigsten Einstieg decken die Xilence-Performance-C-Netzteile in der Ausbaustufe mit 350 Watt ab, welches sich als Preis-/Leistungssieger behaupten konnte. Mit der System-Power-8-Serie hat be quiet! günstige Netzteile für System Integratoren auf dem Markt. Der Test der 500W-Variante offenbarte keine kritischen Schwachstellen, sodass die artverwandten kleineren Versionen B8 300W und B8 350W (mit PCIe-Stecker) ein gutes Angebot darstellen. Geliefert werden die B8-Netzteile lediglich in Luftpolsterfolie, weshalb für eine schicke Umverpackung zum teureren System Power 8 400W gegriffen werden muss.

Empfehlungen für ATX-Gaming-Computer

Für Spiele-PCs mit einer einzelnen High-End-Grafikkarte, flotten CPU und einer geringfügigen Übertaktung ist ein gutes Netzteil mit 500-Watt-Ausgangsleistung in den fast allen Fällen ausreichend. Netzteile mit 80Plus-Gold und einer unabhängigen Spannungsregulation sind bereits zu Preisen ab 60 Euro erhältlich und etablieren sich somit zum Standard.

Nicht am falschen Ende sparen

In Relation zum Gesamtpreis darf es für ein günstigeres Gaming-System aber auch ein Netzteil einer niedrigeren Preisklasse sein. Schon ab einem Verkaufspreis von 40 Euro sind gehobene Techniken wie die unabhängige Spannungsregulation im Xilence Performance A+ 430W vorzufinden. Wird im PC eine Grafikkarte mit hoher Leistungsaufnahme verbaut, muss die stärkere 530W-Variante erwägt werden. Das Preis-/Leistungsverhältnis dieser Serie erweist sich im Test als derart gut, dass es in der Preisklasse keine sinnvollen Alternativen gibt. Einzig wenn ein höherer Wirkungsgrad erwünscht ist und das Netzteil nicht am Maximum betrieben wird, hat LC-Power mit dem LC6560GP3 einen ernsthaften Konkurrenten im Programm.

Netzteilempfehlungen für die Masse

be quiet! Pure Power 10 mit 80 Plus Silber und DC-DC-Wandlern
be quiet! Pure Power 10 mit 80 Plus Silber und DC-DC-Wandlern

In der nächsthöheren Etage gibt es qualitativ ordentliche Umsetzungen mit der be-quiet!-Pure-Power-10- und Corsair-Vengeance-Serie, die eine hohe Effizienz auf 80-Plus-Silber-Niveau mit guten weiteren Messwerten bietet. Ist für das Netzteil ein Kabelmanagement erwünscht, stellt das Cooler Master G450M eine gute Alternative dar. Gegenüber dem Xilence Performance A+ sind die komplette Kabelummantelung und eine vergleichsweise lange Garantiedauer von bis zu fünf Jahren wesentliche Kaufanreize für diese Netzteile im Preisbereich zwischen 45 und 60 Euro. Alle wichtigen Features qualitativer Netzteile sind somit bei diesen Empfehlungen enthalten und decken im Allgemeinen alle Anforderungen ab – nur wer beispielsweise einen noch höheren Wirkungsgrad erwünscht, muss teurere Alternativen erwägen.

Viel Auswahl mit 80Plus Gold

Die größte Auswahl bietet die Effizienzklasse von 80Plus-Gold, im Preisvergleich finden sich aktuell Netzteile von über 20 Herstellern. be quiet! hat mit der Straight-Power-10-Serie (E10) Allrounder-Netzteile im Portfolio. Sowohl die Spannungsqualität weiß zu überzeugen als auch die Lautstärke, die insbesondere bei geringen bis moderaten Lasten Referenzwerte setzt. Das Netzteil bietet im Preisbereich von 60 bis 75 Euro allerdings nur eine Ausgangsleistung von 400 Watt. Als Preisbrecher können das Cougar GX-S450 und Super Flower Platinum King 450W erachtet werden. Der hohe Wirkungsgrad nach 80 Plus Platinum des Super-Flower-Netzteils geht jedoch mit einer nicht sehr geringen Lautstärke bei geringer Last einher. Wird mehr Leistung benötigt, kann das LC-Power LC6560GP4 erwägt werden, das andererseits einen qualitativ schlechteren und lauteren Lüfter besitzt. Konkurrenz gibt es sonst nur von 80Plus-Bronze-Netzteilen wie dem modularen Vengeance 550M, das gegenüber dem E10 einen einfacheren und lauteren Lüfter besitzt. Für kompakte Systeme ist hier insbesondere das vollmodulare Cougar LX 500 interessant.

Eine gute Alternativen zum be quiet! E10 500W in der Preisklasse bis 90 Euro stellt das Enermax Revolution X't II 550W dar, das ebenso sehr leise ist und ein modulares Kabelmanagement bietet. Die restliche Konkurrenz in Form eines Antec TruePower Classic TP-550C und Sea Sonic G-550 können dem nur lautere Lüfter entgegensetzen. Der Vorteil des G-550 gegenüber dem TP-550C beschränkt sich auf das teilmodulare Kabelmanagement und den FDB-Lüfter.

Silent-Netzteile mit 80-Plus-Gold um 100 Euro

500-Watt-80-Plus-Gold-Netzteile der Oberklasse
500-Watt-80-Plus-Gold-Netzteile der Oberklasse

In der Oberklasse um 100 Euro kann kein Hersteller mehr nur mittelmäßige Produkte anbieten. Netzteile in dieser Preisklasse müssen den hohen Anforderungen an eine sehr leise Kühlung, exzellente elektrische Performance und Modularität gerecht werden. Der Artikel Netzteile mit 500/550 Watt im Test stellt alle wichtigen ATX-Netzteile auf die Probe, in dem sich das Corsair RM550x, EVGA SuperNova G2 550W und Super Flower Leadex Gold 550W als nahezu gleichwertige Alternativen zur bisherigen Referenz, dem Straight Power 10 500W CM von be quiet!, herauskristallisieren. Das G2 550W ist hierbei baugleich zum Super-Flower-Pendant. Seit kurzer Zeit im Preis gesunken ist das Cooler Master V550, welches technisch problemlos mithalten kann und sich für besonders kompakte ATX-Systeme eignet.

Ranglisten-Spitzenreiter von be quiet! und Super Flower

In der Luxusklasse wird die Auswahl spürbar kleiner. Das be quiet! Dark Power Pro P11 550W kann sich im Ranking ganz oben positionieren, das ebenfalls sehr gute Super Flower Leadex Platinum steht dem Primus aber nur in wenigen Punkten nach – der Artikel Luxus-Netzteile im Test zeigt die Unterschiede der beiden Empfehlungen auf.

Netzteil-Luxusklasse ab 110 Euro
Netzteil-Luxusklasse ab 110 Euro

Passive nicht immer leiser als aktive Kühlung

Für Fans von passiven Netzteilen bieten Sea Sonic, Super Flower und Enermax passende, aber auch zum Teil sehr teure Lösungen an. Dass ein (semi-)passiv-gekühltes Netzteil aufgrund der Elektronikgeräusche aber auch lauter als ein aktives sein kann, legen die ausführlichen Lautstärkemessungen aktueller Testberichte offen.

Empfehlungen für Multi-GPU-Systeme

Für die Enthusiasten kommen nur Systeme mit mehreren Grafikkarten infrage – gerne auch stark übertaktet. Hier muss es nicht gleich ein Netzteil der sieben Modelle von 1.000 bis 1.500 Watt sein, kleinere und günstigere Netzteile reichen unter Umständen ebenfalls aus.

Nvidia-Grafikkarten wurden in den letzten Generationen deutlich sparsamer in Sachen Leistungsaufnahme, so reicht nun bereits ein gutes 550-Watt-Netzteil für zwei GeForce GTX 1070/1080 ohne Overclocking aus. Vier PCIe-Stecker sind jedoch Pflicht, ein hoher Wirkungsgrad senkt zudem die Wärmeentwicklung und damit auch die Lautstärke des Netzteils. Grafikkarten mit einer höheren Leistungsaufnahme stellen schließlich höhere Anforderungen an das Netzteil – 600 bis 850 Watt sind nun Pflicht.

850-Watt-ATX-Netzteile mit 80 Plus Gold bis Titanium
850-Watt-ATX-Netzteile mit 80 Plus Gold bis Titanium

LC-Power hat mit dem LC8850III V2.3 Arkangel 3 ein besonders günstiges 850-Watt-Netzteil mit vier PCIe-Steckern im Angebot, das für preiswertere Dual-GPU-Systeme ein Preis-Leistungstipp darstellt. Gehobeneren Ansprüchen werden aber erst die Netzteile der Corsair-RMx-, Super-Flower-Leadex-Gold- beziehungsweise EVGA-G2-Serie gerecht. Hochwertigere Lösungen gibt es mit den be-quiet!-Dark-Power-Pro-11- und Corsair-HXi-Modellen, die in den 850-Watt-Varianten beide eine ComputerBase-Empfehlung erhalten haben. Sollen gleich drei Grafikkarten betrieben werden, muss die Mindestausgangsleistung 850 Watt betragen. Ist der höchste Wirkungsgrad gefragt, führt derzeit das mit 80-Plus-Titanium-zertifizierte Super Flower Leadex Titanium 850W die Bestenliste an.

Es muss nicht immer ATX sein

Corsair SF450 – SFX-Netzteil mit 92-mm-Lüfter
Corsair SF450 – SFX-Netzteil mit 92-mm-Lüfter

Kompakt-Rechner im SFX- und TFX-Format samt passender Stromversorgungslösungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, auch wenn die Absatzzahlen noch gering im Vergleich zu denen der ATX-Modelle wirken. Für Office-Systeme stellen das Chieftec SFX-350BS, SilverStone SST-ST30SF und Sea Sonic SS-300TGW überzeugende und (sehr) leise Angebote dar. Wenn es um ein kompaktes Allround-Netzteil für Gaming-Systeme geht, dominiert Corsair mit der SF-Serie die Konkurrenz. Selbst die nicht ganz so kleinen SFX-L-Alternativen von Chieftec, Sharkoon und SilverStone schneiden im Vergleich gegenüber dem SF450 schlechter ab.

Günstig ist schnell billig

Abstand halten sollten Kunden von extrem günstigen Angeboten, die zumeist über eBay zu finden sind. Im Test versagten sieben von sieben Netzteilen beim Abruf der Nennleistung, nirgendwo sind Schummeleien mit dem 80Plus-Zertifikaten häufiger anzutreffen. Ordentliche Netzteile gibt es bereits im Bereich von 30-40 Euro, es lohnt sich daher nicht an der falschen Stelle zu sparen.

Neues Netzteil, neue Grafikkarte, neue CPU?

Einen ausführlichen Vergleich aller aktuellen Grafikkarten mit Rangliste und CPU-Benchmarks mit Vergleichen und Rangliste finden sich ebenfalls auf ComputerBase.

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