Netzteil-Rangliste : So viel Leistung muss es sein

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Netzteil-Rangliste: So viel Leistung muss es sein

Welches Netzteil die beste Wahl für den eigenen Rechner ist, kommt vor allem auf die geplanten Komponenten und die eigenen Prioritäten an. Unnötig starke Netzteile zu kaufen lohnt sich in der Regel nicht. Der Wirkungsgrad bricht bei sehr geringer Last deutlich ein, die Lautstärke liegt durch die Mindestdrehzahl des Lüfters bedingt meist deutlich höher und der Kaufpreis steigt meist ebenfalls mit zunehmender Nennleistung.

Empfehlungen für Office und Multimedia

Für Büro-Computer, durchschnittliche Multimediasysteme und sparsame Spielerechner sind 300 Watt Dauerleistung absolut ausreichend. Netzteile in dieser Leistungsklasse bieten meistens einen 6-Pin-Stromstecker um auch kleine bis mittelgroße Grafikkarten versorgen zu können. Den günstigsten Einstieg ist mit dem Xilence Performance C in der Ausbaustufe mit 350 Watt abgedeckt, welches sich im Vergleichstest als Preis-/Leistungssieger behaupten konnte. Mit der System-Power-8-Serie hat be quiet! günstige Netzteile für System Integratoren auf dem Markt. Der Test der 500W-Variante offenbarte keine kritischen Schwachstellen, sodass die artverwandten kleineren Versionen B8 300W und B8 350W (mit PCIe-Stecker) ein gutes Angebot darstellen. Geliefert werden die B8-Netzteile lediglich in Luftpolsterfolie, weshalb für eine schicke Umverpackung zum teureren System Power 8 400W gegriffen werden muss.

Empfehlungen für Gaming-Systeme

Für Spielerechner mit einer High-End-Grafikkarte, flottem Prozessor und etwas Übertakten ist ein Netzteil mit 500 oder 550 Watt Ausgangsleistung ausreichend. 80Plus-Gold und unabhängige Spannungsregulation sind in dieser Leistungsklasse inzwischen gewissermaßen Standard – Einsparungen lohnen sich nur in wenigen Fällen.

Nicht am falschen Ende sparen

In Relation zum Gesamtpreis darf es für ein günstigeres Gaming-System aber auch ein Netzteil einer niedrigeren Preisklasse sein. Schon ab einem Verkaufspreis von 40 Euro sind gehobene Techniken wie die unabhängige Spannungsregulation im Xilence Performance A+ 430W vorzufinden. Wird im System eine Grafikkarte mit hoher Leistungsaufnahme verbaut, muss die stärkere 530W-Variante erwägt werden. Das Preis- / Leistungsverhältnis der Performance-A+-Serie erweist sich als derart gut, dass es keine sinnvollen Alternativen in dieser Preisklasse gibt. Einzig wenn ein höherer Wirkungsgrad erwünscht ist und das Netzteil nicht am Maximum betrieben wird, hat LC-Power mit dem LC6560GP3 einen ernsthaften Konkurrenten im Programm.

In der nächsthöheren Etage gibt es qualitativ ordentliche Umsetzungen mit der Corsair-Vengeance-Serie, die eine hohe Effizienz auf 80Plus-Silber-Niveau mit guten weiteren Messwerten bietet. Ist beim Netzteil ein Kabelmanagement erwünscht, stellt das Cooler Master G450M eine gute Alternative dar. Gegenüber dem Xilence Performance A+ sind die komplette Kabelummantelung und eine vergleichsweise lange Garantiedauer von fünf Jahren wesentliche Kaufanreize für diese Netzteile im Preisbereich zwischen 45 und 60 Euro.

Die größte Auswahl bietet die Effizienzklasse von 80Plus-Gold, im Preisvergleich finden sich aktuell Netzteile von über 20 Herstellern. be quiet! hat mit der Straight-Power-10-Serie (E10) Allrounder-Netzteile im Portfolio. Sowohl die Spannungsqualität weiß zu überzeugen als auch die Lautstärke, die insbesondere bei geringen bis moderaten Lasten Referenzwerte setzt. Das Netzteil bietet im Preisbereich von 60 bis 75 Euro allerdings nur eine Ausgangsleistung von 400 Watt. Wird mehr Leistung benötigt, kann das LC-Power LC6560GP4 erwägt werden, das jedoch einen qualitativ schlechteren und lauteren Lüfter besitzt. Konkurrenz gibt es sonst nur von 80Plus-Bronze-Netzteilen wie dem modularen Vengeance 550M, das gegenüber dem E10 einen einfacheren und lauteren Lüfter besitzt. Für kompakte Systeme ist hier insbesondere das vollmodulare Cougar LX 500 interessant.

Eine gute Alternativen zum be quiet! E10 500W in der Preisklasse bis 90 Euro stellt das Enermax Revolution X't II 550W dar, das ebenso sehr leise ist und ein modulares Kabelmanagement bietet. Die restliche Konkurrenz in Form eines Antec TruePower Classic TP-550C und Sea Sonic G-550 können dem nur lautere Lüfter entgegensetzen. Der Vorteil des G-550 gegenüber dem TP-550C beschränkt sich auf das teilmodulare Kabelmanagement und den FDB-Lüfter.

Viele gute Netzteile um 100 Euro

Begünstigt durch zahlreiche Neuerscheinungen findet sich die größte Auswahl an empfehlenswerten Netzteilen in der Preisklasse von 90 bis 110 Euro ein. Super Flower Leadex Gold 550W und Corsair RM550x stellen nun gleichwertige Alternativen zur bisherigen Referenz, dem Straight Power 10-CM 500 Watt von be quiet! dar. Das EVGA G2 550 ist hierbei baugleich zum Super Flower. Seit kurzer Zeit im Preis gesunken ist das Cooler Master V550, welches technisch problemlos mithalten kann und sich für besonders kompakte Systeme eignet.

Netzteil-Luxusklasse
Netzteil-Luxusklasse

In der Luxusklasse wird die Auswahl spürbar kleiner. Das Dark Power Pro P11 550 W kann sich als Referenz positionieren, das ebenfalls sehr gute Super Flower Leadex Platinum steht dem Primus nur in wenigen Punkten nach – ein Vergleichstest zeigt die Unterschiede der Luxusklasse-Referenzen auf.

Für Fans von passiven Netzteilen bieten Sea Sonic, Super Flower und Enermax passende, aber auch zum Teil sehr teure Lösungen an.

Empfehlungen für Multi-GPU-Systeme

Für die Enthusiasten kommen nur Systeme mit mehreren Grafikkarten infrage – gerne auch stark übertaktet. Hier muss es nicht gleich ein Netzteil aus dem Kilowatt-Roundup sein, kleinere und günstigere Netzteile reichen unter Umständen ebenfalls aus.

Nvidia-Grafikkarten wurden in den letzten Generationen deutlich sparsamer in Sachen Leistungsaufnahme, so reicht nun bereits ein gutes 550-Watt-Netzteil für zwei GeForce GTX 970/980 ohne Overclocking aus. Vier PCIe-Stecker sind jedoch Pflicht, ein hoher Wirkungsgrad senkt zudem die Wärmeentwicklung und damit auch die Lautstärke des Netzteils. Stärkere Grafikkarten mit einer höheren Leistungsaufnahme fordern im Crossfire- und SLI-Modus auch die Netzteile – 600 bis 850 Watt sind nun Pflicht.

LC-Power hat mit dem LC8850III V2.3 Arkangel 3 ein besonders günstiges 850-Watt-Netzteil mit vier PCIe-Steckern im Angebot, das für preiswertere Dual-GPU-Systeme ein Preis-Leistungstipp darstellt. Gehobeneren Ansprüchen werden aber erst die Netzteile der Corsair-RMx-, Super-Flower-Leadex-Gold- beziehungsweise EVGA-G2-Serie gerecht. Hochwertigere Lösungen gibt es mit den be-quiet!-Dark-Power-Pro-11- und Corsair-HXi-Modellen, die in den 850-Watt-Varianten beide eine ComputerBase-Empfehlung erhalten haben. Sollen gleich drei Grafikkarten betrieben werden, muss die Mindestausgangsleistung 850 Watt betragen. Spielt Geld keine Rolle, wäre dabei das mit 80-Plus-Titanium-zertifizierte Super Flower Leadex Titanium 850W eine sehr gute Entscheidung.

Es muss nicht immer ATX sein

SFX-L im Test
SFX-L im Test

Kompakt-Rechner im SFX- und TFX-Format samt passender Stromversorgungslösungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit, auch wenn die Absatzzahlen noch gering im Vergleich zu denen der ATX-Modelle wirken. Für Office-Systeme stellen das Chieftec SFX-350BS, SilverStone SST-ST30SF und Sea Sonic SS-300TGW überzeugende und (sehr) leise Angebote dar. Wenn es um ein kompaktes Allround-Netzteil für Gaming-Systeme geht, dominiert Corsair mit der SF-Serie die Konkurrenz. Selbst die nicht ganz so kleinen SFX-L-Alternativen schneiden gegenüber dem SF450 schlechter ab.

Günstig ist schnell billig

Abstand halten sollten Kunden von extrem günstigen Angeboten, die zumeist über eBay zu finden sind. Im Test versagten sieben von sieben Netzteilen beim Abruf der Nennleistung, nirgendwo sind Schummeleien mit dem 80Plus-Zertifikaten häufiger anzutreffen. Ordentliche Netzteile gibt es bereits im Bereich von 30-40 Euro, es lohnt sich daher nicht an der falschen Stelle zu sparen.

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