H115i Pro RGB im Test: Corsairs leise AiO-Wakü kann auch leuchten 2/3

Thomas Böhm 57 Kommentare

Messergebnisse

Aufgrund des Wechsels der Testplattform vom in die Jahre gekommenen Sandy-Bridge-E-Prozessor auf die aktuelle Ryzen-CPU R7 1700X können die Messwerte bereits getesteter Kompaktwasserkühlungen nicht als Vergleich für die H115i Pro herangezogen werden. Um die Kühlung dennoch sinnvoll einordnen zu können, wurden zwei Vertreter im neuen System noch einmal vermessen: Die Leistungsspitze aller bisher getesteten 240-mm-AiOs in Form des Arctic Liquid Freezer 240 (Test) sowie die NZXT Kraken X52 (Test) aus dem Mittelfeld der Flüssigkühlungen. Weitere Kühlungen mit 280-mm-Radiator stehen im Moment nicht zur Verfügung, werden in den nächsten Monaten aber nachfolgen.

Das Testsystem findet im geräumigen Thermaltake F51 Suppressor Platz, welches mit zwei einsaugenden 140-mm-Lüftern in der Front sowie einem 140-mm-Lüfter im Heck zum Abtransport von Wärme bestückt ist. Diese Ventilatoren laufen für die Messungen mit fixierten 800 U/min, was den Testbedingungen für Luftkühler entspricht, weshalb ein direkter Vergleich mit diesen möglich ist. Die Kompaktwasserkühlung wird im Deckel des Gehäuses angebracht, und die beiden 140-mm-Lüfter drücken Luft durch die Lamellen des Radiators nach oben aus dem Gehäuse. Die Details der Testmethodik können im Artikel „So testet ComputerBase Kompaktwasserkühlungen“ nachgelesen werden.

Resultate mit Serienlüftern

Zunächst muss sich die Corsair H115i Pro dem Prozessor bei seiner Standard-Taktfrequenz von 3,4 GHz stellen. Dies stellt die große Kompaktwasserkühlung selbstverständlich vor keine Probleme und wird nonchalant erledigt. Bereits bei niedrigen 600 U/min der Radiatorlüfter erreicht die CPU nur knapp über 50 °C und damit das Niveau der Kraken X52 mit zwei 120-mm-Lüftern bei 800 U/min. Mit den beiden 140-mm-Ventilatoren bei 800 U/min erreicht die Corsair H115i Pro wiederum den Arctic Liquid Freezer mit seinem Lüftersandwich aus vier 120er-Lüftern.

Mit steigender Drehzahl bleibt die CPU noch kühler, wobei das in keinster Weise notwendig ist. Ohne Übertaktung langweilt sich die 280-mm-Wasserkühlung bereits mit sehr niedrigen Lüfterdrehzahlen, schnellere Lüfter resultieren lediglich in einer unnötig lauten PC-Kühlung.

Messungen bei übertakteter CPU

Interessanter wird es erst mit übertaktetem Prozessor. Bei 3,8 GHz und 1,35 Volt Kernspannung schießt der Stromverbrauch der Ryzen-CPU in die Höhe, und die Corsair H115i Pro erreicht ihren eigentlichen Arbeitsbereich. Immer noch kann der Prozessor mit niedrigen 600 U/min gebändigt werden, die Temperatur steigt aber auf über 70 °C an – nicht verlötete Prozessoren wie die aktuellen CPUs von Intel kämen an dieser Stelle bereits in thermische Bedrängnis.

Mit steigender Drehzahl können sich die Kompaktwasserkühlungen deutlicher von den Luftkühlern absetzen. Abgeschlagen bleibt der kleine Scythe Kotetsu Mark II (Test) zurück, der allerdings aus einer völlig anderen Preis- und Leistungsklasse stammt und hier nur aus Vergleichsgründen mitgeführt wird. Die beiden großen Tower-Kühler Scythe Mugen 5 (Test) und Thermalright HR-02 Macho (Test) liegen bei niedrigen 800 U/min noch in Reichweite der Kompaktwasserkühlungen, fallen bei 1.200 U/min aber merklich zurück.

Eine weitere Messung bei maximaler Lüfterdrehzahl lässt die beiden 240-mm-AiOs an der Corsair H115i Pro vorbeiziehen, allerdings ist der Unterschied gering und wird bei den kleineren Wasserkühlungen durch sehr schnelle Lüfter und damit eine unangenehm laute Geräuschkulisse erwirkt. Die Kühlung von Corsair hält die CPU bei ihren 1.100 U/min gut 40 Kelvin über der Raumtemperatur – genug Kühlvermögen, um einen übertakteten Prozessor auch bei sommerlichen Temperaturen zu bändigen.

Schalldruckpegel

Der Schalldruckpegel der Kühlungen wird bei geöffnetem Gehäuse und stehenden Gehäuselüftern gemessen, sodass der Schallpegel der getesteten Kühlung ohne weitere Einflüsse ermittelt wird. Die Corsair H115i Pro erreicht dabei mit 600 U/min das Niveau einer 240-mm-Kompaktwasserkühlung bei 800 U/min – der Arctic Liquid Freezer wird durch vier anstelle von zwei Lüftern lauter und entspricht der H115i Pro mit den beiden 140er-Lüftern bei 800 U/min.

Die Messung bei 1.200 U/min ist für die Corsair H115i Pro gleichzeitig auch die Messung bei maximaler Lüfterdrehzahl, denn mehr als 1.100 U/min erreichen die Radiatorlüfter nicht. Dabei präsentiert sich die Kühlung als leiseste je von ComputerBase getestete AiO-Kühlung bei maximaler Umdrehungsgeschwindigkeit. Die beiden zum Vergleich herangezogenen AiOs werden sehr deutlich unterboten, die H115i Pro liegt auf dem gleichen Level wie die drei Tower-Kühler.

Dabei ist der Leistungsrückstand zum Liquid Freezer und der Kraken X52 vernachlässigbar gering, die Luftkühler werden bei gleichem Schalldruckpegel hingegen deutlich geschlagen. Corsair geht mit der H115i Pro genau den richtigen Weg: Es wird nicht nach neuen Leistungsrekorden gestrebt, die mit störend lauten Lüftern erkauft werden müssen, sondern ein sehr sinnvoller Kompromiss aus hervorragender Kühlleistung bei vernünftiger Lautstärke gewählt.

Resultate mit Referenzlüftern

Zusätzlich wird das Kühlvermögen der Corsair H115i Pro mit Noctua NF-A14 PWM anstelle der Serienlüfter gemessen. Da im Moment nur Kompaktwasserkühlungen mit 240-mm-Radiator und somit 120-mm-Lüftern als Vergleich zur Verfügung stehen, verwundert es nicht, dass die Kühlung von Corsair davonzieht.

Mehr von Bedeutung ist daher das Abschneiden der H115i Pro mit Referenzlüftern gegenüber der Kühlleistung mit den Serienlüftern – bei gleicher Drehzahl. Dabei schneidet die Kühlung sowohl beim Standardtakt als auch mit Übertaktung hauchdünn besser ab, wenn die Lüfter von Noctua anstelle der Serienlüfter auf dem Radiator sitzen. Der Blick auf den Schalldruckpegel zeigt, dass die Kühlung damit außerdem sogar leiser wird. Wer die H115i Pro also nachträglich optimieren möchte, kann dies durch einen Wechsel der Lüfter bewerkstelligen.

Corsair erlaubt die Veränderung der Pumpendrehzahl über die Software Corsair Link. Das setzt die USB-Verbindung zum Mainboard voraus, ermöglicht im Anschluss aber eine komfortable Veränderung vieler Parameter der Kühlung. Eine alternative Drosselung der Pumpe über ein PWM-Signal oder die Betriebsspannung ist nicht möglich.

In Corsair Link gibt es drei verschiedene Einstellungen für die Pumpe. Der Anwender kann zwischen „Quiet“, „Balanced“ und „Performance“ wechseln, wobei die mittlere Einstellung als Standard fungiert und für alle bisherigen Messungen genutzt wurde. Durch die verschiedenen Stufen wird die Drehzahl und damit auch die Lautstärke der Pumpe verändert.

Im mittleren Profil „Balanced“ klingt die Pumpe bekannt, das Betriebsgeräusch entspricht mit seinem leisen rasselnden Geräusch dem anderer AiOs mit Asetek-Pumpen und weist einen ähnlichen Schalldruckpegel auf. Die Pumpe kann in ruhiger Umgebung außerhalb des PC-Gehäuses vernommen werden. Absolute Silent-Enthusiasten kann also auch die sechste Pumpengeneration von Asetek nicht zufriedenstellen, aber schon das Geräusch einer arbeitenden HDD reicht aus, um die Pumpe in den Hintergrund zu schieben.

In der höchsten Einstellung wird das Pumpengeräusch penetranter, weshalb gerade für den alltäglichen Betrieb die mittlere oder niedrige Einstellung bevorzugt werden sollte. Ein Blick auf die CPU-Temperaturen bei den verschiedenen Leistungsstufen bestätigt dies: Der Vorteil durch die Performance-Einstellung ist vernachlässigbar gering.

Temperaturdifferenz CPU zu Raum (OC, Serienlüfter, 800 U/min)
Angaben in Kelvin
    • Einstellung „Quiet“
      0,0
      Hinweis: Drehzahl steigt unter Last automatisch an
    • Einstellung „Performance“
      45,6
    • Einstellung „Balanced“
      46,5

Die leise „Quiet“-Einstellung sorgt für niedrige knapp 1.100 U/min der Pumpe im Leerlauf, kann aber nicht zu Leistungsmessungen genutzt werden. Denn sobald Last anliegt und die CPU-Temperatur steigt, regelt Corsair Link die Pumpe automatisch auf die Drehzahl der Einstellung „Balanced“ hoch. Der Nutzer kann dies nicht beeinflussen. Auch ist nicht ersichtlich, welcher kritische Schwellenwert intern zur Steuerung eingesetzt wird.

Corsair Link schwankt zwischen Möglichkeiten und Grenzen

Corsair Link bietet eine Vielzahl an Stellschrauben, um die Corsair H115i Pro an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Neben der genannten Einstellung der Pumpendrehzahl können die farbige Beleuchtung der Pumpe und auch die Lüfterprofile verändert werden. Dafür stehen diverse Modi und für Lüfterkurven verschiedene Temperaturquellen zur Verfügung. Die beiden Radiatorlüfter können sogar einzeln angesteuert werden. Über den Mehrwert einer individuellen Steuerung zweier Lüfter an einem Radiator lässt sich zwar streiten, aber so stehen immerhin zwei separat steuerbare Lüfterkanäle zur Verfügung, über die frei verfügt werden kann.

Auf der einen Seite bietet die H115i Pro im Zusammenspiel mit Corsair Link also viele Möglichkeiten, doch ähnlich wie der Corsair Commander Pro (Test) wird an anderen Stellen ein Riegel vor Stellschrauben gelegt. So können die beiden Lüfterkanäle der Kühlung nicht unter 25 Prozent PWM-Leistung abgesenkt werden, und ein Abschalten der Lüfter ist nicht möglich. Das ist paradox, weil Corsair die H115i Pro mit einem Zero-Fan-Modus bewirbt, welcher die Radiatorlüfter im Leerlauf stehen lassen soll.

Diesen Modus gibt es auch, aber er steht ausschließlich als fixe Vorgabe zur Verfügung. Alle anderen Profile und auch selbst definierte Lüfterkurven erlauben keine Abschaltung eines Lüfters – das geht nur im Zero-Fan-Modus. Dieser lässt die Lüfter bis zu einer (intern gemessenen) Flüssigkeitstemperatur von 45 °C stehen, danach beginnen sie mit 400 U/min zu drehen und behalten diese Drehzahl bis zu einer Flüssigkeitstemperatur von 50 °C bei. Weiter wurde nicht getestet, weil sowohl CPU als auch Spannungswandler zu überhitzen drohten. Um ein andauerndes Starten und Stoppen der Ventilatoren zu verhindern, schalten sich die Lüfter erst beim Unterschreiten von 40 °C im Inneren der H115i Pro wieder ab.

Standardprofile sind sinnvoller als Zero Fan

Der Anwender kann den Zero-Fan-Modus folglich nur sehr bedingt nutzen – andererseits bietet er bei einer Kompaktwasserkühlung ohnehin keinen großen Vorteil. Semipassiv kann ein solcher Radiator nämlich fast keine Wärme abgeben, weshalb auch im Leerlauf ein zumindest geringer Luftstrom herrschen sollte. Das Standard-Lüfterprofil „Balanced“ arbeitet dafür sehr effektiv: Im Leerlauf liegen niedrige 400 U/min an, und unter Last steigt die Drehzahl auf maximal 800 U/min, was immer noch leise ist und ausreicht, um selbst die übertaktete CPU im Testsystem unter Dauerlast ausreichend zu kühlen.

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