Speicherpreise: SSDs günstig wie nie und noch kein Ende in Sicht

Michael Günsch 172 Kommentare
Speicherpreise: SSDs günstig wie nie und noch kein Ende in Sicht

Immer mehr SSDs durchbrechen im Handel die Preisschwelle von 20 Cent pro Gigabyte. War dies vor einigen Jahren nur durch limitierte Rabattaktionen der Fall, pendelt sich die Marke bei den Mainstream-Modellen mit SATA allmählich ein. Die Preise könnten im zweiten Halbjahr sogar weiter sinken, wie eine Marktstudie andeutet.

Vor zwei Jahren wurden SSDs wieder teurer

Vor rund zwei Jahren endete die kontinuierliche Talfahrt der SSD-Preise. Grund waren immer höhere Preise für den NAND-Flash-Speicher, der nicht nur in SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten, sondern vor allem auch in Smartphones eingesetzt wird. Die gestiegenen Preise begründeten die NAND-Hersteller mit der ohne Zweifel gewachsenen globalen Nachfrage bei zugleich begrenzten Produktionskapazitäten durch den Umstieg von der 2D-NAND-Produktion auf 3D-NAND. Genau wie DRAM war NAND-Flash knapp und entsprechend teuer geworden. Spätestens seit diesem Jahr ist bei den NAND-Flash-Preisen und damit auch bei den SSD-Kosten eine deutliche Trendwende zu beobachten. SSDs hatten in nur wenigen Monaten ihren tiefsten Preispunkt aus dem Jahr 2016 wieder erreicht und sind jetzt günstig wie nie.

SSDs gibt es nun vermehrt für 20 Cent pro Gigabyte und weniger

Gut lässt sich die Preisentwicklung an einem populären Modell festmachen, das schon seit einigen Jahren auf dem Markt ist. Die Samsung 850 Evo (Test), hier am Beispiel der 500-GB-Version, kostete im Juli 2016 etwa 120 bis 130 Euro oder 24 und 26 Cent pro GByte bis die Preise anfingen zu steigen. Im Frühjahr 2017 lag das Preisniveau schon bei fast 170 Euro oder 34 Cent pro GB. Ende 2017 begannen die Preise wieder zu sinken. In den letzten Monaten ging es sogar rapide nach unten, sodass die 850 Evo jetzt für rund 100 Euro oder 20 Cent pro GB zu haben ist.

Samsungs 850 Evo auf neuem Tiefstand beim Preis
Samsungs 850 Evo auf neuem Tiefstand beim Preis

Doch es geht noch günstiger, wie inzwischen diverse SATA-Modelle im Preisvergleich für weniger als 20 Cent pro GB aufzeigen. Darunter sind nicht nur SSDs von weniger bekannten Drittanbietern, sondern mit Crucial (Micron) und Toshiba auch Produkte zwei großer NAND-Hersteller. Beispielhaft sind Crucials MX500 (Test) und Toshibas TR200 (Test) zu nennen: Die Crucial MX500 mit 1 TB sowie die Toshiba TR200 mit 480 GB gibt es jeweils ab 19 Cent pro Gigabyte. Bei diesen Beispielen empfiehlt die Redaktion aber zum Crucial-Modell zur greifen, da die TR200 ohne DRAM-Cache einige Schwächen offenbart hatte. Eine kaum teurere Alternative und zugleich die SATA-Referenz ist Samsungs 860 Evo (Test), bei der das 1-TB-Modell 20 Cent pro GB erreicht hat.

Auch schnelle SSDs mit PCIe 3 x4 und NVMe sind deutlich günstiger geworden. Modelle wie die Samsung 970 Evo (Test) oder die Plextor M9Pe (Test) nähern sich der 30-Cent-Marke an.

Marktforscher erwarten weiter sinkende Speicherpreise

Laut einer aktuellen Einschätzung von DRAMeXchange wird sich NAND-Flash im zweiten Halbjahr 2018 weiter vergünstigen. Hierzu sollen die inzwischen gute Ausbeute bei der Herstellung von 64/72-Layer-3D-NAND und die Einführung der neuen 96-Layer-Generation ihren Teil beitragen. Begünstigt wird die Entwicklung von einer voraussichtlich nicht so hohen Nachfrage. Die Analysten führen ein langsames Wachstum bei Notebooks und Smartphones an. Allerdings könne es im dritten Quartal zu einer erhöhten Nachfrage von Smartphone-Herstellern wie Apple durch neue Modelle kommen, was den Preistrend beeinflussen kann.

Entwarnung geben die Marktforscher bezüglich des jüngsten Erdbebens in Japan, das in abgeschwächter Form auch Toshibas Produktionsanlage in Yokkaichi erreicht hatte. Davon sei die Herstellung von NAND-Wafern nur geringfügig beeinträchtigt worden, weshalb der Vorfall „nahezu keinen Einfluss“ auf den Markt haben werde.

DRAMeXchange widerspricht damit den Prognosen, über die DigiTimes vor rund einem Monat auf Basis von Informationen aus Branchenkreisen berichtet hat. Dort war davon die Rede, dass die SSD-Nachfrage im dritten Quartal wieder anzieht und damit auch der Preisverfall ein Ende nimmt.