Google Pixel 3 XL im Test: Kamera und Software machen wieder den Unterschied 3/4

Nicolas La Rocco 202 Kommentare

Software mit Update-Garantie

Pixel 3 und Pixel 3 XL sind ab Werk mit der aktuellen Android-Version 9.0 Pie ausgerüstet, die seit Anfang August fertiggestellt ist und bereits für eine Handvoll Smartphones ausgeliefert wird, darunter Geräte von Essential, Google, Nokia, OnePlus und Xiaomi. Das Sony Xperia XZ3 (Hands-On) ist zudem das erste Smartphone, das seit Anfang Oktober direkt ab Werk mit dem neuen Betriebssystem ausgeliefert wird.

Google-Smartphones der Marken Nexus und Pixel werden seit jeher aufgrund des Software-Supports gekauft. Für die neuen Pixel 3 garantiert Google mindestens bis Oktober 2021 die Versorgung mit Android-Updates und monatlichen Sicherheitsupdates. Im Regelfall werden beide Update-Typen sofort nach Verfügbarkeit an die Endgeräte verteilt. Googles bisherigen Android-Veröffentlichungen folgend müssten Pixel 3 und Pixel 3 XL demnach in den kommenden Jahren noch Android Q, R und S erhalten. Android-One-Smartphones kommen mit zweijähriger Update-Garantie, die Updates werden aber bei weitem nicht so zeitnah wie von Google an die eigenen Geräte verteilt.

Googles offizielle Update-Zusagen für Pixel-Smartphones
Android-Updates bis Android-Sicherheitsupdates bis Telefon- und Online-Support bis
Pixel 3 Oktober 2021
Pixel 3 XL
Pixel 2 Oktober 2020
Pixel 2 XL
Pixel Oktober 2018 Oktober 2019
Pixel XL

Das auf den Pixel 3 installierte Android hat zwar nichts mehr mit der quelloffenen Basis des Android Open Source Projects (AOSP) zu tun, lässt sich aber noch wie vor als Stock-Android bezeichnen, da Modifikationen und vorinstallierte Apps ausschließlich von Google selbst stammen und ab Werk keine Apps von Drittanbietern installiert sind.

Neue Gestensteuerung ist der Standard

Der größte spezifische Unterschied von Android 9 Pie auf den Pixel 3 zu anderen Google-Smartphones mit Android 9 Pie ist die standardmäßig aktivierte Gestensteuerung, die sich auf den neuen Geräten auch nicht mehr deaktivieren und gegen die klassische Android-Navigationsleiste austauschen lässt. Auf den Pixel 2 und Pixel der ersten Generation ist die Navigationsleiste standardmäßig aktiviert und die Gestensteuerung optional.

Googles Gestensteuerung war zu Zeiten der Developer Previews von Android 9 Pie nicht besonders gut bei den Testern angekommen, da sie sich hinsichtlich des Bedienungskonzepts nicht vollends durchdacht anfühlte. Auf dem Pixel 3 XL mit finaler Software hat sich daran nichts verändert, Google hat an der Bedienung seit den Developer Previews keine weiteren Veränderungen vorgenommen. Zum Beispiel entsteht durch die Gestensteuerung nicht mehr Platz auf dem Display, da eine Pille nach wie vor als virtueller Home-Button fungiert, außerdem gibt es nach wie vor eine Zurück-Taste. Um den App-Drawer zu öffnen, sind nun zwei Wischbewegungen oder eine unhandlich lange notwendig. Im Gegensatz zu iOS ist Android nicht genug für Wischbewegungen optimiert worden, sodass unterm Strich eine lediglich anders aussehende Navigationsleiste mit manchmal vorhandenen Tasten kombiniert mit einer Gestensteuerung steht.

Active Edge ruft beim Pixel 3 XL wieder den Google Assistant auf
Active Edge ruft beim Pixel 3 XL wieder den Google Assistant auf

Was man Google hingegen nicht vorwerfen kann, sind mangelnde Systemoptimierungen hinsichtlich der Geschwindigkeit der Bedienung abseits der Gestensteuerung. Ungeachtet der häufig nicht mehr für eine Spitzenplatzierung reichenden Benchmarks des Snapdragon 845 ist das Pixel 3 (XL) das derzeit schnellste Android-Smartphone auf dem Markt. Ähnlich schnell lässt sich ansonsten nur das OnePlus 6 (Test) bedienen.

Bekannte Snapdragon-845-Leistung

Google ist mit der Pixel-Serie einer der letzten Hersteller des Jahres, der noch auf Qualcomms bis dahin gut zehn Monate alte Snapdragon-845-Plattform setzt. Den Snapdragon 845 hatte Qualcomm Anfang Dezember 2017 vorgestellt, der Nachfolger Snapdragon 8150 wird nur einen Monat nach Marktstart des Pixel 3 erwartet. Aus dieser Perspektive betrachtet erfolgt der Pixel-3-Launch zu einer höchst unglücklichen Zeit, in der die aktuelle High-End-Plattform am auslaufen ist und eine neue kurz bevorsteht.

Anders als Apple oder Samsung kann Google den Takt nicht selbst vorgeben, sondern ist wie die meisten Smartphone-Hersteller vom Produktzyklus von Qualcomm abhängig. Apple hingegen kündigt ein neues A-SoC stets mit der neuen iPhone-Generation an, bei Samsung wiederum ist es ein neues Exynos-SoC mit der neuen Galaxy-S-Generation. Würde Google seine Smartphones im Frühjahr vorstellen, könnten die Geräte gleich mit einem neuem und besser ausgestatteten Qualcomm-Chip in den Markt starten.

Von der Leistung in den Benchmarks her liefert Google bekanntes Snapdragon-845-Niveau ab, das keine größeren Ausreißer nach oben oder unten aufweist. Der Chip liegt in Summe etwa auf dem Niveau des Exynos 9810, wobei dessen Single-Core-Leistung der M3-Kerne dem Kryo 385 überlegen ist. Apple wiederum spielt mit dem neuen A12 Bionic des iPhone Xs, aber selbst noch dem letztjährigen A11 Bionic in einer eigenen Liga, die weit oberhalb von Samsungs oder Qualcomms Leistungsniveau liegt.

Für den internen Speicher setzt Google auf schnellen Universal Flash Storage. Dabei vertraut Google wie zuletzt beim Nexus 9 auf das von Samsung entwickelte und als performant geltende Linux-Dateisystem F2FS (Flash-Friendly File System). Zumindest die 64-GB-Version des Smartphones liefert beim Lesen keine außergewöhnlich guten Werte, schneidet aber beim Schreiben sehr gut ab. Sequenziell sind über 230 MB/s möglich, während beim wahlfreien Schreiben knapp 140 MB/s erzielt werden.

Kostenlose Cloud statt Speichererweiterung

Eine Speichererweiterung via microSD-Karte sieht Google nicht vor, stattdessen sollen Daten wie Fotos und Videos in Googles Cloud ausgelagert werden. Pixel-3-Käufer erhalten für einen Zeitraum von drei Jahren bis zum 31. Januar 2022 unbegrenzten und kostenfreien Speicherplatz für Fotos und Videos in Originalauflösung und Qualität in Google Fotos.

Für alle Pixel-Kunden der ersten Generation gilt noch eine alte Klausel mit unbegrenztem Speicher auf Lebenszeit für Google Fotos. Wer mehr lokalen Speicher benötigt, kann das Pixel 3 zum Aufpreis von 100 Euro mit 128 GB statt 64 GB bestellen. Derselbe Aufpreis wird beim Pixel 3 XL mit 128 GB Speicher fällig.

Schnellere LTE-Konnektivität

Über den Snapdragon 845 wird auch die gesamte Konnektivität des Smartphones gestellt. Das integrierite LTE-Modem Snapdragon X20 reizt Google allerdings nicht in Gänze aus, sodass von den maximal möglichen 1.200 Mbit/s im Downstream und 150 Mbit/s im Upstream aufgrund des Antennen-Layouts noch 1.000 Mbit/s und 75 Mbit/s übrig bleiben.

Beide Pixel 3 benötigen für den Betrieb im Mobilfunknetz eine Nano-SIM-Karte und sind optional eSIM-fähig. Anders als beim iPhone Xs lassen sich beide Technologien jedoch nicht für die Dual-SIM-Nutzung kombinieren. Wer per VoLTE telefonieren möchte kann bedenkenlos zum Pixel 3 greifen, da VoLTE ab Werk unterstützt wird (getestet mit Deutsche Telekom).

Die weitere Konnektivität setzt sich aus WLAN-ac, Bluetooth 5.0 LE, NFC sowie den Ortungsdiensten GPS, GLONASS, BeiDou und dem seit kurzem fertiggestellten europäischen Galileo zusammen. In den Entwickleroptionen von Android 9 Pie lässt sich zwischen den Bluetooth-Codecs SBC, AAC, aptX, aptX HD und LDAC wählen.

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