EarFun Free (2. Gen.) im Test: Neuauflage mit besserer Steu­erung bleibt ein Schnäppchen

Frank Hüber 50 Kommentare
EarFun Free (2. Gen.) im Test: Neuauflage mit besserer Steu­erung bleibt ein Schnäppchen

tl;dr: Die EarFun Free werden neu aufgelegt und bieten nun nicht nur eine Lautstärkesteuerung über die Ohrhörer, sondern letztere können auch einzeln genutzt werden. ComputerBase wirft einen erneuten Blick auf die True-Wireless-In-Ears, die für unter 50 Euro IPX7, Wireless Charging, AAC, USB-C und einen guten Klang bieten.

EarFun legt die TWS-In-Ears Fun in einer minimal angepassten Version neu auf. Dabei habe man sich der Rückmeldungen der Nutzer angenommen, die sich weitgehend mit den Kritikpunkten an der ersten Generation aus dem Test von ComputerBase decken. Den Ansatz, möglichst viel für möglichst wenig zu bieten, verfolgt das Unternehmen dabei weiterhin. Denn für 50 Euro erhält der Käufer nicht nur Ohrhörer mit AAC-Unterstützung und IPX7-Zertifizierung zum Schutz vor Wasser und Staub, sondern auch ein Ladecase mit Wireless Charging.

Lautstärkesteuerung und Einzelnutzung

War bei der ersten Generation stets der rechte Ohrhörer als Master mit dem Smartphone verbunden, so dass der linke nicht alleine genutzt werden konnte, ist dies bei der neuen Generation nicht mehr der Fall und jeder der beiden Ohrhörer der EarFun Free (2. Gen.) kann einzeln verwendet werden. Außerdem hat EarFun die Steuerung dahingehend angepasst, dass nun über die Ohrhörer die Lautstärke justiert werden kann.

Mangels App kein Update für Erstkäufer

Die zweite Generation der EarFun Free offenbart so aber auch eine Schwachstelle aller TWS-In-Ears ohne App, über die ein Firmware-Update möglich ist. Technisch gleicht die zweite Generation der EarFun Free nämlich der ersten, lediglich die Software wurde angepasst, um die neuen Funktionen zu unterstützen. Käufer der ersten Generation können von diesen Anpassungen aber mangels App nicht profitieren, da sie keine neue Firmware auf ihre EarFun Free spielen können.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
EarFun Free Creative Outlier Gold Anker Soundcore Liberty 2 Pro Cambridge Audio Melomania 1 Xiaomi Redmi AirDots Jaybird Vista TaoTronics SoundLiberty 53 Skullcandy Sesh Skullcandy Indy
Akkulaufzeit Ohrhörer 6 h 14 h 8 h 9 h 4 h 6 h 5 h 3 h 4 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 30 h 39 h 32 h 45 h 12 h 16 h 40 h 10 h 16 h
Wireless Charging Ja Nein Ja Nein
Bluetooth-Standard 5.0
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, aptX, AAC SBC, aptX SBC, aptX, AAC SBC
USB-Typ USB -C Micro-USB Micro-USB
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 5,5 / 45 g 5,5 / 56 g 8,5 / 53 g 4,5 / 38 g 4 / 27 g 6 / 32 g 5,5 / 41 g 4,5 / 51 g 5,5 / 49 g
Zertifizierung IPX7 IPX5 IPX4 IPX5 IPX4 IPX7 IP55
Preis 45 Euro 100 Euro 150 Euro 100 Euro 25 Euro 180 Euro 40 Euro 60 Euro 80 Euro

Ladecase lädt per USB-C oder drahtlos

Den EarFun Free liegt auch in zweiter Generation ein kurzes USB-C-Ladekabel bei, so dass das Ladecase nicht zwingend über eine drahtlose Ladematte mit Qi-Standard geladen werden muss. Auch die drei unterschiedlich großen Silikon-Ohreinsätze sind unverändert von der ersten Generation übernommen worden. Einen Grund für Anpassungen gab es in beiden Fällen ohnehin nicht. So bleibt das vergleichsweise große Ladecase aber ebenfalls unverändert, bietet dafür jedoch 500 mAh. Für die meisten Hosentaschen ist es so nicht geeignet.

Das Ladecase lädt die beiden Ohrhörer insgesamt rund vier Mal wieder auf, was die Akkulaufzeit von 6 auf insgesamt 30 Stunden erhöht. Mit rund 5,5 Stunden bei mittlerer Lautstärke ist die Akkulaufzeit gut, Modelle wie die Creative Outlier Gold bieten mit 14 Stunden aber deutlich mehr. Die Schnellladefunktion lädt beide Ohrhörer innerhalb von 10 Minuten für eine Musikwiedergabedauer von rund 90 Minuten auf. Das vollständige Laden der Ohrhörer dauert rund 1,5 Stunden, das Ladecase ist über USB-C nach rund 2, drahtlos nach rund 3,5 Stunden aufgeladen, wenn es leer ist.

Die EarFun Free (2. Gen.) schalten sich bei der Entnahme aus dem Ladecase ein und beim Zurücklegen aus. Sind sie noch nicht mit einem Smartphone gekoppelt, startet sich bei dem Herausnehmen automatisch das Pairing. Sie werden in den Bluetooth-Einstellungen schlicht als „EarFun Free“ angezeigt. Auf links oder rechts muss nicht geachtet werden, die Synchronisation läuft zwischen den beiden Ohrhörern ab, das Smartphone sendet das Audiosignal immer nur an einen Ohrhörer. Neu ist, dass anschließend jeder Ohrhörer einzeln genutzt werden kann, nicht mehr nur der rechte.

Verbesserte Steuerung

Bei der neuen Generation der EarFun Free ist die Steuerung einfacher und intuitiver als bei der ersten Generation. Einmaliges Drücken des Knopfes auf dem linken oder rechten Ohrhörer startet oder pausiert die Musikwiedergabe. Über ein zweimaliges Drücken wird nun die Lautstärke gesteuert: linker Ohrhörer leiser, rechter Ohrhörer lauter. Vor und zurück springt man jetzt über ein dreifaches Drücken des Knopfes – links zurück, rechts vor.

Bei der ersten Generation waren Vor und Zurück nur über den linken Ohrhörer durch doppeltes beziehungsweise dreifaches Drücken möglich. Die Funktionen zum Aufrufen des Sprachassistenten und zur Steuerung von Anrufen sind nun auf beiden Ohrhörern gleichermaßen möglich. Auch das Ausschalten der Ohrhörer funktioniert nun über beide Exemplare durch langes Drücken.

Die Lautstärke-Einstellung der Ohrhörer und eines Android-Smartphones wird aber nicht synchronisiert. Ist die Lautstärke in den Android-Einstellungen auf 100 Prozent gestellt, kann es sein, dass die Ohrhörer aufgrund ihrer eigenen Lautstärke-Einstellung trotzdem die Musik nur leise wiedergeben. Ändert man die Lautstärke hingegen an den Ohrhörern, ist die Lautstärke-Einstellung von Android davon unbeeinflusst.

Bei der Nutzung nur eines Ohrhörers ändert sich an dieser Belegung der Funktionen nichts. Das bedeutet, dass man mit dem rechten Ohrhörer weiterhin die Lautstärke erhöhen und einen Track weiterspringen kann, wenn man nur diesen nutzt, aber die Lautstärke nicht reduzieren oder ein Stück zurückspringen kann. Gleiches gilt andersherum für den linken Ohrhörer, wenn dieser alleine genutzt wird. Wird nur ein Ohrhörer eingesetzt, lässt sich der zweite jederzeit durch die Entnahme aus dem Ladecase aktivieren und unterbrechungsfrei nutzen.

Erneut Probleme bei der Fertigung

Die neue Steuerung kann aber nicht über ein Problem hinwegtäuschen, das es auch bei dem neuen Modell gibt, das ComputerBase vorliegt. Die Verarbeitung überzeugt nicht vollends. Dieses Mal ist der Ohrhörer selbst zwar optisch in einem besseren Zustand, dafür unterscheiden sich die Druckpunkte der Ohrhörer-Knöpfe. Während das linke Exemplar einen deutlichen Druckpunkt mit einem leichten Klicken aufweist, ist der Knopf auf dem rechten Ohrhörer sehr viel leichtgängiger und lässt einen klaren Druckpunkt, den man spürt, vermissen.

Unverändert gutes Tragegefühl

Da sich an der äußeren Form der neuen Generation nichts verändert hat, ist auch der Tragekomfort identisch. Die EarFun Free verursachen vergleichsweise wenig Druck im Ohr, müssen vom Tester aber bei längerem Tragen und bei Bewegung nachjustiert werden, was allerdings von dem persönlichen Halt abhängig ist.

Tragekomfort der EarFun Free
Tragekomfort der EarFun Free

Guter Klang, der etwas verschwimmt

Da sich auch klanglich mit der neuen Version nichts verändert hat, ist das Gebotene für einen UVP von 50 Euro, der meist sogar unterschritten wird, überzeugend. Die zu wenig ausgeprägten Mitten und der zu undifferenzierte Bass, der mitunter etwas dröhnt, sorgen dafür, dass nicht alle Facetten klar abgebildet werden. An Dynamik gewinnen die EarFun Free vor allem bei lauter Wiedergabe. Als modern könnte die warme, basslastige Abstimmung bezeichnet werden.

Latenz

Mit einer Verzögerung von 160 bis 180 ms lag die erste Generation der Earfun Free im üblichen Rahmen aktueller TWS-In-Ears. Die zweite Generation musste sich aufgrund der neuen, angepassten Firmware und der Möglichkeit, nur einen Ohrhörer zu nutzen, diesem Test erneut stellen, da dies potenzielle Auswirkungen auf die Latenz haben kann.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
In-Ear-Kopfhörer Latenz
EarFun Free (2. Gen.) 160–180 ms
EarFun Free 160–180 ms
Yobybo Card20 160–180 ms
Apple AirPods (2. Gen.) 160–180 ms
Huawei FreeBuds 3 60–80 ms
Razer Hammerhead 180 ms / Gaming-Mode: 60–80 ms
Creative Outlier Gold 160 ms
Anker Soundcore Liberty 2 Pro 60–80 ms
Cambridge Audio Melomania 1 180 ms
Xiaomi Redmi AirDots 160–180 ms
Jaybird Vista 160 ms
Skullcandy Indy 160–180 ms
Skullcandy Sesh 160–180 ms
TaoTronics SoundLiberty 53 200 ms

Eine Veränderung an der Latenz ist durch die neue Firmware nicht festzustellen. Sie liegt weiterhin bei 160 bis 180 ms. Auch die Nutzung nur eines Ohrhörers hat auf die Latenz keinen Einfluss, wie sich im Test herausstellt.

Fazit

Den negativen Aspekt, dass keine Lautstärkeregelung über die Ohrhörer möglich ist, hat EarFun mit der Neuauflage der Free ebenso erfolgreich ausgeräumt wie die Einschränkungen bei der Nutzung nur eines Ohrhörers. Mit der neuen Software können nun jederzeit beide Ohrhörer einzeln genutzt werden und nicht mehr nur der rechte.

Da sich klanglich durch die neue Firmware nichts an den EarFun Free geändert hat und auch die Form unverändert geblieben ist, fällt das Fazit in dieser Hinsicht entsprechend gleich aus. Dem Klang fehlt es somit etwas an Dynamik und Klarheit und laute Töne stehen ihm besser, aber verstecken müssen sich die EarFun Free nicht. Der Halt im Ohr ist gut und angenehm, aber zumindest beim Tester nicht uneingeschränkt für Sport geeignet.

Den EarFun Free gelingt es aber weiterhin, viele Funktionen günstig zu verpacken. Wasser- und staubdicht nach IPX7, Wireless Charging, USB-C und AAC-Unterstützung sind in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit und werden auch von keinem Kontrahenten, der bei ComputerBase bislang getestet wurde, zu diesem Preis geboten.

EarFun Free (2. Gen.)
Produktgruppe In-Ear-Kopfhörer, 22.01.2020
  • Klang
    +
  • Verarbeitung
    O
  • Tragekomfort
    +
  • Bedienung
    +
  • Gute Akkulaufzeit
  • Wasserdicht (IPX7)
  • Angenehmes Tragegefühl
  • Wireless Charging
  • Schwächen bei leisen Tönen
  • Nur eingeschränkt für Sport geeignet
  • Verarbeitung teils mit Schwächen

Eine App, in der die Wiedergabesteuerung nun angepasst werden kann, gibt es aber weiterhin nicht. Firmware-Updates können folglich nach wie vor nicht selbst eingespielt werden, so dass Käufer nicht von Anpassungen profitieren und letztere nur – wie nun geschehen – durch eine Neuauflage an Neukunden verteilt werden können. Ein Punkt, an dem EarFun ebenso wie an der Fertigungsqualität, die aufgrund unterschiedlicher Druckpunkte an den Ohrhörern erneut nicht vollends überzeugt, ansetzen kann. Dies würde sich andererseits womöglich negativ auf den günstigen Preis auswirken.

Aktuell wird der EarFun Free in der neuen Version nämlich schon für 39,99 Euro bei Amazon* angeboten, EarFuns derzeit exklusiver Vertriebskanal in Deutschland.

ComputerBase hat die Free leihweise von EarFun zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

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