Cyberpunk 2077 Patch 1.2 im Test: Raytracing auf AMD Radeon RX kostet bis zu 75 Prozent FPS

Wolfgang Andermahr
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Cyberpunk 2077 Patch 1.2 im Test: Raytracing auf AMD Radeon RX kostet bis zu 75 Prozent FPS

Cyberpunk 2077 erhält mit dem 33 GB großen Patch 1.2 eine gigantische Anzahl Bug-Fixes und auch Raytracing für Radeon-RX-Grafikkarten mit RDNA 2. Benchmarks zeigen, dass die Performance des Spiels gestiegen ist. Gelitten hat wiederum das LOD und Radeon RX 6000 geraten mit aktiviertem Raytracing komplett unter die Räder.

So gewaltige Release Notes wie bei Patch 1.2 von Cyberpunk 2077 hat es selten zuvor, ja vielleicht sogar noch nie gegeben. Primär soll das Update zwar Fehler beseitigen, doch auch auf der technischen Seite hat sich etwas getan: Das Spiel soll schneller laufen und bietet Raytracing mit Radeon RX 6000. Grund genug für die Redaktion, mit aktuellen Treibern neue Leistungswerte zu erstellen.

Radeons mit RDNA 2 lernen Raytracing

Es war schon enttäuschend, dass Cyberpunk 2077 Raytracing zum Start im Dezember nur auf GeForce-RTX-Grafikkarten unterstützt hat. Denn Raytracing hat sich im Technik-Test zum Spiel als subtiler, aber durchaus wirksamer Effekt gezeigt. Warum AMD-Grafikkarten auf Basis der RDNA-2-Architektur außen vorgeblieben war, kam zwar nie offiziell ans Licht, doch versprachen die Entwickler, die Radeon-RX-6000-Serie später per Update fit für die Strahlentechnologie zu machen. Mit Patch 1.2 ist das der Fall.

Das ist aber nicht die einzige technische Änderung. Die Patch Notes erwähnen darüber hinaus, dass die Stabilität und Performance der Engine und der Rendering-Engine verbessert und auch das Speichermanagement optimiert worden ist. Damit könnte es auch eine generelle Leistungssteigerung in dem Spiel geben.

Das Testsystem und die Benchmark-Szene

Alle Benchmarks wurden auf einem AMD Ryzen 9 5950X (Test) durchgeführt, der mit den Standardeinstellungen betrieben wird. Als Mainboard wurde das Asus ROG Strix B550-E Gaming (BIOS 1801) mit dem B550-Chipsatz verbaut, Grafikkarten können entsprechend mit PCIe 4.0 angesteuert werden. Die CPU wurde von einem Noctua NH-D15S mit zentral installiertem 140-mm-Lüfter gekühlt. 32 GB Speicher (4 × 8 GB, Single-Rank, DDR4-3600, 16-16-16-32, optimierte Sekundär-Timings für die GPU-Benchmarks, Hersteller-Empfehlung für die CPU-Benchmarks) standen dem Prozessor zur Verfügung. Windows 10 20H2 mit sämtlichen Updates war auf einer NVMe-M.2-SSD mit PCIe 4.0 installiert, dasselbe galt für das Spiel. „Resizable BAR“ (AMD SAM) wird auf unterstützten Grafikkarten genutzt.

Als Treiber wurden der Adrenalin 21.3.2 beziehungsweise der GeForce 461.92 genutzt.

Die Benchmark-Sequenz und die Einstellungen

Als Benchmark-Sequenz kommt eine 25 Sekunden lange Szene während der Hauptmission „Play it Safe“ zum Einsatz, die während der Parade auf dem Basar spielt. Es sind zahlreiche NPCs und Partikeleffekte im Blickfeld, die Framerate ist generell sehr niedrig. Es handelt sich um eine der Worst-Case-Sequenzen, einzig im Kampf können die FPS noch niedriger ausfallen. ComputerBase greift seit diesem Jahr in Grafikkarten-Tests auf diese Sequenz in Cyberpunk 2077 zurück. Im Community-Benchmark-Test zu Cyberpunkt 2077 kommt noch eine andre Szene zum Einsatz.

Für die Auflösungen Full HD und WQHD werden die maximalen Grafikdetails in Cyberpunk 2077 genutzt, für Ultra HD wird auf das Medium-Preset zurück geschaltet. Das gilt auch bei den Raytracing-Benchmarks. Wenn die Raytracing-Presets zum Einsatz kommen, wird das auf Nvidia-Grafikkarten automatisch aktivierte DLSS händisch wieder abgeschaltet.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Ultra-Preset
2.560 × 1.440 Ultra-Preset
3.840 × 2.160 Medium-Preset

Benchmarks mit Patch 1.12 vs. Patch 1.2 In Full HD, WQHD und Ultra HD

Cyberpunk 2077 läuft mit dem neuesten Patch unabhängig von der eingesetzten Grafikkarte tatsächlich meistens schneller als zuvor. So legt die GeForce RTX 3080 durch das neue Update in 1.920 × 1.080 bei den Durchschnitts-FPS um 9 Prozent zu und bei den Perzentil-FPS um 10 Prozent zu. In 2.560 × 1.440 wird der Sprung mit 3 und 5 Prozent kleiner, bleibt aber vorhanden. Erst in 3.840 × 2.160 gibt es keinen Schub mehr.

Der Radeon RX 6800 XT schmeckt der Patch 1.2 offenbar noch etwas besser, denn die Leistungssprünge fallen durchweg höher aus. In Full HD legt die AMD-Hardware um 12 und 14 Prozent zu, in WQHD um 10 und 8 Prozent und auch in Ultra HD legt die RDNA-2-Karte mit plus 4 und 2 Prozent noch einmal gegenüber der älteren Spielversion zu. Entsprechend kann sich die Radeon RX 6800 XT in niedrigen und mittleren Auflösungen etwas besser von der GeForce RTX 3080 absetzen und rückt in hohen Auflösungen näher an dieser heran. Obwohl die AMD-GPU bei den Perzentil-FPS mehr zulegt als die Nvidia-Gegenstück bleibt es dabei, dass GeForce-Grafikkarten bei dieser Messreihe besser als bei den Durchschnitts-FPS abschneiden.

Auch ältere Grafikkarten legen mit dem Patch 1.2 zu, das gilt auch noch für die Generation Pascal bei Nvidia und Polaris bei AMD. So arbeitet die Radeon RX 580 nach dem Update 10 und 7 Prozent schneller, die GeForce RTX 1060 5 und 7 Prozent.

Das LOD arbeitet sichtbar aggressiver

Die Performance von Cyberpunk 2077 ist mit dem Patch 1.2 besser geworden, jedoch ist die Frage, ob dies tatsächlich (ausschließlich) durch Optimierungen im Code geschehen ist. Denn während der Tests ist ein äußerst aggressives LOD aufgefallen, das vor allem bei NPCs sichtbar die Detailstufen ändert. Je mehr NPCs in einer Szene sichtbar sind, desto ausgeprägter ist das Verhalten. Und das passiert nicht nur einmal, gefühlt ploppen alle paar Meter mehr Details bei den Spielfiguren auf. Das ist etwas, mit dem das Spiel auch in der Ur-Version zu kämpfen hatte, jedoch nicht ansatzweise auf diesem Niveau. Vor allem bei der genutzten Testsequenz ist der Effekt extrem auffällig, aber auch in anderen Szenen wechseln die LOD-Stufen immer mal wieder gut sichtbar.

Nun stellt sich automatisch die Frage, ob dies nicht einfach nur ein neuer Bug ist, was bei den sonstigen Probleme wenig verwunderlich wäre. Oder aber dies ist ein Grund, warum das Spiel nun schneller läuft als zuvor. Das wird sich vermutlich erst mit den nächsten Updates klären, wenn das nervige LOD-Verhalten sich wieder ändert – oder eben nicht. Da Cyberpunk 2077 aber nunmal durch die vielen NPCs und die dadurch entstehende Atmosphäre lebt, ist das aggressive LOD ärgerlich, da es die an sich sehr gute Grafik doch negativ beeinflusst.

Weitere Grafikkarten-Benchmarks

Resizable BAR beziehungsweise AMD SAM bringt auch mit dem Patch 1.2 immer noch einen großen Leistungsschub in Cyberpunk 2077. Die Radeon RX 6800 XT wird durch das Feature in Full HD um 14 Prozent beschleunigt, in Ultra HD sind es noch 4 Prozent. Dadurch überholt die RDNA-2-Grafikkarte die GeForce RTX 3080 in Full HD sowie WQHD und klebt dem Ampere-Modell in Ultra HD an den Fersen. Die GeForce-RTX-3000-Serie unterstützt – abgesehen von der GeForce RTX 3060 – offiziell noch kein Resizable BAR, das könnte sich allerdings jede Stunde ändern.

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