SothaSil schrieb:
Ist eine Mannschaft schlechter, die 5/5 macht oder eine Mannschaft die 2/10 macht? Ist eine Mannschaft schlechter, weil der beste Mann der Torwart ist der alles hält? ist eine Mannschaft besser, obwohl sie das Tor nicht trifft?
Klar ist es schöner eine Mannschaft zu sehen, die offensiv spielt und viele Chancen hat, aber letzendlich gewinnt die Mannschaft, die besser spielt - Ziel des Spiels sind schließlich Tore und nicht vergebene Chancen.
(Das mag die spielweise unsympathisch machen, aber (Achtung Phrasenschwein!) besser ist wer die Tore macht. Und das SPiel heute wurde durch diese Effektivität der Hamburger doch deutlich interessanter)
Dies liegt an meinem Fußballverständnis. Für mich ist folgendes grundsätzlich gültig:
"Verwertung von 100%igen ist Zufallssache und bei jedem im Mittel etwa gleich".
Ich weiß nicht warum, aber das war schon lange die ""Philosophie"", nach der ich Spiele auch beurteile. Und dass die Quote ungefähr bei allen Teams auf dem gleichen Niveau ist (über längere Zeit gesehen), stimmt auch statistisch. Darum täuscht manchmal auch der Eindruck, den man hat, dass Torjäger die zichfach pro Saison treffen (beispielsweise Gomez) eine besonders gute Verwertungsquote haben,
obwohl es viel mehr so ist, dass sie viel mehr Chancen kreiren und so auch mehr an der Zahl nutzen.
Klar gibt es auch Phasen, wo ein Stürmer on fire ist und toll verwertet, wie beispielsweise Lewa bei uns in der letzten Rückrunde. Aber vor und nach solchen Phasen gibt es auch immer die, in denen auch ein Weltklassestürmer viele Chancen braucht, weil er nicht in Topform ist.
Außerdem ist hat die Verwertung von 100%igen auch rein gar nichts mit den Fähigkeiten zu tun sondern nur mit den Nerven, und die sind auch stark abhängig von Form und aktueller Lage.
Für mich heißt das in der Beurteilung konkret: Besser war nicht die Mannschaft, die mehr Tore gemacht hat oder die Mannschaft, die vorm Tor kaltschnäuziger war. Sowas ist für mich kein wirklich existierendes Attribut, weil selbst Topspieler diese Kaltschnäuzigkeit nur hin und wieder zeigen.
Besser ist für mich die Mannschaft, die nennenswert mehr klare Chancen herausspielen kann, egal mit welchen Mitteln. Diese Mannschaft wird statistisch in den meisten Fällen gewinnen und hat es rein aus fußballästhetischer Sicht meines Erachtens auch verdient.
Oder kann man wirklich sagen, dass eine Mannschaft, die 15 Großchancen hat, 5 mal Latte trifft und sonst an einem überragenden Torhüter scheitert und dann durch die zwei Zufallsprodukte vom Gegner 1:2 verliert, verdient verloren hat?
Man kann dann vielleicht sagen "selbst Schuld" oder "Abschlussstärke ist auch eine Qualität", aber hat man nicht immer irgendwie im Inneren das Gefühl, dass der mit dem Chancenplus es einfach verdient hätte zu gewinnen und einfach wahnsinniges Pech hat? Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber ich kann da nicht anders, als das Spiel so zu beurteilen, für mich ist das unbegründbar ungerecht.
Und meines Erachtens gibt mir die Statistik (wie weiter oben erwähnt) auch Recht: Dass eine Mannschaft zwei von zwei Chancen reinmacht ist nicht Können, sondern Zufall, sonst könnte diese Mannschaft dauerhaft hohe Quoten aufrecht erhalten, was nunmal keiner kann. Genauso ist es auch mit dem Gegner, für den es Zufall ist, dass er so eine grausame Chancenverwertung hat, sonst könnte er die Klasse gar nicht halten.
Ich kann es nicht als fair empfinden, wenn eine Mannschaft zufällig oder glücklich Punkte holt, die sie aus meiner Beurteilung nicht verdient hat. Ist einfach so.
Fun Fact: Düsseldorf hatte letztes Jahr in der Hinrunde fast keine Torchancen, aber eine brutale Chancenverwertung. Ich glaub, ich hab sogar darauf hingewiesen und gesagt, dass sie es in der Rückrunde sehr schwer haben werden, weil sie schlicht viele Punkte unverdient und glücklich geholt haben. Und genauso kam es dann auch, in der Rückrunde hatten sie dieses Glück eben nicht und auf einmal gabs lange gar keine Punkte mehr. Die Chancenverwertung war eben keine besondere Leistung, sondern ein Zufall.
schpaik schrieb:
Seit ein paar Jahren haben einige Dortmunder die Überheblichkeit aber auch gepachtet. Fängt in der Champions League an und hört irgendwo in der Bundesliga auf. Aber so ist der Fußball nunmal...
Was hat das mit Überheblichkeit zu tun? Der HSV ist für mich schon seit langem der unsympathischste Verein, am ersten Spieltag habe ich mir einen hohen Sieg der Schalker gegen den HSV gewünscht. Als einer, der mit den Lagern nichts zu tun hat, kann man nichts wissen, aber es gibt schon seit zich Jahren eine Feindschaft zwischen HSV- und BVB-Anhängern (aus unterschiedlichen Gründen).
Aber im Ernst, ein Team nicht zu mögen hat doch nichts mit Überheblichkeit zu tun. Dann könnte ich Mainz oder Augsburg auch nicht mögen, weil sie dann ja nicht meiner Kragenweite entsprechen würden.
schpaik schrieb:
These: Nicht Götze, nicht Thiago, nicht Martínez und ebenfalls nicht Guardiola sondern Sammer war der wichtigste Transfer der jüngeren Vergangenheit.
Da widerspreche ich:
Nicht Götze, nicht Thiago, nicht Dante, nicht Mandzukic und auch nicht Sammer oder Poop Guardiolel waren der wichtigste Transfer.
Der 40-Millionen-Mann Martinez wars. Ich hab den Transfer anfangs noch belächelt, aber der hat in jeder Hinsicht den Unterschied ausgemacht.
Und: Sammer wird überbewertet. Falls es nicht schon geschehen ist, dann wird es bald dazu kommen, dass ihm keiner mehr zuhört. Er strahlt nicht die Glaubwürdigkeit aus, die es braucht, wenn er mahnt. Man merkt doch, dass er es sich schlicht zur Aufgabe gemacht hat, immer zu mahnen, wenn es möglich ist, doch das wirkt zu kalkuliert, jedenfalls auf mich.
Mahnendes Wort wird meist erst dann ernst genommen, wenn es von einer Person kommt, die normalerweise durch Zurückhaltung glänzt und generell stoisch ist. Erst dann, wenn das Mahnen unüblich ist und man das Gefühl hat, dass die mahnende Person außerhalb des gewohnten Musters agiert, glaubt man, dass tatsächlich was falsch läuft.