Rüdiger hat der FAZ ein schriftliches Interview gegeben (Pressetermine gibt es die Woche wohl keine).
Der Artikel selbst ist mit recht vielen Zwischenkommentaren versehen, die ich hier weg lasse. Soll sich jeder sein Bild drauf machen.
Ob er das nun alleine gemacht hat oder irgendein Pressemensch noch mal drüber geschaut hat .....!?
Quelle (Pay Wall)
In Deutschland wird in Teilen der Medien und in der Öffentlichkeit eine Debatte über Sie und Ihre Spielweise geführt. Wie gehen Sie damit um?
Ich kriege das natürlich mit. Wenn man als Nationalspieler so in der Kritik steht, dann macht man sich Gedanken. Wenn die Kritik seriös und sachlich vorgetragen wird, nehme ich sie natürlich auch ernst, weil ich selbst weiß, dass ich Szenen hatte, die deutlich drüber waren. Das hat dann auch insofern Einfluss, weil ich versuche, noch konzentrierter zu sein. Ich will kein Unruheherd sein, sondern Stabilität und Sicherheit geben. Die Diskussion zeigt mir noch einmal, dass ich eine Verantwortung habe, der ich in manchen Momenten nicht gerecht geworden bin.
Spielen im Grenzbereich ist ein Markenzeichen von Ihnen. Macht das Sie erst zu dem Eins-gegen-eins-Spezialisten, der Sie sind?
Definitiv. Ein harter Verteidiger zu sein ist Teil meiner DNA. Wenn du auf diesem Niveau ein Eins-gegen-eins-Spezialist sein willst, darfst du kein netter Begleiter sein. Du musst dem Stürmer das Gefühl geben: ‚Heute wird es eklig für dich.‘ Das ist Kopfsache. Wenn ich diese Intensität und diese Hingabe, dieses Spiel an der Grenze weglasse, bin ich nur noch die Hälfte wert. Diese ‚Kante‘ ist genau das, was mich zu Real Madrid gebracht hat. In Madrid schätzen und feiern sie genau das. Ohne das wäre ich nicht hier, hätte nicht zwei Mal die Champions League gewonnen und auch nicht so viele Spiele für mein Heimatland bestritten.
Ein Spiel ohne Ball, dafür mit dem Körper zu dominieren: Wie geht das? Wie finden Sie die richtige Härte?
Das ist Psychologie. Ein Stürmer will Platz, er will Ruhe am Ball. Meine Aufgabe ist es, ihm beides zu nehmen – auch wenn der Ball gar nicht in der Nähe ist. Ein kleiner Check hier, eng am Mann stehen da... du musst präsent sein. Die richtige Härte findest du über die Erfahrung.
Spielen Sie immer mit derselben Härte oder passen Sie diese einer Spielsituation oder einem Gegenspieler an?
Natürlich passt man das an. Wenn man gegen einen kleinen, flinken Wusler spielt, muss man anders verteidigen als gegen 1,90-Meter-Kanten. Und klar: Wenn ein Gegner mental schnell genervt ist, dann kitzle ich das natürlich heraus. Ich schaue mir die Jungs vorher genau an – manchmal bereite ich mich auch selbständig mit Videoanalysen darauf vor und weiß, bei wem ich mit physischer Präsenz früh ein Zeichen setzen muss.
Gehen Sie in unterschiedliche Spiele auch mit einer unterschiedlichen Risikobewertung? Eine Rote Karte in einem K.o.-Spiel kann ja schon das Aus bedeuten.
Das ist der Punkt, den viele falsch verstehen: Ich spiele intensiv, aber ich bin definitiv kein Sicherheitsrisiko für meine Mannschaften. Ich weiß ganz genau, in welcher Minute wir sind und was auf dem Spiel steht. Neun Jahre ohne Rote Karte auf dem Platz stehend kommen nicht von ungefähr – das war 2017 noch im Trikot der AS Roma. Selbst meine Anzahl an gelben Karten ist deutlich geringer, als die meisten wohl schätzen würden. Ich kam die letzten Jahre im Ligaschnitt nur auf rund fünf Gelbe pro Saison.
Es heißt, Sie sind so fit wie lange nicht. Auch schon bei den 100 Prozent, die Julian Nagelsmann im „Kicker“ zum Maßstab gemacht hat?
Ich fühle mich richtig gut und bin erleichtert, dass meine medizinischen Behandlungen nun Früchte tragen. Seit im Prinzip August, September 2024 war immer irgendetwas. Ich kann jetzt endlich wieder reihenweise Spiele über die volle Distanz machen und habe dabei keine Probleme mehr. Vor allem in der letzten Saison habe ich so gut wie immer nur spielen und sogar trainieren können, wenn ich Schmerztabletten genommen habe. Im Januar dieses Jahres wurde es dann wieder schlechter und dann wusste ich: Jetzt musst du dich auch mal rausnehmen, vor allem auch für die WM im Sommer. Nun bin ich aber wieder bei 100 Prozent.
Haben Sie das Gefühl, da auch über eine Grenze gegangen zu sein?
Ich habe meine eigene Gesundheit hintenangestellt und wollte zu 100 Prozent für Real Madrid da sein, weil ich nichts mehr hasse, als meine Mitspieler im Stich zu lassen. Ob ich es jederzeit wieder so machen würde? Vermutlich schon. Trotzdem habe ich nach meiner OP 2025 auch mal intern deutlicher gesagt, wenn es wirklich gar nicht ging…
Welche Grenze muss das deutsche Team verschieben, um Weltmeister zu werden?
Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen. Wir haben sehr viel Talent und Technik, das wissen alle. Aber Talent allein gewinnt keine Weltmeisterschaften. Wir müssen diese Mentalität wiederfinden – im positiven Sinne. Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat. Wenn wir diese Grenze im Kopf verschieben und jeder bereit ist, für den anderen die Drecksarbeit zu machen, dann sind wir extrem schwer zu schlagen.
Was m.E. passt und hier ja auch schon vermutet wurde, dass man ihn und seine Spielweise in Madrid völlig anders beurteilt.