Pure Power 10 CM und BQ im Test: Mittelklasse-Referenz von be quiet! und EVGA

Nico Schleippmann 126 Kommentare
Pure Power 10 CM und BQ im Test: Mittelklasse-Referenz von be quiet! und EVGA

Mit dem be quiet! Pure Power 10 CM soll die einzige Schwäche des Vorgängers, instabile Ausgangsspannungen, ausgemerzt worden sein. EVGA stellt mit dem 500 BQ eine günstigere Alternative mit ebenso aktueller Technik dagegen. Im Test überzeugen beide Netzteile, aber eines ist deutlich leiser.

be quiet! gegen EVGA

Nur zehn Monate nach der Markteinführung der Pure-Power-9-Serie schickt be quiet! den Nachfolger ins Rennen. Die neuen Netzteile sollen dank zusätzlicher DC-DC-Wandler (gilt für L10 ab 400W) wieder wettbewerbsfähig sein. Die Einstiegsserie war bereits zuvor aufgrund des höheren Wirkungsgrads nach 80Plus Silber und der leisen Kühlung viel mehr als nur ein Einstiegsnetzteil – spätestens mit dem Technik-Upgrade ist das getestete Pure Power 10 500W CM nun der Mittelklasse zuzuordnen. Aber es gibt technisch ebenbürtige Konkurrenz.

EVGA hat mit dem 500 BQ ein von der Ausstattung ganz ähnliches Netzteil vorgestellt. Es besitzt wie das getestete be quiet! Pure Power L10 500W CM ein teilmodulares Kabelmanagement und möchte ebenfalls mit stabilen Ausgangsspannungen dank DC-DC-Wandlung punkten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten setzt sich im Test am Ende eine der Konkurrenten durch.

Wegweisende Netzteile von be quiet! und EVGA
Wegweisende Netzteile von be quiet! und EVGA

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste. Mit dem heutigen Test kommen außerdem Messungen bei maximaler Umgebungstemperatur hinzu, für die ein stabiler Betriebszustand verifiziert wird.

Technische Eckdaten im Vergleich

Mit der 80Plus-Bronze-Zertifizierung soll das EVGA BQ 500 auf einem für die Netzteil-Einstiegsklasse üblichen Wirkungsgrad liegen. Mehr Effizienz verspricht be quiet! mit dem Pure Power 10 500W, das auf 80Plus Silber eingestuft wurde. Die Gehäusetiefe von 160 mm würde zwar den Einsatz eines größeren Lüfters erlauben, dennoch muss das Pure Power genauso wie das BQ 500 auf ein 120-mm-Ventilator zurückgreifen.

Hersteller be quiet! EVGA
Modell Pure Power 10 (kurz: L10) 500W CM 500 BQ
Effizienz 80Plus Silber 80Plus Bronze
Lüfter 120 mm
Einbautiefe 160 mm 140 mm
AC Input Voltage 100-240 V
DC Output +3,3 V 24 A 20 A
+5,0 V 15 A 20 A
+12 V1 28 A 41,6 A
+12 V2 20 A
-12,0 V 0,3 A
+5 Vsb 3 A 2,5 A
+3,3 V & +5 V Comb. 120 W 110 W
+12 V Comb. 480 W 499,2 W
Gesamtleistung 500 W

Die Lastverteilung des be-quiet!-Netzteils bleibt gegenüber dem Vorgänger trotz der technischen Verbesserung mittels zusätzlicher DC-DC-Wandler identisch. Das BQ 500 regelt die 3,3- und die 5-Volt-Schiene ebenfalls unabhängig, spezifiziert beide allerdings mit derselben Stromstärke. Schon das Pure Power 9 500W hat fast die vollständige Leistung auf der 12-Volt-Schiene abgeben können, von der neuen Iteration können allerdings stabilere Ausgangsspannungen bei extremen Lastzuständen (Crossloads) erwartet werden.

be quiet! hat die neue Serie darüber hinaus um eine Übertemperatursicherung (OTP) erweitert, die standardmäßig nicht Teil des Funktionsumfangs eines Überwachungs-ICs ist.

Übersicht Schutzschaltungen
be quiet! EVGA
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja
Überlastschutz (OPP) ja*
Überstromschutz (OCP) ja
Überhitzungsschutz (OTP) ja nein
* Fehlerhafte Umsetzung

Drei Jahre Garantie

Sowohl be quiet! als auch EVGA besitzen Rücknahmestellen in Deutschland, was die Bearbeitungszeit deutlich reduziert, wenn ein Austausch über den Hersteller anstatt über den Händler veranlasst wird.

Drei Jahre Herstellergarantie

Auch bei der Garantiedauer sind sich die Hersteller bei den beiden Netzteilen im Test mit drei Jahren einig. Erst bei teureren Serien gibt es eine fünfjährige beziehungsweise bei EVGA eine bis zu zehnjährige Garantie. Zusätzliche Serviceleistungen wie der Vor-Ort-Austauschservice von be quiet! werden bei den heutigen Netzteilen der Einstiegsserie vermisst.

Lieferumfang und Äußeres

Beim Lieferumfang hat sich be quiet! auf das Essentielle beschränkt, er besteht aus den üblichen Beigaben Netzkabel, Schrauben und Kabelbindern sowie einem Benutzerhandbuch. Auf der Verpackung sind bereits die Lastverteilung und der Kabelbaum aufgedruckt, weitere technische Daten müssen jedoch dem Handbuch entnommen werden. In diesem werden unter anderem Fragen zur Installation und der Garantie geklärt.

Die Verarbeitung des Gehäuses des L10 überzeugt: Es ist stabil, hat bündige Übergänge und besitzt einen sicheren Kabeldurchlass. Zum Schutz des Lüfters und Abschirmung des Netzteils ist be quiet! wie gewohnt von einem Gitter mit möglichst geringem Strömungswiderstand überzeugt, das sich in der Lautstärke positiv ausdrücken soll.

EVGA mit kürzerem Gehäuse, aber gleicher Ausstattung

Der Packungsinhalt des BQ 500 ist prinzipiell identisch, nur statt Kunststoffkabelbindern werden solche mit Klettverschluss beigelegt. Der Packungsaufdruck hält stichhaltige Informationen bereit, auch wenn diese nicht so ausführlich wie beim Pure Power 10 sind. Manche Stichpunkte wie die „hochwertig gesleevten Kabel“ oder „hochwertigen, japanischen Kondensatoren“ wurden sehr wohlwollend formuliert, weil nicht alle Kabelstränge gesleevt sind und es nur einen einzelnen japanischen Kondensator gibt. Das Benutzerhandbuch ist kurz gehalten und beinhaltet unter anderem eine Anleitung zur Installation des Netzteils.

Die Verarbeitungsqualität des Gehäuses ist ebenfalls gut und wirkt dank seiner Raufaserbeschichtung hochwertig. Beim Lüftergitter hat sich auch EVGA für eine strömungsoptimierte Variante entschieden. Das Anschlusspanel besteht lediglich aus vier Buchsen, von denen drei als Peripherieanschlüsse dienen. In der Tiefe belegt das 500 BQ nur 140 mm und ist damit 2 cm kürzer.

Kabelausstattung

Die Steckerausstattung ist prinzipiell identisch, doch die Unterschiede liegen im Detail. So wurden die PCIe-Anschlüsse des be quiet! L10 500W CM auf zwei Kabelstränge verteilt, was die Stromtragfähigkeit erhöht und die Verluste etwas vermindert, sofern beide Stecker in Verwendung sind. EVGA wiederum trennt die Stecker streng nach SATA und 4-Pin-Molex, wohingegen be quiet! beides teilweise mischt. Aufgeteilt werden diese Peripherieanschlüsse jeweils auf drei Kabelstränge.

Kabelausstattung (Länge in cm) be quiet! EVGA
nicht abnehmbar
20-+-4-Pin ATX 1 (55) 1 (61)
4+4-Pin EPS 1 (61) 1 (62)
abnehmbar
6+2-Pin PCIe 2 (50) 2 (59 ‑ 69)
SATA 6 (50 ‑ 81) 6 (45 ‑ 71)
Molex 3 (65 ‑ 80) 3 (45 ‑ 71)
Floppy 1 (96) 1 (84)

Die Kabellängen orientieren sich an der Mittelklasse, weshalb auch auf eine etwas längere CPU-Leitungen geachtet wurde, sodass in vielen Gehäusen die rückseitige Verlegung hinter dem Mainboard-Tray ermöglicht wird. Die Peripheriekabel des Pure Power 10 CM sind etwas länger, was in größeren Gehäusen mit weiter auseinander liegenden Laufwerksschächten vorteilhaft sein kann.

Am Ende zählt das äußere Erscheinungsbild

Sowohl be quiet! als auch EVGA sehen die Lösung mit festverbundenen Sleeve- und modularen Flachbandkabeln als ideal an. Zumindest für den 24-Pin-ATX-Kabelstrang mit den vielen Einzeladern macht eine Bündelung mittels einer Ummantelung jedenfalls Sinn – alles weitere ist eine Geschmacksfrage. Dem L10 500W CM würde ein engmaschigeres, dünneres Sleeve nicht schaden, das EVGA-Netzteil macht in diesem Punkt einen besseren Eindruck. Alle Adern sind komplett schwarz gefärbt, weshalb eine neutrale Optik gewahrt bleibt, sodass die Kabel auch in Gehäusen mit Seitenfenster keine schlechte Figur machen.

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