Netzteile von Enermax im Test: Platimax D.F. und Revolution SFX sind die neue Oberklasse

Nico Schleippmann 52 Kommentare
Netzteile von Enermax im Test: Platimax D.F. und Revolution SFX sind die neue Oberklasse

Mit dem Platimax D.F. 500W und dem Revolution SFX 550W legt Enermax die Netzteil-Oberklasse für die Formfaktoren ATX und SFX neu auf. Geworben wird mit 80Plus Platinum respektive 80Plus Gold, einer leisen Kühlung und patentierten Funktionen. Im Test überzeugt aber nur das größere der beiden Modelle.

Enermax-Oberklasse für ATX und SFX im Test

Zu einem Zeitpunkt, an dem sich Oberklasse-Netzteile scheinbar in immer weniger Punkten von hochwertigen, günstigeren Modellen unterscheiden, wertet Enermax die Platimax-Serie gleich an mehreren Stellen auf. Das Suffix D.F. deutet bereits im Namen auf ein Alleinstellungsmerkmal, die sogenannte Dust-Free-Rotation-Technologie, hin: Staubablagerungen sollen demnach im Netzteil keine Chance mehr haben. Eine weitere Neuigkeit sind die „Sleemax“-Kabel. Anders als die bisher glänzenden PVC-Isolierungen macht das neue Material einen edlen Eindruck.

Mit dem Revolution SFX 550W als zweites Netzteil im Test möchte Enermax unter anderem für das haueigene m-ATX-Gehäuse Steelwing selbst ein Netzteil anbieten. Nachdem allerdings Corsair mit dem SF450 im letzten Jahr einen Meilenstein für SFX vorgestellt hat, liegt die Messlatte für das Revolution SFX 550W sehr hoch. Dass es nicht ausreicht nur dieselben Features wie das vollmodulare Kabelmanagement und die Semi-Passiv-Lüftersteuerung anzubieten, machen die folgenden Seiten deutlich.

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und den Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste.

Technische Eckdaten im Vergleich

Enermax hat die Netzteile auf einen typischen Wirkungsgrad der Oberklasse nach 80Plus Platinum für das Platimax D.F. 500W und 80Plus Gold für das Revolution SFX 550W ausgelegt. Damit stehen die heutigen Vertreter in direkter Konkurrenz mit den getesteten ATX-Luxus-Netzteilen und dem Corsair-SF450-SFX-Netzteil.

Cybenetics ETA-B zusätzlich zu 80Plus Platinum

Cybenetics ETA-B-Wirkungsgrad-Zertifikat
Cybenetics ETA-B-Wirkungsgrad-Zertifikat (Bild: Cybenetics)

Da die Testmethodik der 80Plus-Organisation – eine unabhängige Prüfstelle zur Bewertung des Wirkungsgrads eines Netzteils – nicht ganz unumstritten ist, hat Enermax neben dieser das Platimax D.F. 500W als erstes ihrer Produkte auch an Cybenetics geschickt. Dort wurde mit einer durchschnittlichen Effizienz von 90,554 Prozent eine Einordnung in ETA-B getroffen. Im gleichen Zug hat das Platimax D.F. 500W auch eine Lautstärke-Bewertung erhalten, die mit Lambda-A+ die zweithöchste Auszeichnung von Cybenetics erhalten hat.

Hersteller Enermax
Modell Platimax D.F. 500W Revolution SFX 550W
Effizienz 80Plus Platinum, Cybenetics ETA-B (90,554 %) 80Plus Gold
Lautstärke Cybenetics Lambda-A+ (22,05 dB(A))
Lüfter 139 mm 80 mm
Einbautiefe 160 mm 100 mm
AC Input Voltage 100-240 V
DC Output +3,3 V 16 A 18 A
+5,0 V 15 A
+12 V 41 A 45,8 A
-12,0 V 0,3 A
+5 Vsb 2,5 A 3 A
+3,3 V & +5 V Comb. 103 W 90 W
+12 V Comb. 492 W 549,6 W
Gesamtleistung 500 W 550 W

Für das Platimax D.F. 500W setzt Enermax auf einen großen 139-mm-Lüfter. Im SFX-Netzteil hat es hingegen nur zu einem Lüfter mit 80-mm-Kantenlänge gereicht, der zudem nur halb so tief verglichen mit den in ATX-Netzteilen üblichen Bauformen ist.

Die Lastverteilungen berücksichtigen die Anforderungen moderner Hardware, sodass die komplette Ausgangsleistung auf der 12-Volt-Schiene abgegeben werden kann.

Übersicht Schutzschaltungen
Platimax D.F. 500W Revolution SFX 550W
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja
Überlastschutz (OPP) ja
Überstromschutz (OCP) ja
Überhitzungsschutz (OTP) nein ja

Korrekte Dokumentation der Schutzschaltungen

Im Platimax D.F. 500W wurde auf eine Implementierung der Überhitzungssicherung verzichtet, die zwar von der Wichtigkeit die geringste Bedeutung einnimmt, allerdings auch der einzige effektive Schutz gegen einen Lüfterausfall oder eine Blockade des Lüfters darstellt. Der Überstromschutz beider Netzteile existiert nur auf den Minor-Rails (3,3 und 5 V), wie in der Dokumentation korrekt beschrieben wurde. Die +12-Volt-Schiene wird gegen Überströme indirekt über den Überlastschutz trotzdem abgesichert, was bei einigen Marken ohne gesonderten Hinweis die gängige Praxis darstellt.

Fünf Jahre Garantie

Mit einer in Hamburg ansässigen Abteilung verspricht Enermax eine besonders schnelle Garantieabwicklung. Dies hat den Vorteil, dass Versandwege und die Bearbeitungsdauer im Vergleich zur Rückgabe über den Händler deutlich verkürzt werden. Die Garantiedauer beläuft sich auf fünf Jahre, die als sinnvoller Mittelweg zwischen einem günstigeren Verkaufspreis und der Abdeckung eines möglichst großen wirtschaftlichen Schadens aufgrund eines Ausfalls erachtet werden kann – die Kosten für den Hersteller steigen mit anwachsender Garantiedauer, der wirtschaftliche Schaden für den Kunden sinkt wiederum mit der Nutzungsdauer.

Lieferumfang und Äußeres

Die Umverpackungen der Netzteile halten viele Informationen wie über die Garantielänge, Wirkungsgrad-Zertifizierung, die Vollmodularität und die Verwendung japanischer Elektrolytkondensatoren bereit. Die Aufführung der Steckerzahlen und Lastverteilungen ist zudem positiv zu erwähnen.

Ungewöhnliche Ausstattung gepaart mit hoher Verarbeitungsqualität

Beim Platimax D.F. 500W wird außerdem auf den Lüfter mit Twister-Lager hingewiesen, dessen MTBF mit 160.000 Stunden besonders hoch ausfällt. Die Dust-Free-Rotation-Technology soll des Weiteren verhindern, dass sich Staub im Netzteil ablagert. Dazu dreht der Lüfter innerhalb der ersten 10 Sekunden nach dem Start in umgekehrter Richtung. Äußerst stolz ist Enermax auf die „Sleemax“-Kabel, für die eine Art Gummi-Isolierung auf sämtlichen Adern der Ausgangsleitungen gewählt wurde, die sich gegenüber dem Standard-PVC-Material deutlich hochwertiger anfühlen. Um Ordnung in den Wust von Einzeladern zu schaffen, wurden Kabelkämme beigelegt, mit denen sich die Adern eines Stranges sauber bündeln lassen. Im Lieferumfang finden sich auch ein Benutzerhandbuch, Kaltgerätekabel, Schrauben und Kabelbinder in Kunststoff- und Klettausführung.

Das Gehäuse des Platimax D.F. 500W fühlt sich hochwertig an und das Design wirkt dank der weißen aufgesprühten Schrift modern. Mit dem Herstellerlogo auf dem Lüftergitter und an der Kaltgerätebuchse gibt es außerdem zwei glänzende Embleme.

Großer Lieferumfang mit Einschränkungen verbunden

Mit einer gesonderten Erwähnung des Standard-SFX-Formfaktors mit 100 mm Tiefe für das Revolution SFX 550W möchte sich Enermax von der Konkurrenz abheben, die vielfach auf dem größeren SFX-L aufbauen. Einen besonders leisen Betrieb soll über den Semi-Passiv-Modus sichergestellt werden, der bis zu einer Auslastung von 30 Prozent den Lüfter still stehen lässt.

Bezüglich des Lieferumfangs zeigt sich der Hersteller erneut großzügig und legt neben dem Kaltgerätekabel, Schrauben und einem Handbuch auch Klettkabelbinder und eine Metallblende bei, die eine Montage in ATX-Netzteilschächten erlaubt. Diese kann aber nur in kompakten Gehäusen sinnvoll eingesetzt werden, weil die Kabellängen nicht für größere Midi-Tower ausgelegt sind.

Das Netzteilgehäuse ist wie beim Platimax D.F. 500W sehr gut gelungen. Den guten Eindruck trüben nur der fehlende Netzschalter und das ausgestanzte Lüftergitter etwas. Darüber hinaus stehen die Buchsen des Anschlusspanels relativ weit heraus, sodass zu dem 100-mm-tiefen Gehäuse auch die herausstehenden Buchsen und die daran angeschlossenen Stecker mit eingerechnet werden sollten.

Kabelausstattung

Die Steckerausstattung des Platimax D.F. 500W verdient Lob – gleich vier PCIe-Stecker können verwendet werden, die einen Betrieb eines Multi-GPU-Gespanns erlauben. Ein 4-Pin-Molex-auf-Floppy-Adapter liegt bei, dessen Adern zudem genauso wie bei den restlichen Kabelsträngen mit Sleemax-Gummi umhüllt ist. Das Revolution SFX 550W sticht in dieser Disziplin weder positiv, noch negativ hervor – für Mini-ITX-Systeme reichen die Anschlüsse allemal aus.

Kabelmanagement als mögliche Fehlerquelle

Das vollmodulare Kabelmanagement hat Enermax im Revolution SFX 550W wiederum besser umgesetzt. Auf der Netzteilseite wird nämlich anders als beim Platimax D.F. 500W kein Unterschied zwischen dem PCIe- und EPS-Kabelstrang gemacht. Dieser Sachverhalt wird für das ATX-Netzteil aber erst durch die Vertauschbarkeit dieser beiden Steckervarianten verhängnisvoll, obwohl keine Pinkompatibilität gegeben ist. Glücklicherweise verhindert die Kurzschlusssicherung des Netzteils Schäden an der Hardware, wenn die Verkabelung nicht sorgsam durchgeführt wurde. Aber selbst dem EPS- und PCIe-Stecker auf der Hardware-Seite hat Enermax zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil unvorsichtige Nutzer diese ebenso vertauschen können.

Kabelausstattung (Länge in cm) Platimax D.F. 500W Revolution SFX 550W
abnehmbar
24-Pin ATX 1 (54) 1 (29)
4+4-Pin EPS 1 (69) 1 (40)
6+2-Pin PCIe 4 (54 ‑ 69) 2 (39)
SATA 8 (45 ‑ 90) 6 (20 ‑ 51)
Molex 6 (45 ‑ 74) 4 (19 ‑ 63)
4-Pin-Molex-auf-Floppy-Adapter 1 (10)

Für das Revolution SFX 550W wurde auf typische Kabellängen zum Verlegen in Mini-ITX-Systemen geachtet. Das Platimax D.F. 500W soll dagegen auch in sehr großen Systemen verbaut werden können. So genügen auch die 69 cm des EPS-Kabelstrangs für die Verlegung hinter dem Mainboard-Tray.

Sleemax gegen Flachbandkabel

Die Isolierung mit Sleemax anstatt Standard-PVC wirkt sich empfindlich auf den Marktpreis aus, weshalb Enermax diese Variante ihrem Premium-ATX-Netzteil vorbehalten hat. Das neue Material ist eine ansprechende Alternative zu Flachband- oder gewöhnlich gesleevten Kabeln, was sich in Optik und Haptik widerspiegelt. Im Falle des Revolution SFX 550W wurde komplett auf Flachbandkabel gesetzt, was aufgrund der kurzen Kabellängen für sinnvoll erachtet werden kann.

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