Amazon Web Services: Server mit ARM-CPU starten und erhöhen Druck auf Intel

Volker Rißka 33 Kommentare
Amazon Web Services: Server mit ARM-CPU starten und erhöhen Druck auf Intel
Bild: AWS

Die von Amazon angebotenen Cloud-Server sind ab sofort nicht mehr nur mit AMD- und Intel-CPUs verfügbar, sondern auch mit ARM-CPUs. Der „ARM AWS Graviton Processor“ ist die erste solche CPU von Amazon, die das bestehende Angebot um Intel Xeon und die kürzlich vorgestellten Instanzen mit AMD Epyc ergänzen wird.

Der ARM-Prozessor Graviton stammt aus eigenem Hause, besser gesagt von dem Unternehmen Annapurna, das Amazon im Jahr 2015 übernommen hat. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen erstreckte sich zuvor und auch nach der Übernahme zuerst vornehmlich auf ASICs, in die Verwaltungs-Funktionen der Cloud-Server ausgelagert wurden, um mehr Leistung der Server direkt für die Cloud-Nutzer zur Verfügung zu haben. Laut AWS war die letzte Generation dieses „Nitro System“ so effektiv, dass 100 Prozent der Hardware für Kunden zur Verfügung steht.

Die Gedanken an eine eigene ARM-CPU sind bereits Jahre alt und tragen nun erste Früchte. Bei Graviton handelt es sich um eine vollständige Custom-Build-Lösung auf Basis der ARM64-Architektur mit bereits etwas älteren Cortex-A72-Kernen. AWS hält sich mit technischen Details zur CPU zurück, erste Analysen zeigen in der größten a1.4xlarge-Lösung vier Quad-Core-Cluster mit Taktraten von rund 2,3 GHz, pro Cluster werden 2 MByte L2-Cache geteilt, während jeder Kern 32 KByte L1-Datencache und 48 KByte L1-Instruction-Cache besitzt. Einen L3-Cache gibt es entgegen vieler anderer ARM-Lösungen für Server nicht.

Laut AWS sind die neuen Instanzen auf ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis optimiert, der Anbieter spricht von 45 Prozent Kostenersparnis gegenüber vergleichbaren x86-Instanzen. Es ist in erster Linie für kleine oder horizontal skalierbare Dienste gedacht. Für mehr Leistung sind die weiteren EC2-Instanzen bei Amazon im Angebot, die dann auf AMD Epyc und Intel Xeon setzen. Allererste Benchmarks bestätigen den neuen A1-Instanzen zumindest im einfachen Floating-Point-Benchmark „C-Ray“ vergleichbare Leistung bei 40 Prozent geringeren Kosten.

Die A1-Instanzen sind zunächst an den AWS-Standorten USA und Europa verfügbar und können sofort genutzt werden.

Druck auf Intel wird erhöht

Dass AWS als weltweit größter Cloud-Betreiber auf eine eigene CPU setzt, wird auch im Hause Intel vernommen werden. Der Marktführer bei Prozessoren für die Cloud bekommt nun einen sehr großen neuen Mitspieler. Von der Million ARM-Chips für Server, die in diesem Jahr ausgeliefert werden soll, dürfte bereits ein großer Teil an AWS gehen. Zuletzt hatte auch Microsoft Azure erklärt, auf ein Ziel von 50 Prozent ARM-Server hinzuarbeiten. Mit Graviton, ThunderX2, Ampere, und Centriq auf der ARM-Seite sowie AMD Epyc mit x86-Basis bekommt der Chipriese es mit vielen neuen Fronten zu tun. Und Amazon betont: Es werden weitere Produkte folgen.