Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon 9100 IGP im Bandbreitenlimit

Robert McHardy 43 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon 9100 IGP im Bandbreitenlimit

tl;dr: Im Jahr 2003 erlaubte Intel noch Drittherstellern Chipsätze für die eigene Plattform anzubieten. Mit dem Radeon 9100 IGP (Test) bot auch ATi einen Chipsatz für den Pentium 4 an, der zugleich über eine integrierte Grafikeinheit verfügte. Im Test zeigte sich, dass der Chipsatz mit der Speicherbandbreite zu kämpfen hatte.

Speicherbandbreite- und Treiber-Probleme

Der ATi Radeon 9100 IGP bestand aus der RS300-Northbridge und einer der drei möglichen Southbridges IXP150, IXP200 und IXP250. Die Northbridge glänzte dabei mit Unterstützung sämtlicher FSB- und Speichermodi – sogar im Dual-Channel-Betrieb. Die beiden Intel-Technologien PAT (Performance Acceleration Technology), die den Speicherzugriff optimierte, und CSA (Communication Streaming Architecture), die die direkte Kommunikation zwischen Northbridge und Netzwerkcontroller erlaubte, unterstützte die RS300 nicht.

Die damals im Testmainboard genutzte Southbridge IXP150 entsprach der kleinstmöglichen Ausstattungsvariante, die über keinen integrierten Ethernet-Controller verfügte. Im Gegensatz zu der Northbridge waren die Southbridges aber ohnehin im Vergleich zur Konkurrenz deutlich abgespeckt. ATi verzichtete beispielsweise komplett auf die Unterstützung von SATA und bot weniger USB-Anschlüsse als die meisten Intel-Chipsätze.

Aktuelle Dual-Channel Chipsätze im Vergleich
Features Radeon 9100 IGP i875P i865PE i865G i865P E7205
Northbridge-Features
Northbridge RS300 KC82875P KC82865PE KC82865G KC82865P E7205
Package keine Angaben 1005 FCBGA 932 FCBGA 1077 FCBGA
Frontside-Bus
400 MHz Ja Nein Ja
533 MHz Ja
800 MHz Ja Nein
Hyper-Threading Ja
Perf.-Accel.-Tech. (PAT) Nein Ja Nein
Com.-Strea.-Archi. (CSA) Nein Ja Nein
Integrierte Grafik Ja Nein Ja (266 MHz) Nein
Speichertakt/typ
100 MHz/DDR200 Ja Nein Ja Nein Ja
133 MHz/DDR266 Ja
166 MHz/DDR333 Ja Ja* Ja Nein
200 MHz/DDR400 Ja Nein
* Speicher wird bei FSB800 mit 320 MHz betrieben.
Asynchroner Speichertakt Ja Nein
Speicherbestückung
Speicherkanäle 2
DIMMs pro Kanal 2
DIMMs insgesamt 4
AGP-Support
Ja
Ja
Southbridge Features
Southbridge IXP150/200/250 82801EB/ER 82801DB
Southbridge ICH5/ICH5R ICH4
Package keine Angaben 460 MBGA 421 uBGA
Festplattencontroller
PATA 100 Ja/2 Ch.
PATA 133 Nein
SATA 150 Nein Ja/2 Ports. Nein
PCI-Slots (max) 6
USB-Unterstützung
USB-Ports 6 8 6
USB 2.0 Ja
FireWire Nein
Audio 20bit AC'97 Audio
Sonstiges
I/O-Link A-Link Hub Interface (266MB/s)

Die integrierte Grafik des Chipsatzes entsprach technisch etwa einer Radeon 9200. Gegenüber dieser war sie mit zwei zu vier Pixel-Pipelines und ohne Vertex-Shader-Einheit aber etwas abgespeckt. Mit DirectX 8.1 und Pixel-Shader-1.4-Unterstützung war sie Intels veralteter Extreme Graphics 2 dennoch überlegen. Kritik musste ATi für die Kopplung des Chipsatz- und Grafiktreibers einstecken. Wer zum Zeitpunkt der Installation des Chipsatztreibers eine dedizierte Grafikkarte verbaut hatte, die nicht von ATi stammte, dem wurde die Installation mit einer Fehlermeldung quittiert. Abhilfe schaffte nur das Ausbauen der Grafikkarte, die Installation des Chipsatztreibers, der erneute Einbau der Grafikkarte und die Installation des passenden Treibers.

In den Benchmarks zeigte sich vor allem eine Schwäche des Chipsatzes: die Speicherbandbreite. Selbst mit deaktivierter Grafikeinheit musste sich der RS300 der Konkurrenz von Intel geschlagen geben. Mit aktivierter IGP lag die Bandbreite in SiSoft Sandra bis zu 13 Prozent zurück. Dabei nutzte die Redaktion bereits ein Performance-BIOS, das an diesem Problem arbeiten sollte – mit dem Standard-BIOS fielen die Werte noch niedriger aus. In Cachemem zeigte sich dieses Problem in rund 20 Prozent niedrigeren Ergebnissen. In der Praxis zeigte sich das vor allem in Programmen wie WinRAR oder 7-Zip, die massiv auf Speicherbandbreite angewiesen sind.

In den Spielebenchmarks konnte sich die integrierte Grafikeinheit von ATi jedoch deutlich gegenüber der Konkurrenz von Intel durchsetzen. Spielbare Bildwiederholraten erreichten beide Lösungen in den meisten Fällen nicht.

In Summe hinterließ der ATi Radeon 9100 IGP einen geteilten Eindruck. Für Anwender, die ein kompaktes System für das Wohnzimmer bauen wollten, war er durchaus geeignet. Für Gaming-Rechner – unabhängig davon, ob mit oder ohne dedizierte Grafikkarte – war er denkbar ungeeignet. Die gute Northbridge wurde von der etwas mager ausgestatteten Southbridge überschattet. Dafür unterstützte der Chipsatz Hyper-Threading, FSB800 und Dual-Channel-Speicher.

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In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf: