Aorus Liquid Cooler 280 im Test: Gigabytes AiO-Kühlung mit Blickfang-Display

Thomas Böhm 80 Kommentare
Aorus Liquid Cooler 280 im Test: Gigabytes AiO-Kühlung mit Blickfang-Display

tl;dr: Gigabyte bietet mit dem Aorus Liquid Cooler 280 neben bekanntem Asetek-Standard zudem ein LC-Display. Die Leistungen der Kompaktwasserkühlung zeigen sich im Test solide, jedoch ist sie durch ihren hohen Kaufpreis nur für Fans des kleinen Bildschirms interessant.

Gigabyte ist längst nicht mehr nur Hersteller von Mainboards und Grafikkarten. Die taiwanesische Firma hat ihr Portfolio in den letzten Jahren beständig ausgebaut und bietet (teilweise unter dem Gaming-Label „Aorus“) mittlerweile neben Peripherie wie Tastaturen auch Netzteile (Test), SSDs und Arbeitsspeicher an. Der Schritt zur (Wasser-)Kühlung ist da nicht mehr weit und wird nun von Gigabyte unter anderem mit der AiO-Serie „Aorus Liquid Cooler“ gegangen.

Aorus Liquid Cooler 280
Aorus Liquid Cooler 280

Dass bei einem so breiten Portfolio nicht alles im eigenen Hause konzipiert und entwickelt wird, liegt auf der Hand. So bedient sich Gigabyte beim bekannten OEM Asetek für seine AiO-Reihe: Die Ähnlichkeit zu Artverwandten wie der NZXT Kraken (Test) ist nicht zu übersehen. Sogar die runde, im ausgeschalteten Zustand spiegelnde Kunstglasoberfläche der Kühler-/Pumpeneinheit sieht fast gleich aus.

Hier bietet Gigabyte aber mehr: Während NZXT seine Kraken nur bunt leuchten lässt, gibt es beim Aorus Liquid Cooler ein Display. Doch selbst das ist nichts gänzlich Neues mehr. Asus verkauft schon seit dem letzten Jahr die Kompaktwasserkühlungen Ryujin und Ryuo, die ebenfalls Displays bieten.

Alleinstellungsmerkmale sind heutzutage also schwer zu finden. Nachdem RGB-Beleuchtung schon zum Quasi-Standard geworden ist und auch der Einbau von Displays in PC-Hardware keine Innovation mehr darstellt, muss der Aorus Liquid Cooler auf jeden Fall in seiner Kernkompetenz punkten, um den hohen Kaufpreis von 190 Euro zu rechtfertigen. Der Test zeigt, ob dem AiO-Erstling von Gigabyte neben bunten Lichtspielen auch der Spagat zwischen leistungsstark und leise gelingt.

Gigabyte Aorus Liquid Cooler (240) Gigabyte Aorus Liquid Cooler (280) Gigabyte Aorus Liquid Cooler (360)
Radiator (L × B × H): 272 × 121 × 27 mm 315 × 143 × 30 mm 394 × 120 × 27 mm
Anschlüsse: geschlossenes System
Schlauchlänge: ?
Ausgleichsbehälter:
Drehzahl Pumpe: ?
Lebensdauer Pumpe (MTBF): ?
Anschluss Pumpe: USB
Position Pumpe: in Kühler integriert
Verbrauch Pumpe: ?
Lüfter: 2 × 120 × 120 × 25 mm
Doppelkugellager
? – 2.500 U/min
? – 100,7 m³/h
? – 3,5 mm H²O
18,0 – 39,5 dBA
4-Pin-PWM
2 × 140 × 140 × 25 mm
Doppelkugellager
? – 2.300 U/min
? – 170,2 m³/h
? – 3,5 mm H²O
22,3 – 44,5 dBA
4-Pin-PWM
3 × 120 × 120 × 25 mm
Doppelkugellager
? – 2.500 U/min
? – 100,7 m³/h
? – 3,5 mm H²O
18,0 – 39,5 dBA
4-Pin-PWM
Lüftersteuerung: Software-Konfiguration
Kompatibilität: AMD: Sockel AM4/TR4
Intel: LGA 2011(-3)/2066/1366/115x
Preis: ab 165 € ab 188 € ab 209 €

Aorus Liquid Cooler im Detail

Der Aorus Liquid Cooler ist eine klassische AiO: Die Pumpe sitzt auf dem CPU-Kühler mit der von Asetek bekannten runden CPU-Auflagefläche. Wärmeleitpaste ist dort bereits aufgetragen. Über 35 cm lange Schläuche nimmt der Kreislauf Verbindung mit dem Aluminium-Radiator auf. Wie bei den meisten Vertretern seiner Zunft besteht also auch bei der AiO von Gigabyte die Gefahr von Korrosion durch den Materialmix aus dem Leichtmetall und dem kupfernen CPU-Kühler. Eine spiegelnde Oberfläche auf der Pumpe verbirgt das runde LC-Display mit 6 cm Durchmesser.

Auf den ersten Blick fällt der Kabelsalat auf, der von der Kühler-Pumpen-Einheit abgeht. Eine Notwendigkeit, da Gigabyte diese zur Steuerzentrale auserkoren hat: Stromversorgung, USB-Verbindung zum Mainboard sowie zwei separate Kabel je Lüfter (4-Pin PWM und LED) müssen sich ihren Weg durchs PC-Gehäuse bahnen.

Verbogene Lamellen als optischer Makel

Bei der Betrachtung des 280-mm-Radiators fallen einige verbogene Lamellen auf. Das ist nicht tragisch und macht sich im Alltagseinsatz nicht negativ bemerkbar. Die weichen Lamellen sind sehr empfindlich, sodass das beim Verpacken der Kühlung schon vorkommen kann. Dennoch ist es erwähnenswert, denn bei dem gehobenen Preis, den Gigabyte für den Aorus Liquid Cooler aufruft, erweckt das keinen guten Eindruck.

Serienlüfter und Lieferumfang

Gigabyte stattet den Aorus Liquid Cooler mit zwei RGB-beleuchteten 140-mm-Lüftern aus. Die Ventilatoren arbeiten per PWM-Steuerung in einem Drehzahlintervall zwischen knapp 300 und gut 2.000 U/min. Bei niedrigen Drehzahlen sind sie zwar nicht unhörbar, ihr Betriebsgeräusch geht aber im Summen der Pumpe unter. Lässt man die Lüfter aufdrehen, so werden sie zu einer mittleren Lärmbelästigung: Stolze 47,4 dB(A) zeigt das Messgerät bei maximaler Drehzahl an. Das ist ein neuer Rekord und definitiv nicht mehr alltagstauglich.

Der Rahmen der Lüfter ist asymmetrisch geformt, sodass er an zwei der vier Befestigungspunkte nur 22 anstelle von 25 mm tief ist. Das macht sich beim Befestigen der Lüfter bemerkbar: Die 3 cm langen Schrauben drehen sich so weit in den Radiator, dass die darunterliegenden Lamellen beschädigt werden. Flüssigkeitskanäle verlaufen zwar nicht unter diesen Punkten, aber ausgefeilte Ingenieurskunst sieht anders aus.

Der Lieferumfang des Aorus Liquid Cooler deckt alle für die Montage notwendigen Bauteile ab, ohne darüber hinaus spendabel zu sein: So wird beispielsweise zusätzliche Wärmeleitpaste für eine erneute Installation vergebens gesucht. Es gilt zu beachten, dass die Kühlung ausschließlich per USB-Verbindung gesteuert werden kann. Die Aorus Engine zu installieren und zu nutzen, ist für die Kühlung also Pflicht.

Montage im Testsystem

Die Montage des Aorus Liquid Cooler geht so leicht von der Hand, wie das mit dem standardisierten Asetek-System möglich ist. Rund um den CPU-Kühler wird der passende Sockelhaltering per Drücken und Drehen werkzeuglos angebracht. Für das AM4-System kommt die dem Mainboard beiliegende Backplate zum Einsatz, die mit Abstandshaltern verschraubt wird, auf welchen wiederum die Kühler-/Pumpeneinheit aufgesetzt wird. Anschließend werden vier Muttern festgedreht, die den Kühler auf dem Prozessor fixieren.

Aorus Liquid Cooler 280 im Testsystem
Aorus Liquid Cooler 280 im Testsystem

Das System ist auch für Anfänger einfach umsetzbar. Das größte Problem bei der Installation des Aorus Liquid Cooler ist der Kabelsalat zwischen Pumpe, Lüftern, Netzteil und Mainboard: Ein USB-Kabel möchte ans Mainboard, ein Sata-Stromstecker mit dem Netzteil verbunden und je zwei Kabel pro Lüfter (Strom, Beleuchtung) angeschlossen werden. Die Ausgabe eines Tachosignals für einen CPU-Fan-Anschluss sieht Gigabyte nicht vor: Es könnte dazu genutzt werden, um den CPU-Fan-Error (die Warnung, die manche Mainboards ausgeben, wenn kein Lüfter angeschlossen ist) zu verhindern. So ist im Zweifel der Weg ins UEFI nötig.

Display und Software

Das Highlight des Aorus Liquid Cooler ist das oberhalb der Pumpe integrierte Display. Während es in ausgeschaltetem Zustand nur wie eine spiegelnde Oberfläche wirkt, zeigt es im laufenden Betrieb die aktuelle CPU-Temperatur an. Zusammen mit den Lüftern, die über RGB-LEDs verfügen, soll die Kühlung in PC-Gehäusen mit Sichtfenster zum optischen Highlight werden.

Aorus Liquid Cooler 280: Beleuchtung und Display
Aorus Liquid Cooler 280: Beleuchtung und Display

Das setzt zwei separate Programme voraus. Für die AiO-Kühlung an sich ist die Aorus Engine von Gigabyte notwendig: Sie erlaubt das Steuern von Pumpe und Lüfter. Für Beleuchtung und Display wäre als zweites Tool RGB Fusion nötig. Wäre, denn die beiden Tools von Gigabyte vertragen sich nicht mit dem Testsystem, das aus Gründen der Reproduzierbarkeit auf ein altes Windows-Build setzt (1703), ohne Updates zu bekommen. Für die Aorus Engine hat Gigabyte im Rahmen des Testzeitraums eine neue Version entwickelt, sodass immerhin eines der beiden Tools auf dem Testsystem erfolgreich startete.

Die Aorus Engine ist simpel gestaltet und lässt vorwiegend die Steuerung von Pumpe und Lüftern zu. Neben vorgegebenen Drehzahlkurven können manuell Kurven in Abhängigkeit von der CPU-Temperatur erstellt werden. Die Display-Ansicht kann in 90°-Schritten gedreht werden, was allerdings mehrere Minuten dauert. Ein eigener Text oder ein eigenes Bild konnte nicht dargestellt werden: Ersteres setzt RGB Fusion voraus und bei Letzterem meldete die Software als Fehler, dass nur 2-Bit-BMP-Dateien unterstützt werden, obwohl eine entsprechende Datei ausgewählt worden war.

Aufholbedarf bei der Steuerungs-Software

Die Kompatibilitätsprobleme von RGB Fusion und Aorus Engine mit der alten Windows-Version auf dem Testsystem sollte Käufer nicht betreffen, sodass dieser Punkt nicht in die Bewertung einfließt. Die Aorus Engine verfügt aber im Vergleich zu beispielsweise NZXT Cam der Kraken X52 (Test) und Corsair Link der H115i Pro (Test) nur über sehr wenige Stellschrauben. Beispielsweise wird als Temperaturfühler ausschließlich die 20 °C zu hohe Tctl anstelle von Tdie der CPU verwendet und andere Sensoren wie etwa die Wassertemperatur stehen nicht zur Verfügung. Zudem müssen zur vollen Kontrolle umständlich zwei separate Tools installiert werden.

Gleichzeitig besteht ein Software-Zwang, denn ohne die USB-Steuerung lässt sich die Pumpe nicht steuern und das Display zeigt ohne die Datenverbindung nichts Sinnvolles an. Das Konzept ist ausbaufähig, insbesondere angesichts des hohen Preises, den Gigabyte für den Aorus Liquid Cooler aufruft. Immerhin: Der Support des Herstellers kümmert sich schnell um gemeldete Probleme.

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