2/23 Intel Core i7-3960X im Test : Sechs Kerne. Hoher Takt. Unvernünftig.

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Überblick

Der „Sandy Bridge-E“-Die ist ein echtes Schlachtschiff, das auf den ersten Blick durch die schiere Größe beeindruckt. Mit satten 2,27 Milliarden Transistoren wird eine nahezu quadratische Fläche von 435 mm² (20,8 mm × 20,9 mm) belegt:

Die-Shot eines Sandy Bridge-E/EP/EN
Die-Shot eines Sandy Bridge-E/EP/EN

Damit ist er quasi doppelt so groß wie der normale „Sandy Bridge“-Die, bietet aber auch oft das Doppelte – in speziellen Dingen gar mehr. Denn statt vier gibt es acht reale Kerne, statt maximal 8 MByte sind es satte 20 MByte L3-Cache, das Speicherinterface kann mit vier statt zwei Kanälen arbeiten und 2,5 Mal so viele PCI-Express-Lanes bietet dieses neue Konstrukt ebenfalls noch. Verzichten muss er jedoch auch auf etwas: Die integrierte Grafikeinheit. „Sandy Bridge-E“ ist ein Prozessor durch und durch, für andere Dinge war kein Platz mehr.

Für den Desktop-Betrieb sieht Intel vorerst drei Modelle vor, die mit maximal sechs echten Kernen in den Handel kommen. Warum Intel dies so handhabt, wollte man der Presse gegenüber nicht offiziell kundtun, jedoch gab man zu verstehen, dass dieses Modell eben ein auf den Desktop zugeschnittener Kompromiss ist. Und dieser besteht für Intel darin, dass ein hoher Takt mit sechs Kernen für die nahe Zukunft völlig ausreicht und daher bevorzugt wird, anstatt die TDP über das Limit von 130 Watt hinaus auszureizen und mit acht Kernen und weniger Takt dem Käufer aktuell im Durchschnitt weniger abrufbare Leistung bieten zu können. Dies, weil viele Anwendungen auch noch Ende 2011 im Desktop-Betrieb nicht bereit dafür sind, viele Kerne und Threads optimal auszunutzen.

Die-Shot eines Sandy Bridge-E/EP/EN
Die-Shot eines Sandy Bridge-E/EP/EN

Die Basis für die Desktop-Modelle bleibt jedoch die gleiche wie bei allen „Sandy-Bridge-E/EP/EN“. Der Die wird jedoch je nach Modell um eine bestimmte Anzahl an Kernen und L3-Cache-Einheiten kastriert. Ob hier in Zukunft der von AMD-Plattformen bekannte „Core Unlocker“ einen Acht-Kern-Desktop-Prozessor hervorzaubern kann, ist jedoch nicht bekannt. Wirtschaftlich dürfte die Rechnung rein für den Desktop aber kaum aufgehen, da man einen 435 mm² großen Acht-Kern-Die nehmen muss, um sich vor dem „Gulftown“ alias Core i7-980X/990X zu platzieren, der als nativer Sechs-Kern-Prozessor bei gleicher Strukturgröße gerade einmal auf 248 mm² Die-Fläche kommt.

Sandy Bridge-E vs. Gulftown vs. Sandy Bridge
Sandy Bridge-E vs. Gulftown vs. Sandy Bridge

Bei den „Sandy Bridge-E“-CPUs mit lediglich vier Kernen, von denen der Core i7-3820 das erste veröffentlichte Modell sein wird, wird diese theoretische Option des Freischaltens jedoch sicher nicht möglich sein. Denn diesen Prozessoren spendiert Intel einen separaten Die, der mit vermutlich 250 mm² (Intel sagt hierzu lediglich „etwas mehr als die Hälfte vom Original“) deutlich wirtschaftlicher zu fertigen ist, als wenn man funktionsfähige Acht-Kern-Prozessoren auf die Hälfte ihrer Fähigkeiten zurück stutzen würde. Dieser separate Die war eine relativ kurzfristige Entscheidung, weshalb die Quad-Core-Varianten auch nicht direkt zum Start verfügbar sind, sondern erst zum Beginn des kommenden Jahres im Desktop nachgeliefert werden, respektive bei den Server-Prozessoren direkt zum Launch erscheinen sollen.

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