MasterWatt und RevoBron im Test: Cooler Master und Enermax im Duell mit be quiet! und Corsair

Nico Schleippmann 37 Kommentare
MasterWatt und RevoBron im Test: Cooler Master und Enermax im Duell mit be quiet! und Corsair

tl;dr: Die aktuellen Mittelklassenetzteile MasterWatt und RevoBron von Cooler Master und Enermax gehen im Test keine Kompromisse in der Ausstattung und bei der Lüfterqualität ein. Das macht sie aber teuer, weshalb sie nur schwer gegen die effizientere und leisere Konkurrenz von be quiet! und Corsair bestehen können.

Cooler Master und Enermax zwischen den Stühlen

Mittelklassenetzteile zu Preisen ab 60 Euro haben einen schweren Stand, weil sie sich gegen eine Vielzahl an Kontrahenten stellen müssen. Starke Gesamtpakete in dieser Klasse bilden zum einen bereits die be-quiet!-Pure-Power-10- und Corsair-Vengeance-Serie. Zudem gibt es in Form der BitFenix-Formula-Gold- und der Xilence-Performance-X-Serie Alternativen mit einem noch höheren Wirkungsgrad.

Mehr Ausstattung und höhere Qualität

Das Cooler Master MasterWatt 450W und das Enermax RevoBron 500W möchten einen anderen Markt bedienen. Sie wollen weniger über ihre Effizienz glänzen, sondern vielmehr über ihre besondere Ausstattung und hohe Qualität, die sonst erst Oberklassenetzteile besitzen. Ob das die richtige Entscheidung war um überzeugen zu können, klärt der Test.

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und den Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste.

Technische Eckdaten im Vergleich

Beiden Netzteilen gemein ist die Wirkungsgradzertifizierung nach 80Plus Bronze. Sie gleichen sich auch in den Abmessungen, da die Einbautiefe kurze 140 mm und die Lüfterkantenlänge 120 mm beträgt.

Hersteller Cooler Master Enermax
Modell MasterWatt 450W RevoBron 500W
80Plus 80Plus Bronze
Lüfter 120 mm
Einbautiefe 140 mm
AC Eingang Spannung 100 ‑ 240 V
DC Ausgang +3,3 V 20 A 22 A
+5,0 V 20 A 18 A
+12 V1 37,5 A 25 A
+12 V2 25 A
-12,0 V 0,3 A
+5 VSB 3 A 2,5 A
+3,3 V & +5 V ges. 100 W 110 W
+12 V ges. 450 W 498 W
Gesamtleistung 450 W 500 W

Die Absicherung der 12-Volt-Schiene gegen Überströme erfolgt beim RevoBron 500W über zwei getrennte Schienen, womit ein effektiverer Schutz sichergestellt werden soll. Im Gegenzug fehlt dem RevoBron 500W dafür der Überhitzungsschutz, der beispielsweise beim Ausfall des Lüfters relevant ist. Ansonsten sollen die Schutzschaltungen vollständig sein, was einzig für die Überlastsicherung in den Messungen nicht bestätigt werden konnte, weil der Abschaltpunkt zu hoch gesetzt wurde.

Dokumentierte Schutzschaltungen
MasterWatt 450W RevoBron 500W
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja
Überlastschutz (OPP) ja*
Überstromschutz (OCP) ja
Überhitzungsschutz (OTP) ja nein
* Fehlerhafte Umsetzung

Drei und fünf Jahre Garantie

Die Kontaktaufnahme zum Hersteller gestaltet sich über den jeweiligen Internetauftritt besonders einfach. Eine Rücksendung im Fall eines Defekts an die deutsche Niederlassung von Enermax erweist sich aus Kosten- und Laufzeitgründen für den Versand als praktisch. Hierbei ist die Servicezentrale von Cooler Master in den Niederlanden etwas im Nachteil. Eine zweite Option ist der Rückversand an den Händler, was die günstigere, aber auch langsamere Alternative darstellt.

Die freiwillige Garantieleistung gibt Enermax über einen standardmäßigen Zeitraum von drei Jahren. Cooler Master ist mit fünf Jahren etwas großzügiger.

Lieferumfang und Äußeres

Trotz des noch relativ geringen Preises sind die Netzteile mit einigen Features ausgestattet, die gewöhnlich nur in teureren Produkten enthalten sind. So hebt Cooler Master die Verwendung eines Silencio-FP-Lüfters hervor, der mit einer Lüftersteuerung gepaart ist, die ihn bis zu einer Auslastung von 15 Prozent stillstehen lässt. Auch Enermax hebt seinen Lüfter hervor, der dank des Twister-Lagers besonders lange durchhalten soll. Beide Hersteller wollen dieses Argument mit einer MTBF von 160.000 Stunden unterstreichen.

Genauso wie die übergeordneten Netzteile des Enermax-Portfolios besitzt auch das RevoBron 500W die Dust-Free-Rotation-Technologie. Beim Start des Netzteils soll sich abgesetzter Staub mittels des rückwärts drehenden Lüfters lösen und aus dem System herausbefördert werden. Des Weiteren hebt der Hersteller die ausschließliche Verwendung von japanischen 105-Grad-Celsius-Kondensatoren hervor.

Enermax glänzt mit Lieferumfang

Während der Lieferumfang mit einem Netzkabel, Schrauben und einem Handbuch beim MasterWatt 450W auf das Nötigste reduziert wurde, möchte Enermax an dieser Stelle überzeugen. Es gibt nämlich zusätzlich Klettkabelbinder und mit „Coolergenie“ eine Lüftersteuerung für Systemlüfter. Die Lüftersteuerung besitzt drei 4-Pin-Lüfteranschlüsse und einen „Cooler Fan Port“ und kann einen Strom von maximal 2 Ampere abgeben. Die Lüfter werden lastabhängig ausgehend vom PWM-Signal des Mainboards gesteuert. Über einen Schalter kann zwischen drei Auswahlmöglichkeiten für den Semipassiv-Modus der Systemlüfter gewählt werden, der entweder mit „Off“ deaktiviert, oder dessen Schwelle des Aktiv-/Passiv-Übergangs mit „Silence“ auf 55 Prozent oder mit „Whisper“ auf 40 Prozent gesetzt werden kann.

Die Gehäuse beider Netzteile sind äußerst stabil. In puncto Optik gewinnt das RevoBron 500W aufgrund der Raufaserbeschichtung und des Pulverlack-Schriftzugs auf den Seiten anstatt simpler Aufkleber. Beim Lüftergitter ging Enermax zudem der funktionale Aspekt des niedrigeren Luftwiderstands vor, das gegenüber einem Wabengitter im Vorteil ist, wie es das MasterWatt 450W besitzt.

Kabelausstattung

Die Unterschiede in der Steckerausstattung sind sehr gering, denn bis auf die zwei zusätzlichen 4-Pin-Molex-Stecker des RevoBron 500W gibt es keine. Stärker ins Gewicht fällt vielmehr, dass Cooler Master die Peripheriestecker nur auf zwei Kabelstränge verteilt und den Floppy-Stecker fest im Kabel integriert. Enermax auf der anderen Seite bietet drei dieser Kabelstränge und einen 4-Pin-Molex-auf-Floppy-Adapter, was die Flexibilität in der Kabelverlegung steigert. Bis auf das 24-Pin-ATX- und 4+4-Pin-EPS-Kabel sind alle Stränge vom Netzteil abnehmbar, sodass insbesondere bei leistungsschwächeren Systemen vom Kabelmanagement profitiert werden kann, wenn nicht alle Anschlüsse belegt werden müssen.

Auf die Länge der CPU-Leitung kommt es an

Bei den Kabellängen kommt es vor allem auf eine ausreichende Dimensionierung des EPS-Stranges an, der üblicherweise mindestens 63 cm messen sollte, damit das Kabel hinter dem Mainboard-Tray verlegt werden kann. Enermax ist hier mit 70 cm besonders großzügig, Cooler Master hätte den Strang jedoch etwas größer auslegen können. Beide Hersteller legen zwei PCIe-Stecker auf einen Kabelstrang, was bei Grafikkarten mit hoher Leistungsaufnahme zu größeren Verlusten im Kabel führt. Cooler Master wirkt dem dadurch entgegen, dass die Adern dieses Strangs als dickere 16- anstatt 18-AWG-Kabeldurchmesser ausgeführt sind.

Kabelausstattung (Länge in cm) MasterWatt 450W RevoBron 500W
nicht abnehmbar
24-Pin ATX 1 (55) 1 (57)
4+4-Pin EPS 1 (61) 1 (70)
abnehmbar
6+2-Pin PCIe 2 (54 + 11) 2 (49 + 15)
SATA 6 (50 ‑ 87) 6 (44 ‑ 75)
Molex 2 (76 ‑ 88) 4 (45 ‑ 92)
4-Pin-Molex-auf-Floppy-Adapter 1 (10)
Floppy 1 (100)

Die Kabelummantelungen sind wiederum Cooler Master gelungen. Denn für die Mainboard- und CPU-Leitung gibt es Sleeve, wodurch die Einzeladern effektiv gebündelt werden. Das RevoBron 500W legt alle Stränge als Flachbandkabel aus, was besonders für das Verlegen der 24-Pin-ATX-Leitung aufgrund der vielen Einzelkabel von Nachteil ist.

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