Facebook: Verknüpfung von WhatsApp, Instagram und Messenger

Andreas Frischholz 201 Kommentare
Facebook: Verknüpfung von WhatsApp, Instagram und Messenger
Bild: Andrew Feinberg | CC BY 2.0

Facebook will seine drei Messenger-Dienste Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram enger miteinander verknüpfen, berichtet die New York Times. Geplant ist demnach die technische Fusion des Messenger-Imperiums. Ein Vorhaben, das bereits Kritiker auf den Plan ruft.

Bei dem Bericht beruft sich die New York Times auf vier namentlich nicht genannte Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Den Quellen zufolge sollen die Dienste weiterhin als eigenständige Apps bestehen bleiben. Vereinheitlichen will Facebooks Chef Mark Zuckerberg aber die technische Infrastruktur, sodass es möglich sein soll, erstmals über die einzelnen Plattformen hinweg zu kommunizieren. Umgesetzt werden soll der Umbau laut dem Bericht bis Ende 2020.

WhatsApp und Instagram gehören zwar schon seit Jahren zum Facebook-Konzern, bislang agieren die Dienste aber noch weitestgehend unabhängig voneinander. Dementsprechend aufwändig wäre es also, eine einheitliche Basis zu schaffen. Wert legen will Facebook dabei unter anderem auf die Sicherheit. So habe Zuckerberg vorgegeben, dass alle Dienste eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erhalten sollen. Bislang wurde die nur bei WhatsApp vollständig implementiert.

Sollten die Pläne also umgesetzt werden, könnten WhatsApp-Nutzer verschlüsselte Nachrichten an Instagram-Nutzer schicken. Wie genau sich die Umstellung ansonsten auswirkt, lässt sich aktuell aber noch nicht sagen.

Vage Stellungnahme für vage Pläne

Facebook selbst hat sich zu den Plänen noch nicht offiziell geäußert. Auf Anfrage der New York Times reagierte der Konzern mit einem vagen Statement. Menschen wollen demnach Messenger-Dienste, die „schnell, einfach, zuverlässig und privat“ sind. Daher arbeite das Unternehmen daran, die Kommunikation „durchgängig zu verschlüsseln“ und es einfacher sein, „Freunde und Familie über die Netzwerke hinweg zu erreichen“. Eine Bestätigung für die von der New York Times skizzierten Pläne ist das nicht, ein Dementi klingt aber auch anders.

Was verspricht sich Facebook nun von dem Schritt? Zuckerberg erhofft sich davon offenbar, dass Nutzer sich stärker an Facebooks Ökosystem binden lassen, wenn die Kommunikation über die einzelnen Plattformen möglich ist. Das könnte ein Vorteil gegenüber Konkurrenten wie Google und Apple sein.

Außerdem bieten sich damit weitere Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Laut zwei der beteiligten Personen habe Zuckerberg dafür aber noch keine konkreten Pläne. Denkbar wären aber neue Werbeformen oder Dienstleistungen infolge der Verzahnung, für die Facebook dann Gebühren erheben könnte.

Facebooks Messenger-Verbindung ohnehin in der Kritik

Absehbar ist aber bereits, dass die Pläne auf massive Kritik stoßen werden. Seit den Skandalen des letzten Jahres und vor allem dem Cambridge-Analytica-Datenleck steht Facebook ohnehin unter Druck, der Ruf ist ramponiert. Und auch das aktuelle Vorgehen dürfte die Lage nicht beruhigen.

Denn bei den Übernahmen von WhatsApp und Instagram hieß es ursprünglich noch, die Dienste sollen autonom weiterarbeiten können. Von dieser Strategie ist Facebook aber schon in den letzten Jahren abgewichen. Bei Zuckerberg soll das Umdenken aufgrund des Nutzerwachstums bei WhatsApp und Instagram eingesetzt haben. Vor allem seit dem Ende des letzten Jahres soll er bei Mitarbeitern verstärkt für diesen Kurs werben, berichten beteiligte Personen laut der New York Times.

Angefangen hat die engere Verzahnung aber schon früher. Bereits 2016 kündigte Facebook einen Datenaustausch mit WhatsApp an. Das führte zu Protesten, in Europa brachte es Facebook etwa ein Bußgeld von der EU-Kommission ein. In Deutschland läuft außerdem noch ein Kartellverfahren wegen Facebooks Marktmacht. Angesichts der weitergehenden Pläne erklärte nun Marc Rotenberg von Electronic Privacy Information Center, das Vorhaben habe „schreckliche Folgen für das Internet“. Nun sei die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) als Regulierungsbehörde gefragt, um die Privatsphäre sowie den Wettbewerb zu schützen, sagte er laut der New York Times.

Umstritten ist die Strategie aber auch innerhalb des Konzerns. So verließen sowohl die WhatsApp- als auch Instagram-Gründer im Verlauf der letzten Jahre den Konzern, Berichten zufolge geschah das im Streit. Sie wollten demnach Facebooks zunehmende Einflussnahme auf die Entwicklung der Dienste nicht mehr hinnehmen.