Im Test vor 15 Jahren: ATi CrossFire brauchte zwei verschiedene Grafikkarten

Robert McHardy 90 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: ATi CrossFire brauchte zwei verschiedene Grafikkarten

tl;dr: ATis CrossFire-Technologie (Test) unterschied sich beim Start im Jahr 2005 deutlich von Nvidias SLI (Im Test vor 15 Jahren. Unter anderem setzte ATis Multi-GPU-Technologie neben einer normalen Grafikkarte vom Typ X800 oder X850 eine zweite CrossFire-Edition-Master-Grafikkarte voraus.

Flexibilität auf Kosten der Leistung

Das grundlegende Prinzip bei CrossFire und SLI war gleich: zwei Grafikkarten arbeiten schneller als eine. Nvidias SLI, das ein halbes Jahr zuvor erschienen war, hatte ziemlich strikte Anforderungen an die zu kombinierenden Beschleuniger. Neben GPU und Taktrate mussten auch BIOS- und Board-Revision übereinstimmen. ATi verfolgte dahingehend mit einer Master-Slave-Architektur ein anderes Konzept. Hierbei wurde eine spezielle Master-Grafikkarte, die eine separat verkaufte „CrossFire-Edition“ sein musste, mit einer herkömmlichen Grafikkarte kombiniert. Die CrossFire-Editionen besaßen eine sogenannte Compositing-Engine, die das eingehende Signal der Slave- mit dem der Master-Grafikkarte zusammenfügte.

Der Hersteller bot mit der Radeon X850 CrossFire Edition für 549 US-Dollar und der X800 CrossFire Edition für 299 US-Dollar (256 MByte) respektive 249 US-Dollar (128 MByte) zwei geeignete Master-Grafikkarten in drei Modellen an. Diese konnten innerhalb ihrer Modellreihe mit einer beliebigen Grafikkarte kombiniert werden – die X850 CrossFire Edition beispielsweise mit einer Radeon X850 XT PE, X850 XT oder X850 Pro, aber nicht mit einer Radeon X800 XL.

Eine beträchtliche Einschränkung hierbei war, dass bei der Kombination einer Grafikkarte mit 16 Pipelines (sowohl die X850 CrossFire Edition als auch die X800 CrossFire Edition besaßen so viele) mit einer weiteren mit 12 Pipelines im CrossFire-Betrieb auf beiden Modellen jeweils nur 12 Pipelines aktiv waren. Im Optimalfall kam CrossFire also nur in Kombination mit einer XT- oder XL-Karte zum Einsatz.

AFR, SFR, SuperTiling und besseres Antialiasing

ATi und Nvidia unterstützen mehrere Modi, in denen Grafikkarten zusammenarbeiten konnten. Der schnellste – der sich in den folgenden Jahren als Standard durchsetzte – war „Alternate Frame Rendering“ (AFR), bei dem die GPUs immer abwechselnd einen ganzen Frame berechneten. Falls der Einsatz von AFR nicht möglich oder – beispielsweise aufgrund der typischen Mikroruckler – nicht gewollt war, beherrschten CrossFire und SLI auch „Split Frame Rendering“ (SFR), das bei ATi „Scissor-Mode“ hieß. Hierbei wurde das Bild horizontal oder vertikal geteilt und je eine Grafikkarte berechnete eine Hälfte des Bildes. Als dritten Modus unterstützte ATi SuperTiling, das ein Bild in 32 × 32 Pixel große Quadrate unterteilt, die abwechselnd auf beide GPUs verteilt wurden. Aufgrund des hohen Verwaltungsaufwands war dieser Modus am langsamsten.

Wer statt mehr Leistung lieber eine bessere Bildqualität wollte, konnte den Superior-IQ-Modus aktivieren. Hier berechneten beide GPUs das gleiche Bild mit unterschiedlicher Antialiasing-Abtastung. Anschließend wurden beide Bilder kombiniert und somit eine höhere Abtastung erreicht.

CrossFire früher und heute

Wie sich diese Modi in der Praxis auswirkten, konnte ComputerBase bei der Vorstellung von CrossFire vor 15 Jahren aufgrund einer fehlenden Master-Grafikkarte noch nicht untersuchen. Tatsächlich verfügbar sollten diese erst Ende September 2005 sein – damit wird die praktische Leistung der ersten CrossFire-Generation Stoff eines zukünftigen Artikels sein. Inzwischen sind sowohl CrossFire als auch SLI überholt und werden nur noch selten eingesetzt. Im Jahr 2018 fällte ComputerBase ein ernüchterndes Fazit zu Multi-GPU-Systemen (Test): „Heutzutage sollte unter keinen Umständen mehr mit zwei Grafikkarten geplant werden.“

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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