Im Test vor 15 Jahren: Spiele profitierten nicht von Windows XP 64 Bit

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Spiele profitierten nicht von Windows XP 64 Bit

tl;dr: Im Februar 2005 stand die 64-Bit-Version von Microsofts Windows XP vor der Tür. Mit dem Athlon 64 gab es bereits einen passenden Prozessor, der nicht nur 64 Bit unterstützte, sondern auch mit hoher Spieleleistung glänzte. Wie der Test zeigte, fiel der praktische Nutzen für Spieler allerdings gering aus.

Spiele waren nicht angepasst

Die beiden Grafikkartenhersteller ATi und Nvidia stellten zu dieser Zeit bereits passende 64-Bit-Grafiktreiber bereit. Neben AMD bot Intel mit der 600er-Serie des Pentium 4 einen kompatiblen Prozessor auf anderer Plattform an. Damit waren grundsätzlich die Voraussetzungen erfüllt, um unter einem 64-Bit-Betriebssystem zu spielen. Spiele waren zu dieser Zeit allerdings noch lange nicht angepasst. Damit fiel der signifikanteste Vorteil der 64-Bit-Architektur – der größere adressierbare Speicherbereich von bis zu 16 Exbibyte statt zuvor 4 Gibibyte – praktisch weg. Ohnehin hatten im Jahr 2005 Heimanwender in den meisten Fällen keinen Bedarf an mehr Arbeitsspeicher als 4 GB, der in großen Mengen entsprechend viel Geld kostete.

Unterstützung für weniger Grafikkarten

Da Microsoft Windows XP in der 64-Bit-Variante zum Zeitpunkt des Tests noch nicht veröffentlicht hatte, sondern nur eine Vorschauversion bereitstellte, waren die entsprechenden Grafiktreiber nicht WHQL-zertifiziert. Nvidias ForceWare 66.96 bot in der 32- und 64-Bit-Version grundsätzlich die gleichen Features, die 64-Bit-Version wies allerdings einige Fehler auf. Ein Unterschied fand sich bei der Liste der unterstützten Grafikkarten: Während der 32-Bit-Treiber Modelle von der GeForce 256 aufwärts unterstützte, wurden bei der 64-Bit-Version erst Modelle ab der GeForce-3-Serie gelistet.

Anders als bei Nvidia unterschieden sich bei ATi die Treiber hinsichtlich des Funktionsumfangs. So fehlten dem Catalyst Beta 3 aus dem Dezember 2004 die Reiter „VPU Recover“ und „Overdrive“, die im Februar 2005 erschienene vierte Beta ließ nur noch „Overdrive“ vermissen. Die Liste der unterstützten Grafikkarten fiel auch bei ATi kürzer aus, bei Verwendung des 64-Bit-Treibers musste mindestens eine Radeon 9500 verbaut sein.

Die Leistung schwankte

In den Tests zeigte sich ein inkonsistentes Bild bezüglich der Leistung der verschiedenen Treiber. Obwohl die 32-Bit-Versionen in den meisten Benchmarks etwa 2 bis 5 Prozent mehr Leistung erzielten, gab es vereinzelte Ausreißer. In Codecreatures waren die Nvidia-64-Bit-Treiber 4 Prozent schneller. Bei AMD waren es 16 Prozent mehr ausgehend vom Catalyst 5.2, allerdings satte 24 Prozent weniger als beim älteren Catalyst 5.1.

Die Auflösung spielte bei der Leistung auch eine bedeutende Rolle. Während in 1.024 × 768 Bildpunkten der ForceWare 66.93 mit 32 Bit im Durchschnitt am schnellsten war, war es unter 1.600 × 1.200 Pixeln mit Antialiasing und anisotroper Filterung der ForceWare 66.96 mit 64 Bit. Im Vergleich dazu waren bei ATi im Mittel immer die 32-Bit-Versionen schneller.

Als Fazit ließ sich damals ziehen, dass sowohl ATi als auch Nvidia es geschafft hatten, einen relativ problemlosen Umzug auf ein 64-Bit-Windows zu vollziehen. Gleichzeitig konnten im Test aber noch keine Vorteile – insbesondere, da Spiele grundsätzlich noch als 32-Bit-Software entwickelt wurden – festgestellt werden. Wer also nicht zwingend mehr als 4 Gibibyte Arbeitsspeicher verbauen wollte oder musste, für den hatte ein Umstieg auf ein 64-Bit-Windows zum Spielen im Jahr 2005 keinen Vorteil.

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