Im Test vor 15 Jahren: Gigabyte brachte zwei GeForce 6600 GT auf ein PCB

Robert McHardy 77 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Gigabyte brachte zwei GeForce 6600 GT auf ein PCB

tl;dr: Kurz nach der Auferstehung der SLI-Technologie, stellte Gigabyte die GV-3D1 (Test) vor, die der Kategorie „Obskure Multi-GPU-Grafikkarten“ entsprang. Auf einem PCB vereinte der Hersteller im Februar 2005 zwei vollständige Nvidia GeForce 6600 GT, die im SLI-Betrieb zusammenarbeiteten.

Eine Machbarkeitsstudie

Dass die Gigabyte GV-3D1 nicht für den Massenmarkt gedacht war, war schon aufgrund der Tatsache erkennbar, dass die Grafikkarte nicht einzeln verkauft wurde. Stattdessen mussten interessierte Kunden ein Bundle aus GV-3D1 sowie dem Sockel-939-Mainboard GA-K8NXP-SLI erstehen. Der Preis für beides zusammen lag bei etwa 500 Euro. Tatsächlich ließ sich Gigabytes Dual-GPU-Grafikkarte nur auf dieser Platine betreiben. Auf anderen Mainboards – selbst mit SLI-Zertifizierung – startete sie erst gar nicht.

Die technischen Spezifikationen der GV-3D1 umfassten zwei NV43-Grafikchips mit jeweils über einen 128-Bit-Bus angebundenen, 128 MByte großen GDDR3-Speicher. Die GPUs wurden nach der Nvidia-Vorgabe spezifiziert und takteten mit 500 MHz, während der Speicher mit 560 MHz und somit 60 MHz über der Spezifikation arbeitete. Die Stromversorgung erfolgte über einen sechspoligen PCIe-Stromanschluss sowie den PCIe-Steckplatz, die zusammen bis zu 150 Watt bereitstellen konnten.

Leistung wie erwartet bei hoher Lautstärke

Ein Leistungsvorteil gegenüber zwei einzelnen GeForce 6600 GT zeigte sich im Test nicht. Die Unterschiede zu zwei GeForce 6600 GT mit angepassten Speichertaktraten befanden sich im Bereich der Messungenauigkeit. Dementsprechend konnte die GV-3D1 zwar eine GeForce 6800 ausstechen, für eine 6800 GT oder Ultra reichte die Leistung aber bei Weitem nicht.

Dafür machte sich die kompakte Bauweise bei der Geräuschemission negativ bemerkbar. Gegenüber einem normalem SLI-Verbund war die Lautstärke um 2,4 dB(A) höher. Bei der Stromaufnahme konnte sie hingegen mit 255 zu 270 Watt punkten.

Damit blieb am Ende des Tests die Frage, für wen diese Grafikkarte eine gute Wahl darstellte, unbeantwortet. Weder in Sachen Leistung noch Lautstärke oder Stromverbrauch konnte sich die GV-3D1 von zwei einzelnen GeForce 6600 GT absetzen. Stattdessen wurden Kunden mit der Bindung an ein einzelnes Mainboard-Modell gegängelt, das zusätzlich den Wiederverkauf der Grafikkarte quasi unmöglich machte. Das Fazit lautete somit: Eine interessante Machbarkeitsstudie, aber auch nicht mehr als das.

Heute quasi irrelevant

Nachdem Multi-GPU-Grafikkarten in den folgenden Jahren – beispielsweise in Form der GeForce 7950 GX2, Radeon 4870 X2, GeForce GTX 295 oder Radeon 5970 – eine Art Boom durch die GPU-Hersteller erlebten, sind sie heute quasi vom Markt verschwunden. Die hohe Leistung einzelner GPUs sowie die mit Multi-GPU-Systemen verbundenen Probleme wie Mikroruckler, Kühlung oder Lautstärke und der hohe Anschaffungspreis haben die Technologie für Spieler irrelevant gemacht. Weiterhin verwendet werden mehrere Grafikprozessoren für rechenintensive Aufgaben wie das Minen von Kryptowährungen und maschinelles Lernen.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

Noch mehr Inhalte dieser Art und viele weitere Berichte und Anekdoten finden sich in der Retro-Ecke im Forum von ComputerBase.