20/28 Microsoft Xbox 360 im Test : Auf dem Weg zur Marktführerschaft?

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Multimedia

Im Abschnitt über die Benutzeroberfläche sind wir bereits etwas näher auf die Multimedia-Fähigkeiten der Xbox 360 eingegangen. Die Xbox 360 führt das multimediale Geschehen alter Konsolen fort, geht weiter als diese, verzichtet jedoch auch auf einige Möglichkeiten, worauf wir noch konkreter eingehen werden. Die Xbox 360 kann jedoch problemlos mit Audio-CDs, selbst gebrannten MP3-, WMA und JPEG-DVDs sowie CD-R- und CD-RW-Medien und Spielfilm-DVDs umgehen. Die DVD-Wiedergabe ist dabei gewöhnlich und orientiert sich an den Funktionen eines DVD-Spielers. Der Bildschirm wird nach dem Einlegen einer DVD kurz schwarz und startet mit der Wiedergabe. Durch die Menüs kann dann entweder mittels Controller oder Fernbedienung navigiert werden. Eine kleine Funktion lässt die DVD-Wiedergabe jedoch vermissen: Unterbricht man die DVD-Wiedergabe und legt die DVD später wieder ein, kann die Xbox 360 die Wiedergabe nicht an der Stelle fortsetzen, an der man sie zuvor unterbrochen hatte, sondern gibt sie erneut von Anfang an wieder.

Die Xbox 360 unterstützt auch bei der DVD-Wiedergabe „Progressive Scan“. Normalerweise wird die Bildinformation mit 50 Hertz übertragen – in einer Sekunde werden 50 Einzelbilder übermittelt –, wodurch vor dem menschlichen Auge ein bewegtes Bild entsteht. Jedes dieser 50 Bilder wird dabei zeilenförmig von links nach rechts aufgebaut. PAL zeigt zwar nur 576 Zeilen an, es werden jedoch auch hier 625 Zeilen für ein Bild benötigt. Die Differenz ist für die Synchronisation des Bildes notwendig. Da die Technik jedoch mit 50 Bildern in der Sekunde an ihre Grenzen stieß und schlicht überfordert war, wurden und werden nur Halbbilder übertragen. Das erste Halbbild besteht dabei aus den ungeraden Zeilennummern eines Bildes, während das zweite Halbbild aus den geraden Zeilen besteht. Von den 50 Bildern pro Sekunde mit 576 Zeilen bleiben so nur noch 288 Zeilen je Bild übrig – die Interlaced-Technik war geschaffen. Da nur noch die Hälfte der Information übertragen wird, benötigt man jedoch auch die doppelte Zeit bzw. zwei Durchgänge, bis sämtliche Informationen übertragen worden sind. Die Zeit, in der ein Bild komplett dargestellt ist, steigt somit von 20 Millisekunden (50 Hertz) auf 40 Millisekunden. Dies hat jedoch für den Menschen den Nachteil, dass das Bild flimmert. Besonders bei Texten lässt sich dies gut nachvollziehen. Hier schafft „Progressive Scan“ Abhilfe. Bei „Progressive Scan“ werden tatsächlich 50 Vollbilder pro Sekunde mit 625 bzw. 576 sichtbaren Zeilen übertragen und angezeigt. Die vertikale Auflösung hat sich gegenüber der Interlaced-Technik verdoppelt. Da im Laufe der Zeit fast überall das Interlaced-Verfahren Verwendung fand, können jedoch nicht alle Abspielgeräte „Progressive Scan“ wiedergeben. Es ist demnach sowohl auf der Abspiel- als auch auf der Wiedergabeseite eine spezielle Hardware notwendig, da kaum ein herkömmliches Fernsehgerät das „Progressive-Scan-Signal“ verarbeiten kann. Hier kommen Plasma- und LCD-TVs ins Spiel – ältere Fernsehgeräte sind meist überfordert. Das Signal kann dabei jedoch nach wie vor entweder analog oder digital an das Ausgabegerät übermittelt werden, neben einer YUV- (Komponenten) oder RGB-Verbindung ist somit auch eine DVI- oder HDMI-Schnittstelle möglich, welche die Xbox 360 jedoch vermissen lässt. Microsoft schließt eine digitale Schnittstelle für die Zukunft jedoch nicht kategorisch aus, sondern versprach sie bei Bedarf nachzuliefern, was natürlich sehr weit gefasst ist.

Benutzeroberfläche - Videos von der Festplatte
Benutzeroberfläche - Videos von der Festplatte
Benutzeroberfläche - Videos von der Festplatte
Benutzeroberfläche - Videos von der Festplatte
Benutzeroberfläche - Verwalten der Videos
Benutzeroberfläche - Verwalten der Videos
Benutzeroberfläche - Löschen der gespeicherten Musik
Benutzeroberfläche - Löschen der gespeicherten Musik

Das 12fach-DVD-ROM-Laufwerk der Xbox 360 kann neben gepressten DVDs auch mit selbst erstellten DVDs umgehen, wobei das DVD-RAM-Format jedoch nicht unterstützt wird. Wer für das Abspielen von Musik nicht immer wieder CDs einlegen möchte, kann, sofern er im Besitz einer Festplatte ist, die Tracks auch im WMA-Format auf der Festplatte speichern. Die Xbox 360 eignet sich somit auch zum Rippen von Audio-Inhalten. Die Wiedergabe der Musik ist dabei unabhängig von dem Menü, in dem man sich gerade befindet und wird nicht unterbrochen, wenn man Einstellungen vornimmt. Wie schon bei der ersten Xbox kann auch bei der Xbox 360 die eigene Musik die Titel aus Spielen ersetzen und hier als Hintergrundmusik fungieren. Hier kann der Benutzer seinen Ideen freien Lauf lassen und theoretisch passende Playlisten für jedes Spiel erstellen, die er dann immer wieder abspielen kann.

Des Weiteren kann die Xbox 360 nun auch als Media Center Extender genutzt werden, falls ein PC im Netzwerk mit Windows XP Media Center Edition 2005 ausgerüstet ist. Auch für diesen Vorgang hat Microsoft eine ausführliche Anleitung erstellt, die man sich zu Gemüt führen sollte, wenn man die Xbox 360 als Media Center Extender einsetzen möchte. Ist die Verbindung erst einmal hergestellt, können Audio-Inhalte, Bilder und Fernsehübertragungen von dem PC auf der Xbox 360 wiedergegeben werden. Dabei können jedoch nur Inhalte auf die Xbox 360 gestreamt werden, für welche die Konsole auch die entsprechenden Codecs besitzt. Ein Streaming von anderen Inhalten mittels Transcoder scheint nicht möglich zu sein. Zu beachten ist jedoch, dass die Windows XP Media Center Edition 2005 zunächst einem Update unterzogen werden muss und offenbar auch die Hintergrunddienste von Bedeutung sind, wie Forenbeiträge im offiziellen Xbox-Forum vermuten lassen.

Doch was ist mit all den Kunden, die keine Windows XP Media Center Edition 2005 ihr Eigen nennen, aber dennoch auf die vollen Multimedia-Fähigkeiten und das ganze Heimkino-Erlebnis nicht verzichten möchten? Die Xbox 360 kann bisher lediglich auf Bilder und Musik-Dateien im passenden Codec von einem herkömmlichen Windows XP-PC zugreifen. Hier wäre es sehr wünschenswert, wenn Microsoft die volle Unterstützung auch auf Windows XP ausdehnt, was technisch kein Problem sein sollte. Zudem könnte ein Transcoder für den PC, der die fehlenden Codecs nachliefert und so eine Wiedergabe ermöglicht, die Fähigkeiten der Xbox 360 gerade zu beflügeln.

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