14/26 Windows 8 im Test : Alle Neuerungen im Überblick

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Weniger Speicherhunger

Aufgrund geringer Preise von Arbeitsspeichermodulen sind aktuelle Desktop-PCs und auch Mainstream-Notebooks meist mit mindestens 4 GByte RAM bestückt, was für den reinen Betrieb eines Windows-Betriebssystems mehr als ausreicht. Da Microsoft mit Windows 8 aber auch mobile Geräte wie Tablet-PCs bedienen will, deren SoCs meist mit weniger als 2 GByte RAM kombiniert werden, nicht zuletzt um die Leistungsaufnahme möglichst gering zu halten und hohe Akkulaufzeiten zu ermöglichen, sei die Reduzierung der Laufzeitspeichernutzung ein wichtiges Kriterium bei der Entwicklung gewesen, so Microsoft. Je weniger Arbeitsspeicher durch das Betriebssystem belegt wird, desto mehr steht natürlich auch für andere (speicherhungrige) Anwendungen zur Verfügung, was bei immer weitreichenderem Multitasking natürlich ebenfalls zu berücksichtigen ist.

Vergleich mit Windows 7

Im Entwicklerblog schrieb ein Manager von Microsofts Performance-Team, dass es zunächst das Ziel gewesen sei, trotz neuer Funktionen die gleichen Systemanforderungen wie beim Vorgänger Windows 7 zu erreichen, was eben auch für den Arbeitsspeicher galt. Für die Windows 8 Release Preview nannte Microsoft auch exakt dieselben Basisanforderungen an die Hardware, wobei 1 GByte RAM für die 32-Bit-Version und 2 GByte RAM für die 64-Bit-Variante genannt werden.

Systemanforderungen für Windows 8 (Release Preview)

Doch das ursprüngliche Ziel, die gleiche Speicherverwendung wie unter Windows 7 zu erreichen, will man sogar übertroffen haben, wie Microsoft in einem Vergleich aufzeigte. Dabei kam ein Netbook mit 1 GByte RAM zum Einsatz, auf welchem zum einen Windows 7 mit Service Pack 1 und zum anderen Windows 8 installiert war. Nach mehreren Neustarts wurde die jeweilige Speicherauslastung im Leerlauf über die Leistungsanzeige des Task-Managers verglichen – wie auf den Bildern zu erkennen ist, kam zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Design des neuen Task-Managers zum Einsatz.

Speicherauslastung unter Windows 7
Speicherauslastung unter Windows 7 (Bild: Microsoft)
Speicherauslastung unter Windows 8
Speicherauslastung unter Windows 8 (Bild: Microsoft)

Den Screenshots zufolge genehmigte sich Windows 7 rund 400 MByte Arbeitsspeicher im Leerlauf. Windows 8 hingegen war mit 280 MByte demnach deutlich sparsamer. Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass dies nur einen ungefähren Vergleich erlaube, da die Ergebnisse selbst auf demselben Computer durch verschiedene Faktoren variieren können.

Wir haben uns den Speicherhunger jedoch auch einmal auf einem eigenen System angeschaut. Dieses ist mit einem acht Gigabyte großen Speicher ausgestattet und sowohl Windows 8 als auch Windows 7 sind neu aufgesetzt worden. Windows 8 hat in dem Szenario 750 MByte des Arbeitsspeichers belegt und Windows 7 889 MByte. Während die Differenz der beiden Betriebssysteme in unseren Messungen also dem Ergebnis von Microsoft entspricht, ist der prozentuale Unterschied längst nicht so groß wie man anhand der Herstellerergebnisse vermuten könnte.

Windows 7 Speicherverbrauch
Windows 7 Speicherverbrauch
Windows 8 Speicherverbrauch
Windows 8 Speicherverbrauch

Maßnahmen zur Laufzeitspeicherreduzierung

Die Reduzierung der Speicherverwendung von Windows 8 will Microsoft durch „hunderte spezifische Änderungen“ erzielt haben. Dazu zählt insbesondere eine Technik, die als Speicherzusammenfassung beschrieben wird. Anwendungen belegen zum Teil diverse Speicherbereiche mit denselben Daten, um diese für eine spätere Verwendung bereitzuhalten. Wenn jedoch die Funktion, für welche der Speicher reserviert wurde, nicht genutzt wird und die Reservierung derselben Daten mehrmals erfolgt, entstehen zahlreiche redundante Speicherkopien. Der Speicher-Manager von Windows 8 soll diese Daten-Dubletten ermitteln und bis auf eine einzige Kopie löschen, welche bei einer möglichen Anforderung durch eine Anwendung zur Verfügung steht. Dieser Vorgang soll ohne Einfluss auf Programme im Hintergrund ablaufen und dabei Arbeitsspeicher im zwei- bis dreistelligen Megabyte-Bereich einsparen, je nachdem wie viele Applikationen gleichzeitig aktiv sind.

Zu einer Reduzierung der Speicherauslastung im zweistelligen Megabyte-Bereich soll zudem die Zusammenfassung von Speicherbereichen für von der Festplatte in den Arbeitsspeicher geladene Programmdateien führen. Ansatzweise hatte man dies bereits nach der Vollendung von Windows 7 verfolgt und setzte die Änderungen für Windows 8 bereits vor fast drei Jahren um. Prinzipiell werden dabei jeweils Speicherbereiche mit vielen Verweisen, also häufiger Nutzung, und Bereiche mit geringer Nutzung voneinander getrennt und zusammengefasst.

Weiteres Sparpotenzial sah man bei den Windows-Diensten. Die Entwickler beschlossen zum einen, auf einige der bisherigen Dienste zu verzichten, und zum anderen gewisse Dienste, die bei Windows 7 noch dauerhaft automatisch ausgeführt wurden, wie beispielsweise die Dienste für Plug & Play und Windows Update, erst durch bestimmte Auslöser aktivieren zu lassen. Nach dieser „manuellen“ Anforderung eines Dienstes werde dieser zunächst gestartet und nach Erfüllung seiner Aufgabe und einer gewissen Zeitspanne danach wieder beendet. Zwar habe man bei Windows 8 auch einige Dienste für neue Funktionen hinzugefügt, jedoch würden davon lediglich zwei automatisch ausgeführt.

Darüber hinaus wurde noch die Speicherpriorisierung durch Anwendungen verfeinert, sodass alle Programme unter Windows 8 Speicherbereiche mit einer niedrigen Priorität zuweisen können. Solche Bereiche sind die ersten, die vom System gelöscht werden, wenn nur noch wenig Speicher zur Verfügung steht. Unter Windows 7 hätten hingegen gering genutzte Speicherbereiche dieselbe Priorität wie häufiger verwendete Bereiche erhalten, was unter Umständen dazu führen könnte, dass bei Speicherknappheit der Speicher, der die Ausführung eines Programms gewährleistet, gelöscht wird und entsprechend das Reaktionsverhalten des Systems darunter leidet, was mit Windows 8 der Vergangenheit angehören soll.

Schließlich soll auch die für Touchscreens optimierte Modern-UI-Oberfläche einen Anteil zum Einsparen von Speicherressourcen haben. Bei Geräten wie Tablets gingen die Entwickler davon aus, dass vorwiegend die neue Oberfläche von Windows 8 statt der klassischen Desktopumgebung genutzt werden wird. Daher würden in diesem Fall Komponenten für die Desktopoberfläche nur im Bedarfsfall initialisiert, was bei fast ausschließlicher Nutzung der neuen Oberfläche die RAM-Auslastung um rund 20 MByte verringere.

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