Breitbandausbau: Die Zukunft ist da, nur noch nicht für alle

Andreas Frischholz 262 Kommentare
Breitbandausbau: Die Zukunft ist da, nur noch nicht für alle

Die Zukunft ist schon da, nur noch nicht für alle – so lautet der Status quo im Breitbandmarkt. Denn beim Ausbau geht es zwar voran, nur wird eben auch die Kluft immer größer. Kabelnetzbetreiber bieten 400-Mbit/s-Tarife und die Telekom plant Super-Vectoring, während die Festnetz-Konkurrenz auf FTTB/H hofft.

Zukunft ist da, nur noch nicht für alle

Die Zukunft ist schon da, nur noch nicht für alle – so lautet die Formel für den Status quo im Breitbandmarkt. Denn beim Ausbau geht es zwar voran, nur wird eben auch die Kluft immer größer. Während etwa die Kabelnetzbetreiber für Millionen von Haushalten bereits Tarife mit Download-Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s anbieten, sind es insbesondere noch ländliche Regionen, wo bisweilen 6 Mbit/s schon ein Glücksfall sind. In einer solchen Ortschaft wirkt die ewige Debatte um Gigabit-Netze fast schon zynisch.

Es ist daher der Zwiespalt zwischen immer höheren Spitzengeschwindigkeiten und dem Ausbau in der Breite, der bereits in diesem Jahr den Breitbandmarkt dominierte und auch 2017 die Agenda bestimmen dürften. Vor allem weil es in beiden Bereichen noch hakt:

  • Flächendeckender Ausbau: Eigentlich sollen sämtliche Haushalte bis 2018 einen Anschluss mit 50 Mbit/s haben, wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht. Doch bis dato sind es nur gut 70 Prozent der Haushalte, die einen entsprechenden Anschluss haben. Ob das Ziel überhaupt noch erreicht werden kann, bezweifeln mittlerweile viele.
  • Der Weg zu den Gigabit-Netzen: Während insbesondere die alternativen Festnetz-Provider den Ausbau der direkten Glasfaseranschlüsse (FTTB/H) forcieren wollen und die Kabelnetzbetreiber auf die Hybrid-Fiber-Coax-Netze (HFC) mit der Mischung aus Glasfaser- und Koaxial-Kabeln setzen, steht bei der Deutschen Telekom die Vectoring-Technologie auf der Agenda.

Kampf mit harten Bandagen

Der Wettbewerb verschärft sich

Es sind vor allem die Entwicklungen und Potentiale der einzelnen Technologien, die aktuell den Wettbewerb verschärften. So gilt etwa für die Kabelnetzbetreiber: Was die Unternehmen mit dem Kabelnetz haben, ist schlicht Glück. Als die Telekom das Kabelnetz Anfang der 2000er Jahre abtreten musste, haben die Unternehmen aus heutiger Perspektive eine Trumpfkarte erhalten, die sie nun geschickt ausspielen. Demgegenüber steht das Festnetz mit den Kupferleitungen auf der letzten Meile (TAL), die selbst mit Vectoring derzeit nur maximal 100 Mbit/s hergeben. Dennoch treibt die Deutsche Telekom den Ausbau von VDSL-Anschlüssen (bis zu 50 Mbit/s) und Vectoring (bis zu 100 Mbit/s) intensiv voran. Allein für Dezember vermeldete der Bonner Konzern, dass nun weitere 1,1 Millionen Haushalte einen entsprechenden Tarif buchen können. Zudem gibt es noch die Magenta-Hybrid-Tarife, die in Kombination mit LTE bis zu 250 Mbit/s bieten.

Das setzt die Konkurrenz unter Druck, was insbesondere bei der Entwicklung der Marktanteile in diesem Jahr deutlich wird, wie etwa die TK-Marktstudie 2016 des VATM zeigt. Neben den Kabelnetzbetreibern gewinnt auch die Telekom, die Festnetzkonkurrenz verliert. Dennoch wird es auch für die Telekom nicht einfacher, erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer vom alternativen Provider-Verband VATM: „Die Kabelnetze bieten eine erheblich höhere Bandbreite als VDSL mit Vectoring. Die steigende Nachfrage wird hier zu weiteren Verschiebungen im Markt führen.

Festnetz-Breitbandanschlüsse, Stand 30. Juni 2016
Festnetz-Breitbandanschlüsse, Stand 30. Juni 2016 (Bild: VATM TK-Marktanalyse 2016)

Der entscheidende Haken beim Kabelnetz ist allerdings: Da nicht sämtliche Haushalte einen entsprechenden Anschluss haben, reicht das für den flächendeckenden Ausbau alleine nicht aus. Die alternativen Festnetz-Anbieter wollen aber ohnehin den Ausbau der direkten Glasfaseranschlüsse forcieren, um sich aus der Bredouille zu befreien. Noch sind die FTTB/H-Anschlüsse in Deutschland aber nur ein Nischenprodukt.

Vectoring-Streit als Dauerbrenner

Angesichts des verschärften Wettbewerbs ist es wenig überraschend, dass mit harten Bandagen gekämpft wird, was insbesondere der Streit um die Vectoring-Pläne der Telekom symbolisiert. Schon seit 2015 ein Thema, brandmarkte der exklusive Vectoring-Ausbau im Nahbereich um die Hauptverteiler auch in diesem Jahr den öffentlichen Diskurs – Giftpfeile wurden munter ausgetauscht. Die Argumente sind bekannt, daher knapp zusammengefasst:

Die Telekom-Konkurrenz bezeichnet Vectoring als Sackgassen-Technologie, die Investitionen in den Glasfaserausbau kannibalisiert und damit den Ausbau der zukunftssicheren Technologie erschwert. Zudem gefährdet es den Wettbewerb, sodass eine Re-Monopolisierung droht. Für die Telekom ist Vectoring hingegen Teil eines evolutionären Ausbaukonzepts, bei dem die Glasfaserkabel zunächst bis zu den Kabelverzweigern verlegt werden (FTTC). Statt einiger Weniger sollen möglichst viele profitieren, zudem ist es – zumindest vorerst – die günstigere Lösung.

Am Ende war es die Bundesnetzagentur, die der Telekom im September den Zuschlag erteilt hat. Der Bonner Konzern darf den Nahbereich nun weitestgehend exklusiv ausbauen. Noch ist aber der Startschuss nicht gefallen. Neben einigen regulatorischen Details muss die Telekom noch ein VULA-Vorleistungsprodukt auf den Markt bringen, das als Ersatz für den physischen Zugang zur letzten Meile dient. Zudem läuft noch die Klage der Wettbewerber. Das Ziel der Telekom ist dennoch: „Im kommenden Jahr wollen wir den Vectoring-Ausbau in den Nahbereichen starten“, so der Sprecher Philipp Blank auf Anfrage von ComputerBase.

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