Wo vor drei, vier Jahren noch praktisch jedes Team dasselbe 4-2-3-1-Mittelfeldpressing-System mit etwas Gegenpressing auf den Rasen brachte, hat sich das Bild mittlerweile gewandelt. [...]
Stattdessen dürfen wir Woche für Woche höchst unterschiedlichen Formationen bestaunen, die die Bundesliga-Teams nutzen. Vom 4-4-2-Angriffspressing in Leipzig und Leverkusen über das 5-3-2 der Schalker bis hin zum 5-4-1 der Frankfurter bietet die Liga alles.
Dabei unterscheiden sich die Teams nicht nur in der taktischen Formation, sondern auch in der strategischen Herangehensweise. Es gibt die aggressiven Dauer-Pressing-Teams (Leipzig, Leverkusen), die Ballhalter (Bayern, BVB, Gladbach), Teams, die Flanken fokussieren (Frankfurt), und Teams, die durchgehend durch die Mitte aufbauen (Hoffenheim).
Zur taktischen Flexibilität trägt bei, dass die meisten Teams nicht mehr nur auf eine Formation vertrauen. Flexibilität ist das neue taktische Stichwort. Die Kölner sind das Paradebeispiel; sie wechseln teilweise in einem Spiel mehrfach die Formation, von Dreier- auf Viererkette und wieder zurück. [...]
Das sorgt auch dafür, dass die Liga nicht mehr so ausrechenbar ist. Das Erfolgsmuster der „sogenannten Konzepttrainer“ der letzten Jahre hieß: „Ich überlege mir einen Matchplan, der gegen die gegnerische Taktik überlegen ist.“ Das ging oft genug auf, wenn der gegnerische Trainer eben nur Matchplan A hatte. In dieser Saison kann sich niemand sicher sein, was sich der gegnerische Trainer überlegt. Das macht die Saison natürlich auch für den Taktik-affinen Fan interessant, wenn Köln mit einer Umstellung das Spiel herumreißt oder wenn selbst der Hamburger SV plötzlich einen guten Machtplan gegen Hoffenheim vorlegt.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich das an dieser Stelle mal schreibe, aber: Im Moment macht die Bundesliga mir richtig Spaß.