SSD-Tests & Vergleich: Empfehlungen mit PCIe & SATA für Dezember 2019

Daniel Albers et al. 646 Kommentare
SSD-Tests & Vergleich: Empfehlungen mit PCIe & SATA für Dezember 2019

tl;dr: Solid State Drives (SSD) sind Massenspeicher auf Flash-Speicher-Basis. Sie sind schneller und robuster als klassische HDDs und gar nicht mehr so teuer. ComputerBase erklärt die Vorteile von SSDs und erörtert die wesentlichen Unterschiede der Angebote am Markt. Klare Empfehlungen erleichtern die Kaufentscheidung.

Ist der Speicherplatz auf der SSD schon wieder voll, oder werkelt noch eine Festplatte (HDD) im System? Dann wird es höchste Zeit für ein neues Laufwerk. Schneller und robuster als herkömmliche Festplatten sind SSDs inzwischen die erste Wahl als Speicherplatz für das Betriebssystem und häufig genutzte Anwendungen, bei denen die Ladezeit relevant ist.

Eine SSD als Hauptlaufwerk ist quasi Pflicht

Ganz deutlich ausgedrückt: Auf einer HDD hat Windows Ende 2019 nichts mehr zu suchen, denn HDDs bremsen das gesamte System deutlich aus. Da nützt die schnellste CPU oder der größte RAM nichts. Ein weiterer großer Vorteil der Flash-Laufwerke ist: Sie sind komplett lautlos. Und mit Preisen von teilweise unter 100 Euro für das Terabyte sind SSDs auch wesentlich günstiger als noch vor ein paar Jahren.

Eine Alternative zu HDDs stellt auch Intels Optane Memory mit 3D XPoint dar: Kombiniert mit einer HDD wird durch den 16 oder 32 GB großen Cache im Idealfall die Leistung einer klassischen SSD erreicht. Die Anschaffung rechnet sich in der Regel aber nur im Komplettsystem. Mehr Details im weiteren Verlauf.

v.l.n.r.: Klassische HDD (3,5“), 2,5“-SSD (SATA) und M.2-SSD (hier NVMe)
v.l.n.r.: Klassische HDD (3,5“), 2,5“-SSD (SATA) und M.2-SSD (hier NVMe)

Die SSD ist fast immer besser, aber auch teurer

Mittlerweile gilt: Technisch ist eine SSD einer HDD im Heimgebrauch so gut wie immer vorzuziehen. Zwar bieten die günstigesten Laufwerke mit QLC-NAND nach dem Schreiben in den schnellen SLC-Cache oftmals sogar geringere Transferraten bei sequentiellen Zugriffen als aktuelle HDDs. Der Cache ist aber in der Regel so groß, dass dieses Manko im Privateinsatz nicht zum Tragen kommt. Vorteile wie die niedrigen Zugriffszeiten und der geräuschlose Betrieb können hingegen jederzeit vom Anwender erfahren werden.

SSDs bleiben allerdings teurer als HDDs, wird der Preis pro GB herangezogen. 1 TB kosten bei SSDs mindestens 9,5 Cent pro GB, bei HDDs sind es nur 2,1 Cent. Im Jahr 2014 lag das Preisniveau allerdings noch dreimal so hoch. Relativ betrachtet sind SSDs also weiterhin viel teurer als HDDs, absolut sind die Aufpreise aber weiter deutlich geschrumpft.

Durch die oft geringen Leistungsunterschiede und eine inzwischen auch bei weniger namhaften Herstellern allgemein hohe Qualität gewinnt der Preis hingegen innerhalb der Kategorie SSDs immer mehr an Gewicht.

Wem es nicht auf das letzte Quäntchen Leistung ankommt, dem ist bewährte SSD-Technik mit einem günstigen Preis pro Gigabyte (SATA-SSDs) zu empfehlen: Die Leistung einer HDD wird im privaten Alltag immer noch um Längen geschlagen. Enthusiasten und Profis müssen für mehr Leistung (NVMe-SSDs mit M.2) teils deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Aktuelle Empfehlungen der Redaktion

Die nachfolgende Tabelle fasst die aktuellen Empfehlungen der Redaktion zusammen. Über die Links gelangen Leser direkt zum jeweiligen Test sowie zu den aktuellen Preisen im Preisvergleich.

Aus Sicht der Redaktion gibt es dabei grundsätzlich nur noch zwei Kategorien zu berücksichtigen: Die der guten und günstigen Laufwerke und die der Enthusiasten-Lösungen. Dazwischen ist der Markt zwar groß, aber die Unterschiede in der Leistung und beim Preis sind zu gering, als dass eine andere Wahl als „eine der günstigsten“ oder „eine der schnellsten“ sinnvoll ist.

Hinweis: Laufwerke mit M.2-Anschluss benötigen einen entsprechenden Steckplatz auf dem Mainboard, Laufwerke im 2,5-Zoll-Format hingegen einen freien SATA-Anschluss. Bei M.2 gilt es darauf zu achten, ob das Laufwerk über ein PCIe- oder ein SATA-Interface verfügt und dann den korrekten Slot auf dem Mainboard auszusuchen. M.2-Laufwerke mit SATA sind am Ende aber nicht schneller als solche im 2,5-Zoll-Format.

Kaufempfehlungen der Redaktion
Klasse Empfehlungen Eckdaten
Gut und günstig NVMe
Intel SSD 660p (Preise) Bis 2 TB, ab 10 Cent/GB, M.2 (NVMe), QLC
Crucial P1 (Preise) Bis 2 TB, ab 10 Cent/GB, M.2 (NVMe), QLC
SATA
Samsung SSD 860 EVO (Preise) Bis 4 TB, ab 11 Cent/GB, 2,5 Zoll (SATA), TLC
Crucial MX 500 (Preise) Bis 2 TB, ab 10 Cent/GB, 2,5 Zoll (SATA), TLC
WD Blue 3D (Preise) Bis 4 TB, ab 10 Cent/GB, 2,5 Zoll (SATA), TLC
Samsung SSD 860 QVO (Preise) Bis 4 TB, ab 10 Cent/GB, 2,5 Zoll (SATA), QLC
Für Enthusiasten Corsair MP510* (Preise) Bis 2 TB, ab 13 Cent/GB, M.2 (NVMe), TLC
WD Black NVMe SSD (Preise) Bis 1 TB, ab 17 Cent/GB, M.2 (NVMe), TLC
Samsung 970 Evo Plus (Preise) Bis 2 TB, ab 19 Cent/GB, M.2 (NVMe), TLC
Stand: 3. Dezember 2019

SSDs sind häufig rabattiert

Wer den Kauf einer SSDs plant, für den kann es sich lohnen, nach aktuellen Rabattaktionen Ausschau zu halten. Während andere PC-Komponenten nur selten wesentlich im Preis gesenkt werden, sind SSDs immer wieder eine beliebte „Aktionsware“.

* Im ComputerBase-Forum gibt es im Thread zur MP510 Rückmeldungen, dass die sequentielle Datenrate einer bereits mit Daten gefüllten SSD beim Schreiben auf circa 1 GB/s abfällt, obwohl der SLC-Cache theoretisch verfügbar sein und somit die knapp 3 GB/s wie im Test erreicht werden sollten. Die Ursache ist aktuell nicht bekannt. Die Redaktion steht mit Corsair in Kontakt, eigene Tests konnten das Verhalten bisher nicht nachweisen.

NVMe-SSDs mit PCIe-Express 4.0

Die aktuell im Handel verfügbaren PCIe-4.0-SSDs basieren allesamt auf den Controller PS5016-E16 von Phison und kombinieren diesen mit 3D-TLC-NAND-Flash mit 96 Layer von Kioxia. Kioxia ist der neue Name von Toshiba Memory. Die verfügbaren SSDs unterscheiden sich nur durch den optionalen Kühlkörper, die Software des Herstellers und evtl. der Firmware Version. Die Hardware ist hingegen immer gleich. Die Preise beginnen bei 20 Cent/GB.

Eingesetzt werden können sie grundsätzlich auf jeder Plattform mit M.2-Steckplätzen mit PCI Express. PCIe Express 4.0 nutzen können Sie hingegen nur auf Platinen mit X570- oder TRX40-Chipsatz von AMD und nur in Kombination mit Ryzen (Threadripper) 3000. Und was bringt das?

Vier PCIe-4.0-SSDs mit ganz unterschiedlichen Kühlern
Vier PCIe-4.0-SSDs mit ganz unterschiedlichen Kühlern

Im Alltag profitieren davon insbesondere die sequentiellen Lese- und Schreibraten, denn erfolgen Zugriffe auf die SSDs in zufälliger Reihenfolge, limitiert auch das Laufwerk und nicht nur die Schnittstelle. Die nachfolgenden Benchmarks wurden dabei auf einem sehr schnellen Ryzen 7 3800X durchgeführt, auf langsameren CPUs wird hingegen auch die CPU schnell zum Flaschenhals. Nur die schnellste SSD an der schnellsten Schnittstelle nutzen zu können, reicht am Ende also auch wieder nicht.

Alle SSDs mit SATA-Schnittstelle (2,5 Zoll oder M.2) sind grau, alle SSDs mit PCIe-Schnittstelle (M.2) nach PCI Express 4.0 sind dunkelblau, alle nach PCIe Express 3.0 hellblau.

M.2-SSDs mit PCI Express 4.0 sind unter den SSDs für Enthusiasten also noch einmal eine kleinere Auswahl. Private Endanwender, auch die mit kompatiblen Platinen, sollten den Aufpreis zurzeit nicht in Erwägung ziehen, die Leistunsvorteile im Alltag sind viel zu klein.

Wer dennoch mit einer solchen SSD liebäugelt, sollte am Ende ihre Kühlung, den Service und die Garantieleistung des Herstellers zum Unterscheidungsmerkmal werden lassen, denn die Leistung unter Normbedingungen ist bei allen gleich.

Alle Tests von SSDs finden sich im Testarchiv von ComputerBase. Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert und ist jederzeit über die Themenseite SSDs erreichbar.

SSD-Alternative: Intel Optane Memory

Mit Intels Optane Memory (Test) gibt es in vielen günstigeren OEM-PCs mit CPU von Intel auch eine Alternative zu klassischen SSDs. Die kleinen SSD-Module bieten nur 16 oder 32 GByte Speicherplatz und sind daher als Cache-Lösungen im Zusammenspiel mit HDDs konzipiert. Über Intels Optane-Software werden häufig genutzte Daten erkannt und auf dem 3D-XPoint-Speicher abgelegt, der beim Lesen deutlich schneller als NAND-Flash agiert. In Kombination mit einer langsamen HDD wird das System dadurch spürbar beschleunigt – Programme starten mindestens so schnell wie mit einer herkömmlichen SSD. Nur schreibend lässt die Technik noch zu wünschen übrig, hier sind Flash-basierte SSDs noch schneller.

Intel Optane Memory
Intel Optane Memory

Das Prinzip hat wie alle Cache-Lösungen dieser Art einen Haken: Die Software muss erst lernen, welche Daten bevorzugt beschleunigt werden sollen. Dies bedeutet, dass die erstmalige Ausführung einer Aufgabe nur geringfügig beschleunigt wird. Erst bei wiederholter Nutzung gibt es den spürbaren Leistungssprung. Ein zweiter Nachteil: Nur Daten, die in den kleinen Speicher passen, werden beschleunigt. Ist der Cache voll, müssen Daten ersetzt werden. Dies kann bedeuten, dass länger nicht genutzte Anwendungen plötzlich nicht mehr so stark beschleunigt werden.

Wer täglich die gleichen Programme startet und wenig größere Daten schreibt, der findet mit der Kombination aus HDD und Optane Memory dennoch eine gute Alternative zu einem System mit klassischer SSD. Die Optane-Module sind mit Preisen von etwa 25 Euro (16 GB) und 50 Euro (32 GB) im Einzelhandel in Relation zum Speicherplatz allerdings sehr teuer, weshalb sie sich in der Regel nur in fertigen OEM-PCs rechnen – hier gibt es für den Hersteller von Intel Rabatt. Eine sehr gute Umsetzung hat im Jahr 2018 der Medion Akoya P62020 gezeigt. Wer seinen Rechner selber zusammenbaut, setzt hingegen lieber auf eine günstige SSD.

StoreMI: SSD-Caching mit AMD Ryzen

Auch AMD bietet eine Caching-Lösung für aktuelle AMD-Plattformen an. AMD StoreMI ist eine Softwarelösung, die von allen Besitzern eines Mainboards mit Chipsätzen der 400er- und 500er-Serie (bisher X470, B450 und X570) sowie mit X399 und TRX40 kostenlos heruntergeladen und verwendet werden kann. StoreMI basiert auf FuzeDrive von Enmotus. Wer einen Chipsatz der 300er-Serie für AM4 sein Eigen nennt, kann auf diese Alternative setzen, muss dann aber bezahlen.

Was kann AMD StoreMI (FuzeDrive)?

StoreMI und FuzeDrive sind Caching-Lösungen, die den Zugriff auf Massenspeicherdaten beschleunigen sollen (Windows 10 vorausgesetzt). Zu diesem Zweck verbindet die Software ein langsameres Speichermedium mit einem schnelleren, also etwa eine klassische HDD mit einer SATA-SSD. Verbinden bedeutet, dass aus Sicht des Anwenders ein einzelnes Laufwerk kreiert wird, das die Kapazität beider Speichermedien besitzt. Und das hat durchaus seinen Vorteil. Alle Details liefert der Test von StoreMI.

StoreMI
StoreMI

Auf ComputerBase finden sich noch zahlreiche weitere Kaufberatungen für den Hardware-Bereich:

Parallel zu den Empfehlungen der Redaktion lohnt sich stets ein Blick in den Sammelthread im ComputerBase-Forum. Dort geben gut informierte Mitglieder der Community Hilfestellung, wenn es um Fragen rund um den Kauf eines neuen Solid State Drives geht.

Auf der nächsten Seite: Fachwissen zu SSDs und HDDs