Im Test vor 15 Jahren: Apples AiO iMac G4 mit LCD und Rechner im Fuß

Robert McHardy 104 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Apples AiO iMac G4 mit LCD und Rechner im Fuß

tl;dr: Der Apple iMac G4 überzeugte als zweite Generation des All-in-One-PCs durch ausgefeilte Software, gute Leistung und einen hervorragenden Bildschirm. Kritik musste der iMac dafür einstecken, dass er nicht aufrüstbar und teuer war sowie für die Apple Pro Mouse mit nur einer Taste.

Ausstattung zu einem hohen Preis

1998 folgte Apple mit dem ersten iMac mit Beinamen G3 der Idee vieler Computer aus den 1980er-Jahren, die Rechner und Bildschirm in einem Gehäuse vereinten. Durch das auffällig bunte und runde Design, das den bis dahin eintönig grauen Computern entgegen stand, konnte der iMac G3 die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Mit der zweiten Generation, dem iMac G4, wich Apple von einem im „Bildschirm integrierten Computer“ – heute als All-in-One-PC bekannt – und dem radikale Farbansatz ab. Statt dem farbenfrohen Gehäuse setzte Apple auf ein opakes, weißes Design. Optisch war die neue iMac-Generation deutlich kompakter. Das ermöglichte der Wechsel von einem Röhrenmonitor auf ein LC-Display, welches mit einem beweglichen Arm an dem kugelförmigem Standfuß befestigt wurde, in dem der Rechner steckte (Teardown bei iFixit).

Um dem Anspruch eines Komplettpakets gerecht zu werden, lieferte Apple neben dem iMac eine Tastatur und Maus, zwei Lautsprecher sowie jeweils ein Strom- und Ethernet-Kabel mit. Diverse Software-CDs ermöglichten in Zeiten langsamer Internetverbindungen die schnelle Installation diverser Softwarepakete.

PowerPC statt x86

Als Hauptprozessor setzte Apple auf den PowerPC G4 mit Taktfrequenzen zwischen 0,8 und 1,0 GHz. PowerPC-Prozessoren verwendeten eine andere CPU-Architektur als übliche Intel- und AMD-Prozessoren (x86), wie sie in heutigen (Apple) PCs zu finden sind. Diesem standen im iMac G4 bis zu ein GByte PC2100-Arbeitsspeicher zur Seite. Der SO-DIMM-Arbeitsspeicher war über eine Wartungsklappe zugänglich und konnte selbst aufgerüstet werden. Bei der restlichen Hardware – inklusive der Festplatte – war dies schwieriger.

Die 17-Zoll-Version des iMac besaß eine GeForce4 MX mit 64 MByte Grafikspeicher, das Modell mit 15-Zoll-Bildschirm musste mit einer GeForce2 MX auskommen. Beide Modelle waren für Spieler ungeeignet, für macOS (damals noch MacOS X genannt) und die PowerPC-Architektur gab es aber ohnehin nur wenige Spiele. Die Auflösung betrug 1.440 × 900 Pixel, beim kleineren Modell 1.024 × 768 Bildpunkte; ungewöhnlich war das 16:9-Seitenverhältnis, das das Abspielen von Filmen ohne schwarze Ränder ermöglichte. Die Tiefe des LCD war mit 2,1 cm extrem gering.

Die Peripherie überzeugte nur zum Teil

Das Apple Pro Keyboard konnte durch das schlichte und kompakte Design sowie die Verarbeitungsqualität glänzen. Anders sah es bei der Pro Mouse aus. Zum einen setzte Apple auf das veraltete Konzept einer Ein-Tasten-Maus. Zum anderen sorgte die auf der Unterseite der Maus angebrachte Gleitfläche für laute Kratzgeräusche und erschwerte die Bewegung der Maus über jegliche Oberfläche. Die mitgelieferten Lautsprecher reichten für grundlegende Anwendungen, wer aber auf gute Audioqualität Wert legte, musste zu einem separaten System greifen.

Die Apple Software bestehend aus dem Betriebssystem MacOS X sowie dem Softwarepaket iLife, welches sich aus iTunes, iPhoto, iMovie, iDVD, iCal und iChat zusammensetzte, ermöglichte bereits von Haus aus nahezu sämtliche für den Heimgebrauch relevanten Anwendungen auszuführen. Eine Office-Suite wie Microsoft Office fehlte jedoch.

Der Preis war hoch

Die umfangreiche Ausstattung des iMac G4 ließ sich Apple gut bezahlen. Für das getestete Modell mit 80 GByte HDD und 256 MByte Arbeitsspeicher wurden rund 2.200 Euro fällig, für die Top-Ausstattung gar 2.700 Euro. Interessenten mussten sich in jedem Fall gut überlegen, ob die Vorteile eines iMac den hohen Preis für sie individuell rechtfertigten.

Bereits mit dem iMac G5 wechselte Apple zwei Jahre später wieder auf das Design mit Rechner hinter/am Bildschirm, das bei iMac bis heute verfolgt wird. Den Ansatz des iMac G4 griff wiederum Microsoft vor zwei Jahren prominent mit dem Surface Studio erneut auf.

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