Im Test vor 15 Jahren: Intels Luxus-Chipsatz i875P für den Pentium 4

Robert McHardy 29 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Intels Luxus-Chipsatz i875P für den Pentium 4

tl;dr: Der Intel i875P-Chipsatz führte für den Pentium 4 erstmals Unterstützung für Dual-Channel-DDR400, FSB800 sowie Performance Acceleration Technology (PAT) und Communications Streaming Architecture (CSA) ein. Der Luxus-Chipsatz hatte aber auch seinen Preis; Anwender waren besser beraten auf den günstigeren i865 zu warten.

Speicher und Ethernet wurden schneller

Mit dem i875P führte Intel den Front Side Bus (FSB) mit einer Taktrate von 200 MHz ein. Mit dem Quad-Data-Rate-Verfahren (QDR), bei dem vier Bits pro Takt übertragen wurden, ergab sich ein effektiver Takt von 800 MHz (FSB800). Dadurch stieg die Bandbreite – bei Nutzung eines passenden Prozessors – zwischen CPU und Northbridge auf 6,4 GByte/s an. Auch die RAM-Bandbreite konnte beim i875P durch Unterstützung von DDR400 im Dual-Channel-Modus auf bis zu 6,4 GByte/s erhöht werden.

Während später vorgestellte Chipsätze mit dem Codenamen Springdale (i865) (teilweise) ebenfalls FSB800 und Dual-Channel-Speicher unterstützen sollten, bot der i875P zwei weitere Unterscheidungsmerkmale. Zum einen konnte nur auf diesem Arbeitsspeicher mit Fehlerkorrektur (ECC) verwendet werden. Zum anderen führte Intel mit Performance Acceleration Technology (PAT) eine Technik ein, die Speicherzugriffe bei Nutzung von Dual-Channel-DDR400 beschleunigte. Um dies zu ermöglichen, verwendete Intel beim i875P-Chipsatz offiziell nur selektierte Chips. In der Praxis ließen sich durch die Nutzung von PAT bis zu zwei Taktzyklen beim Speicherzugriff einsparen.

Communications Streaming Architecture (CSA) war eine weitere Neuerung bei Intel. Sie war dafür vorgeseshen, den PCI-Bus, über den Ethernet-Anschlüsse an das System angebunden waren, zu entlasten. CSA führte einen weiteren Bus ein, der mit 266 MByte/s Bandbreite schnell genug war, um einen Gigabit-Ethernet-Anschluss, der gleichzeitig mit einem Gigabit/s senden und empfangen kann (max. 250 MByte/s), anzubinden. Die Nutzung von CSA war allerdings nur mit Ethernet-Controllern von Intel möglich.

Der neue ICH5 führte die native Unterstützung von SATA und zwei weitere USB-2.0-Anschlüsse ein. Die Luxusvariante des ICH5, der ICH5/R, konnte zusätzlich zwei SATA-Laufwerke im RAID-0-Modus ansteuern.

In Spielen und Anwendungen war der Vorteil gering

In Spielen konnte der Intel i875P in Zusammenspiel mit einem Pentium 4 3,0C und DDR400 im Dual-Channel-Betrieb vier Prozent gegenüber dem bis dato schnellstem Chipsatz – dem i850E mit Rambus-Speicher – zulegen. Im Vergleich zum i845PE mit nur einem Speichermodul bei DDR333 lag der Leistungsvorteil bei rund acht Prozent.

In Anwendungen betrug der Leistungsvorteil drei respektive zehn Prozent. Damit arbeitete der i875P durchgehend schneller, einer dieser Vorteil wog aber nicht die hohen Kosten der entsprechenden Mainboards für Aufrüster auf. Der i875P kostete 50/53 (ohne/mit RAID) US-Dollar, während der i850E auf 40 US-Dollar und der i845PE nur auf 28 US-Dollar kamen. Das im Test verwendete Asus P4C800 kam zum Testzeitpunkt so auf einen Preis von 250 Euro. Wer vor 15 Jahren ein neues System mit Pentium 4 aufbauen wollte, war besser beraten auf den i865-Chipsatz zu warten, der fast sämtliche Merkmale des teureren i875P bot.

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