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Im Test vor 15 Jahren: Athlon XP mit FSB400 auf der Jagd nach dem Pentium 4

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Athlon XP mit FSB400 auf der Jagd nach dem Pentium 4

tl;dr: Anfang 2003 schien Intel den Rivalen AMD wieder unter Kontrolle zuhaben. Der Athlon XP auf Basis von Barton war nicht schneller als der Pentium 4 und kostet genauso viel. Doch AMD sollte noch ein Ass im Ärmel haben: den 200 MHz schnellen Front Side Bus. Dessen potentiellen Vorteil simulierte die Redaktion im Test.

Der Einfluss des Front Side Bus

Bereits im Rückblick auf den 200 MHz schnellen FSB800 bei Intels Pentium 4 wurden die Vorteile aus einem schnelleren Front Side Bus, der Verbindung zwischen CPU und so genannter Northbridge auf dem Mainboard, erörtert. Vor 15 Jahren wurde der Arbeitsspeicher nicht wie bei modernen CPUs direkt an den Prozessor, sondern über einen Umweg – die Northbridge – angebunden. Diese kommunizierte einerseits über den Front Side Bus (FSB) genannten Systembus mit dem Prozessor, andererseits mit dem RAM. Und weil der vor 15 Jahren schon mit DDR400 im Dual-Channel-Modus betrieben werden konnte, war er potentiell schneller als der FSB.

Bei AMDs K7-Prozessorarchitektur, auf der der Athlon XP basierte, wurden pro Taktsignal zwei Datenpakete pro Taktsignal über den FSB übertragen (Dual-Data-Rate-Verfahren). Aus einer real anliegenden Frequenz von 166 MHz ergab sich eine DDR-Frequenz von 333 MHz oder kurz FSB333 – bei Barton war das Standard. Durch die Erhöhung der Frequenz des FSB von 166 MHz auf 200 MHz ließen sich also 3,2 GByte/s statt 2,7 GByte/s über den Bus übertragen.

Um diesen theoretischen Vorteil nutzen zu können, musste entsprechend schneller Speicher eingesetzt werden. Im Test vor 15 Jahren verwendete ComputerBase zwei Speichermodule mit DDR400 in Dual-Channel-Modus.

Bandbreite von verschiedenen FSB und Speicherkonfigurationen
FSB Bandbreite Speicher Bandbreite
(Single-Channel)
Bandbreite
(Dual-Channel)
FSB266 2,1 GB/s DDR266 2,1 GB/s 4,3 GB/s
FSB333 2,7 GB/s DDR333 2,7 GB/s 5,3 GB/s
FSB400 3,2 GB/s DDR400 3,2 GB/s 6,4 GB/s

Das letzte bisschen Leistung

In den theoretischen Tests konnte der Athlon XP deutlich von dem schnelleren Systembus profitieren. In SiSoft Sandra konnte ein Plus von 500 MByte/s respektive 20 Prozent verbucht werden, was exakt den theoretischen Leistungsgewinn vom 2,7 auf 3,2 GB/s widerspiegelte. In 3DMark 2001 SE und im CPU-Teil des 3DMark 2003 stieg die Leistung um drei beziehungsweise acht Prozent an.

Diagramme
Sandra 2003 Speicherdurchsatz
  • Int Buffered:
    • Pentium 4 2,80 GHz
      3.325
    • Pentium 4 3,06 GHz
      3.321
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      3.101
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      3.101
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      3.098
    • Athlon XP 2700+
      2.583
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      2.580
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      2.580
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      2.574
    • Athlon XP 2800+
      2.571
Einheit: Megabyte pro Sekunde (MB/s)

Auch in Spielen wurde die zusätzliche Bandbreite in mehr Bilder pro Sekunde umgemünzt. In Quake 3 Arena stieg die Bildrate in 640 × 480 Pixeln um acht Prozent und in 1.024 × 768 Pixeln um drei Prozent an, womit der Pentium 4 seinen Spitzenplatz einbüßen musste. Unreal Tournament – ohnehin von AMD-Prozessoren dominiert – legte um weitere fünf Prozent zu. Damit lag der Athlon XP satte 13 Prozent vor dem schnellsten Pentium 4.

Diagramme
Quake 3 Arena
  • 640x480x32 Max:
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      392,80
    • Pentium 4 3,06 GHz
      390,00
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      383,30
    • Pentium 4 2,80 GHz
      376,00
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      372,80
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      364,87
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      351,67
    • Athlon XP 2800+
      350,30
    • Athlon XP 2700+
      344,60
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      343,03
  • 1024x768x32 Max:
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      317,43
    • Pentium 4 3,06 GHz
      315,30
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      314,50
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      310,87
    • Pentium 4 2,80 GHz
      310,80
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      308,37
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      302,30
    • Athlon XP 2800+
      301,67
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      298,63
    • Athlon XP 2700+
      298,60
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)

Und auch in der Wertung über alle getesteten Spiele und Anwendungen hinweg konnte der Athlon XP durch den höheren FSB zu dem Pentium 4 aufschließen. Den Gleichstand verdankte der Pentium 4 der Hyper-Threading-Technologie, die ihn in Anwendungen auf den ersten Platz beförderte, während der Athlon XP in Spielen die Nase vorn hatte.

Leistungsrating
  • Gesamt:
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      100,0
    • Pentium 4 3,06 GHz
      99,6
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      97,5
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      97,1
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      94,9
    • Pentium 4 2,80 GHz
      94,0
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      93,7
    • Athlon XP 2800+
      92,3
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      91,4
    • Athlon XP 2700+
      90,5
  • Spiele:
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      100,0
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      98,4
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      97,4
    • Pentium 4 3,06 GHz
      97,0
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      96,7
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      95,2
    • Pentium 4 2,80 GHz
      94,8
    • Athlon XP 2800+
      93,8
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      93,5
    • Athlon XP 2700+
      92,6
  • Anwendungen:
    • Pentium 4 3,06 GHz
      100,0
    • Barton - 2,3 GHz - FSB400
      98,4
    • Barton - 2,33 GHz - FSB333
      95,4
    • Barton - 2,2 GHz - FSB400
      95,3
    • Barton - 2,1 GHz - FSB400
      92,0
    • Pentium 4 2,80 GHz
      91,8
    • Athlon XP 3000+ (512kB)
      91,1
    • Athlon XP 2800+
      89,6
    • Athlon XP 2800+ (512kB)
      88,4
    • Athlon XP 2700+
      87,4
Einheit: Prozent

Knapp zum Etappensieg

Mit der Steigerung des Front-Side-Bus-Taktes sollte es AMD laut der ComputerBase-Vorausschau gelingen, den Pentium 4 wieder einzufangen. Parallel arbeitete Intel aber ebenfalls an einem schnelleren Systembus.

Die Geschichte hat allerdings gezeigt, dass das alles im Vergleich zu den später im Jahr 2003 vorgestellten neuen Prozessorarchitekturen keine Rolle mehr gespielt hat. Der Athlon 64 stellt im Herbst 2003 alles bisher dagewesene in den Schatten.

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In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Bisher in dieser Reihe erschienen sind: