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Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon 9800 Pro legte den R350 in Nvidias Wunde

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: ATis Radeon 9800 Pro legte den R350 in Nvidias Wunde

tl;dr: Mit der Radeon 9700 Pro eroberte ATi Ende 2002 die Leistungskrone im Grafikkarten-Segment. Und obwohl die Grafikkarte mit R300-GPU sie auch gegen die viel später erschienene Nvidia GeForce FX 5800 (Ultra) verteidigen konnte, legte ATi mit der Radeon 9800 Pro (Test) mit R350 noch einmal nach.

Der R350 als aufgebohrter R300

Nvidia hatte mit der GeForce FX 5800 (Ultra) respektive dem nV30 gleich mehrere Probleme: Der schmale Speicherbus und die Architektur machte extrem hohe Taktraten nötig, um mit der ATi Radeon 9700 Pro überhaupt irgendwie mithalten zu können, die GPU kam mit DirectX 9 nicht gut zurecht und die enorme Verlustleistung machte ein bis dato einzigartig lautes Kühlsystem erforderlich. „Der Föhn“ war binnen Tagen als Spitzname in Deutschland gefunden. Der R300 Grafikchip von ATi, der auf der Radeon 9700 Pro (Im Test vor 15 Jahren) Platz fand, war hingegen als erste DirectX-9-GPU in alten wie in der neuen API extrem schnell und trotzdem gut zu kühlen. Und der R350 der Radeon 9800 Pro legte in allen Eckdaten trotz gleicher Fertigung noch einmal nach.

Technische Details im Überblick
Radeon 9800 Pro Radeon 9700 Pro Radeon 9700 GeForce FX 5800 (Ultra)
Chip R350 R300 R300 nV30
Herstellungsprozess 150 nm 130 nm
Transistoren 110 Mio. 107 Mio. 125 Mio.
Chiptakt 380 MHz 325 MHz 275 MHz 400 (500) MHz
Rendering Pipelines 8 4
Pixelfüllrate 3,04 GPix/s 2,6 GPix/s 2,2 GPix/s 1,6 (2,0) GPix/s
TMUs je Pipeline 1 2
Texelfüllrate 3,04 GTex/s 2,6 GTex/s 2,2 GTex/s 3,2 (4,0) GTex/s
realer Speichertakt 340 MHz 310 MHz 270 MHz 400 (500) MHz
Speicheranbindung/-typ 256 Bit, DDR 256 Bit, DDR 256 Bit, DDR 128 Bit, GDDR2
Speicherbandbreite 21,76 GByte/s 19,84 GByte/s 17,28 GByte/s 12,8 (16,0) GByte/s
Single-Pass Texturoperationen 16 (D3D) / 8 (OGL) 16 (D3D) / 8 (OGL) 16 (D3D) / 8 (OGL) 16 (D3D) / 4 (OGL)
max. Vertex-Durchsatz 380 MVert/s 325 MVert/s 275 MVert/s 160 (200) MVert/s
Shader-Hardware PS2.0+ / VS2.0 PS2.0 / VS2.0 PS2.0 / VS2.0 PS2.0+ / VS2.0+

Gegenüber der R300-GPU gab es nur wenige Architekturverbesserungen wie beispielsweise den F-Buffer, der die Instruktionsbeschränkung der Pixelshader aufhob; das Mehr an Leistung entstand hingegen aus den höheren Taktraten der GPU und des Speichers. Mit 380 Millionen Vertices/s lag insbesondere der Vertex-Durchsatz des R350 deutlich über dem der GeForce FX 5800 Ultra, die weiterhin höher taktete.

Die Kühlung erfolgte weiterhin leise

Im Gegensatz zu dem lauten Dual-Slot-Kühler „des Föhns“ stattete ATi die Radeon 9800 Pro weiterhin mit einem Single-Slot-Kühler aus, der unter Last eine deutlich geringere Geräuschkulisse erzeugte. Der höheren Wärmeabgabe der Grafikkarte wirkte ATi mit mehr Lüfterblättern sowie Passivkühlern für einige Bauteile auf der Vorderseite entgegen. Die Stromversorgung erfolgte über den AGP-Steckplatz sowie einen Molex-Stecker. Für die Bildausgabe standen ein DVI-, ein VGA- und ein TV-Ausgang bereit.

Land unter für die GeForce FX

In den Benchmarks wischte die Radeon 9800 Pro mit der GeForce FX 5800 den Boden auf. Insbesondere in höheren Auflösungen und bei Nutzung von anisotroper Filterung und Antialiasing konnte der R350 seine Rechenleistung ausspielen.

Schon im 3DMark 2003 konnte die Radeon 9800 Pro rund 30 Prozent mehr Punkte als die GeForce FX 5800 erreichen, gegenüber der Radeon 9700 Pro ergab sich ein Plus von etwa 17 Prozent. Bei Nutzung von 4× Antialiasing und 8× anisotroper Filterung vergrößerte sich der Vorsprung der Radeon 9800 Pro auf die GeForce FX 5800 in 1.280 × 1.024 Pixeln von 30 auf 58 respektive in 1.600 ×1.200 Bildpunkten von 38 auf 95 Prozent.

Diagramme
3DMark03
  • 1280x1024x32:
    • Connect3D Radeon 9800 Pro
      3.796
    • Radeon 9700 Pro
      3.246
    • Inno3D GeForce FX5800
      2.919
    • Radeon 9700
      2.821
    • Connect3D Radeon 9800 Pro (4xAA/8xAF)
      1.775
    • Radeon 9700 Pro (4xAA/8xAF)
      1.419
    • Inno3D GFFX5800 (Bal: 4xAA/8xAF)
      1.315
    • Radeon 9700 (4xAA/8xAF)
      1.244
    • Inno3D GFFX5800 (App: 4xAA/8xAF)
      1.139
  • 1600x1200x32:
    • Connect3D Radeon 9800 Pro
      2.952
    • Radeon 9700 Pro
      2.539
    • Inno3D GeForce FX5800
      2.290
    • Radeon 9700
      2.197
    • Connect3D Radeon 9800 Pro (4xAA/8xAF)
      1.314
    • Radeon 9700 Pro (4xAA/8xAF)
      1.056
    • Radeon 9700 (4xAA/8xAF)
      916
    • Inno3D GFFX5800 (Bal: 4xAA/8xAF)
      840
    • Inno3D GFFX5800 (App: 4xAA/8xAF)
      740
Einheit: Punkte

Einzig in Serious Sam: The Second Encounter bei Nutzung der OpenGL-API konnte sich die Nvidia-Grafikkarte in 1.280 × 1.024 Pixeln durchsetzen. In 1.600 × 1.200 Bildpunkten war sie immerhin nur 6 Prozent langsamer als die Radeon 9800 Pro.

Mehr Leistung zum hohen Aufpreis

Vor 15 Jahren wie heute galt allerdings die Faustregel, dass absolute High-End-Produkte den Aufpreis gegenüber den etwas langsameren Produkten oft nicht wert sind. Die ATi Radeon 9800 Pro war zwar ein gutes Stück schneller als die Radeon 9700 Pro, dafür aber mit knapp 460 Euro gegenüber 330 Euro (Stand: 28.04.2003; Modelle von Connect3D) deutlich teurer.

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In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Bisher in dieser Reihe erschienen sind: