Im Test vor 15 Jahren: Luxus-Mainboards mit „Leistungs-Tricks“

Robert McHardy 51 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Luxus-Mainboards mit „Leistungs-Tricks“

tl;dr: Asus P5AD2 und P5GD2 (Test) mit den Intel-Chipsätzen i925X und i915P für den Sockel 775 boten den ultimativen Luxus in Sachen Ausstattung. Die hohe Leistung der Mainboards erkaufte Asus sich anno 2004 allerdings mit Tricks, die Konkurrenten als unfair anprangerten.

Anschlüsse soweit das Auge reicht

Beide Mainboards verfügten über eine ausgesprochen umfangreiche Ausstattung. Dies begann bei den acht USB-2.0- sowie den drei FireWire-Anschlüssen, reichte über den PCIe-x16- und die zwei respektive drei PCIe-x1-Steckplätze und endete bei den acht SATA-Anschlüssen. Dank der vier DIMM-Steckplätze konnten bis zu 4 GByte Arbeitsspeicher installiert werden.

Für Hörgenuss sorgte die CMI-9880-HD-Audio-Lösung, die acht Kanäle bot. Zudem konnten beide Mainboards mithilfe einer externen WLAN-Antenne nach den Standards 802.11b/g funken. Für kabelgebundene Verbindungen fanden jeweils gleich zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse auf den Platinen Platz.

Vergleich der Alderwood- und Grantsdale-Mainboards
Features Intel i925X ASUS P5AD2 ASUS P5GD2 Intel i915G (Micro-ATX)
Chipsatz Alderwood Grantsdale Grantsdale-G
Ausbaufähigkeit für Prozessoren Northwood/Prescott
über 3,60 GHz
Frontside-Bus
400 MHz Ja
533 MHz Ja
800 MHz Ja
Speichertakt/-typ
400 MHz/PC2 3200 Ja
533 MHz/PC2 4300 Ja
667 MHz/PC2 5300 Nein Ja Nein
Dual-Channel-Modus verfügbar
maximaler RAM-Ausbau 4 GByte (4 Slots)
Onboard-Grafik Nicht vorhanden Intel Graphics Media Accelerator 900
Onboard-Sound Intel HD Audio, 8 Kanäle CMI 9880 HD Audio, 8 Kanäle Intel HD Audio, 6 Kanäle
Steckplätze 1 × PCI Express x16
2 × PCI Express x1
4 × PCI
1 × PCI Express x16
2 × PCI Express x1
3 × PCI
1 × PCI Express x16
3 × PCI Express x1
2 × PCI
WLAN-Fähigkeit Nein Ja, in der Premium-Version (802.11b/g) Nein
HDD-Controller
ATA 133/100/66 Intel ICH6/R
2 Geräte
Intel ICH6/R
2 Geräte

ITE 8212F IDE RAID
4 Geräte
(RAID 0, 1, 0+1, JBOD)
Intel ICH6/R
2 Geräte
Serial ATA 150 Intel ICH6/R
4 Geräte
(RAID 0,1)
Intel ICH6/R
4 Geräte
(RAID 0,1)

Silicon Image 3114R
4 Geräte
(RAID 0, 1, 0+1, 10, 5, JBOD)
Intel ICH6/R
4 Geräte
(RAID 0,1)

Silicon Image 3114R 4 Geräte
(RAID 0, 1, 0+1, 10, 5, JBOD)
Intel ICH6/R
4 Geräte
verfügbare Anschlüsse
USB 2.0 4 × über Rear-Panel
4 × über Mainboard-Header
IEEE 1394 Ports 1 × über Rear-Panel
2 × über Mainboard-Header
nicht vorhanden
LAN Gigabit-Ethernet 2 × Marvell 88E8053
Dual-Gigabit-Ethernet
Marvell 88E8052 + Marvell 88E8001
Dual-Gigabit-Ethernet
Gigabit-Ethernet
weitere Anschlüsse 1 × Parallel
2 × PS/2
8 × Audio
1 × Seriell
1 × Parallel
2 × PS/2
8 × Audio
1 × Parallel
2 × PS/2
8 × Audio
1 × Seriell

In den Benchmarks brillant – dank Tricks

In den Benchmarks zeichnete sich im Vergleich zu den Intel-Mainboards eine deutlich bessere Leistung ab. Grund hierfür war ein Trick des Herstellers, der bei einem eingestellten Front Side Bus von 200 MHz diesen real mit 202,3 MHz taktete und somit die Prozessor- sowie Speicherfrequenz erhöhte. Neben dieser offensichtlichen Schummelei baute Asus noch diverse andere Übertaktungsfeatures in die Platinen ein, die jedoch manuell abgeschaltet werden konnten. So übertakteten Asus-Mainboards dank des PEG-Link-Modus automatisch Kern- und Speichertakt verbauter Grafikkarten, während die Funktion A.I.-Overclocking ohne dies beim Systemstart anzuzeigen den CPU-Takt im Test von 3,2 auf 3,6 GHz anhob. Konkurrent Gigabyte bezeichnete diese Praktiken anno 2004 als Schummelei. Im Test wurden beide Features deaktiviert, der Front Side Bus verblieb jedoch bei 202,3 MHz.

Bedingt durch den erhöhten Prozessortakt konnten die Asus-Platinen sich quasi durchgehend an die Spitze des Testfeldes setzen. Für Kunden, die ohnehin hohe Leistung wollten, ohne sich mit ihrem System auseinanderzusetzen, war dies ein Vorteil – für einen neutralen Test und die Konkurrenz ohne Zweifel ein Nachteil. Zum Testzeitpunkt im September 2004 wurden für die üppig ausgestatteten Sockel-775-Mainboards auch entsprechende Preise ausgerufen: rund 240 Euro für das P5AD2 und etwa 210 Euro für das P5GD2. Kunden, die auf eine herausragende Ausstattung und durch Tricks bedingte hohe Leistung Wert legten, und denen der Preis nicht zu hoch war, waren mit den Platinen bestens beraten.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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