Im Test vor 15 Jahren: DDR-Speicher abseits der Spezifikation zu hohen Preisen

Robert McHardy 68 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: DDR-Speicher abseits der Spezifikation zu hohen Preisen

tl;dr: Nachdem die Joint Electron Device Engineering Council (JEDEC) gleich drei verschiedene DDR400-Standards verabschiedete, stellten mehrere Hersteller Arbeitsspeicher mit noch höheren Taktraten abseits der Spezifikation vor. ComputerBase verglich zwei Speicherkits von Corsair und OCZ mit DDR466 (Test).

Im Grunde nur Samsung

Beide Speicherkits bestanden aus zwei Modulen à 256 MByte mit realen Taktraten von 233 MHz (466 MHz effektiv). Beim Corsair TWINX512-3700 waren auf den Modulen jeweils acht Speicherchips mit 256 MBit Kapazität verbaut. Corsair garantierte Timings von CL3-4-4-8 im DDR466-Betrieb.

Die OCZ EL DDR PC-3700 Dual Channel Gold waren jeweils mit 16 Speicherchips mit jeweils 128 MBit bestückt. Laut Aussage des Herstellers handelte es sich dabei um Chips aus eigener Produktion. Das Kuriose: OCZ besaß keine eigene Halbleiterfertigung. Nach Demontage des Heatspreaders prankte auf allen Speicherchips aber tatsächlich eine eigene Bezeichnung des Herstellers.

Mit Hilfe von Sandpapier konnte jedoch ein drunter liegender Aufdruck freigelegt werden: Eigentlich handelte es sich um Samsung-CB3-Speicherchips, welche offiziell für DDR333 ausgelegt waren. Tatsächlich verwendete der Hersteller also für zugekaufte und anschließend selektierte Chips eine eigene Bezeichnung und behauptete, sie kämen aus eigener Fertigung.

Nicht das Ende der Fahnenstange

Die von den Herstellern bereits abseits der Spezifikationen betriebenen Speicherchips ließen sich im Test noch deutlich weiter treiben. Der Corsair-Arbeitsspeicher erreichte bis zu 500 MHz Effektivtakt bei den Standardtimings von CL3-4-4-8. OCZ kam mit deutlich schnelleren Timings von CL3-3-3-5 auf 490 MHz Effektivtakt, wobei zusätzlich die Spannung um 0,2 Volt erhöht werden musste. Bis 480 MHz konnte der OCZ-Speicher sogar mit CL2-3-3-5 betrieben werden, während die Corsair-Module bereits bei 400 MHz im besten Fall mit CL2,5-3-4-5 arbeiteten.

In den Benchmarks konnte sich OCZ aufgrund der schnelleren Timings die Leistungskrone sichern. Wer nicht unbedingt auf die noch höheren möglichen Taktraten des Corsair-Speichers angewiesen war, der war mit OCZ besser beraten. Das schlug sich allerdings auch preislich nieder: Während Corsair etwa 180 Euro für die 512 MByte Speicher verlangte, wurden bei OCZ schon 210 Euro fällig.

Speicherriegel von Samsung selbst, die für DDR400 bei Timings von CL-3-3-3-8 spezifiziert waren, kosteten im 512-MByte-Pack nur 83 Euro. In einem vorherigen Speichertest erreichten sie ebenfalls bis zu 490 MHz Effektivtakt bei Timings von CL3-4-4-8. Obwohl schneller Arbeitsspeicher vor 15 Jahren noch für die Übertaktung des Prozessors über den Front Side Bus (FSB) unabdinglich war, lohnte sich der Aufpreis für Übertakter-Kits abseits der JEDEC-Spezifikation nicht. Heute gilt dies umso öfter, da sich moderne Prozessoren über den Multiplikator und somit unabhängig vom Rest des Systems übertakten lassen und schnellerer Speicher oft nur marginale Mehrleistung mit sich bringt.

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