Im Test vor 15 Jahren: Chipsatz mit Dual-Channel-DDR400 von VIA statt Intel

Robert McHardy 53 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Chipsatz mit Dual-Channel-DDR400 von VIA statt Intel

tl;dr: Mit dem PT880 (Test) startete VIA einen weiteren Versuch, Intel und Nvidia den Markt für Pentium-4-Chipsätze streitig zu machen. Durch Dual-Channel-Unterstützung für DDR400 und einen verbesserten Speicher-Controller konnte der PT880 vor allem durch hohe Speicherbandbreiten und niedrige Latenzen glänzen.

Günstiger als von Intel

Der VIA PT880 stellte eine Weiterentwicklung des PT800 für den Pentium 4 dar. Die wesentlichen Neuerungen waren die Möglichkeit, den Arbeitsspeicher im Dual-Channel-Modus zu betreiben, sowie der mit 1.066 MByte/s doppelt so schnelle V-Link zwischen North- und Southbridge. Des Weiteren verfügte der Speicher-Controller über ein verbessertes Prefetch-Protokoll und eine bessere „Memory Branch Prediction“. Damit verfügte der PT880 mit Ausnahme von Techniken wie PAT und CSA über die meisten Features, die auch Intels Chipsätze boten, die aber deutlich teurer waren. Mit der nativen SATA-Unterstützung der Southbridge war VIA auch in dieser Hinsicht auf dem Stand der Technik.

Der Festplatten-Controller unterstützte neben JBOD auch RAID 0, 1 und 10. Zudem wurde in jedem Fall mindestens 6-Kanal-Audio, optional auch 8-Kanal-Sound, geboten. Der VIA VPX2 ermöglichte es Herstellern – vornehmlich im Server- und Workstation-Bereich – zusätzlich zwei PCI-X- oder bis zu zwölf gewöhnliche PCI-Steckplätze zu verbauen.

Dual-Channel-Chipsätze im Vergleich
Features VIA PT880 R9100 IGP i875P i865PE i865G i865P E7205
Northbridge-Features
Northbridge PT880 RS300 KC82875P KC82865PE KC82865G KC82865P E7205
Package 819 BGA keine Angaben 1005 FCBGA 932 FCBGA 1077 FCBGA
Frontside-Bus
400 MHz Ja Nein Ja
533 MHz Ja
800 MHz Ja Nein
Hyper-Threading Ja
Perf.-Accel.-Tech. (PAT) Nein Ja Nein
Com.-Strea.-Archi. (CSA) Nein Ja Nein
Integrierte Grafik Nein Ja Nein Ja (266 MHz) Nein
Speichertakt/typ
100 MHz/DDR200 Nein Ja Nein Ja Nein Ja
133 MHz/DDR266 Ja
166 MHz/DDR333 Ja Nein
200 MHz/DDR400 Ja Nein
Asynchroner Speichertakt Ja Nein
Speicherbestückung
Speicherkanäle 2
DIMMs pro Kanal 2
DIMMs insgesamt 4
AGP-Support
4 × Ja
8 × Ja
Southbridge-Features
Southbridge VT8237 IXP150/200/250 82801EB/ER 82801DB
Southbridge ICH5/ICH5R ICH4
Package 539 BGA keine Angaben 460 MBGA 421 uBGA
Festplatten-Controller
P-ATA 100 Ja/2 Ch.
P-ATA 133 Ja/2 Ch. Nein
S-ATA 150 Ja/2 Ports Nein Ja/2 Ports Nein
PCI-Slots (max.) 6
USB-Unterstützung
USB-Ports 8 6 8 6
USB 2.0 Ja
FireWire Nein
Audio 20 Bit AC'97
Sonstiges
I/O-Link Ultra V-Link A-Link Hub Interface (266 MB/s)

Im Test vor 15 Jahren kam der VIA PT880 auf einem MSI PT880 Neo-LSR zum Einsatz, das für lediglich 65 Euro erhältlich war und bunt daher kam. Das zusätzlich mit Gigabit-Ethernet und FireWire ausgestattete Neo-FIS2R kostete 90 Euro. Für Nutzer, die auf einen leisen PC Wert legten, war die passive Kühlung des Mainboards ein Pluspunkt. In puncto Anschlüssen bot MSI das Übliche: PS/2, ein COM- und Parallel-Port, vier USB-2.0-Ports, einen Ethernet-Anschluss sowie Audio-Ausgänge. Für Erweiterungskarten standen ein AGP und fünf PCI-Steckplätze bereit. Arbeitsspeicher bis hin zu DDR400 konnte in den vier dafür vorgesehenen Steckplätzen untergebracht werden.

Mehr Speicherbandbreite als Intels i875P

In den Benchmarks konnte der PT880 vor allem in den Speichertests punkten. Im Durchschnitt erzielte er in dieser Disziplin rund 8 Prozent mehr als Intels High-End-Chipsatz i875P, 12 Prozent mehr als der i865G und ganze 25 Prozent mehr als der ATi Radeon 9100 IGP. In CAD-Anwendungen schwächelte der PT880 aufgrund niedriger Testergebnisse in Specviewperf, die aufgrund der hohen Speicherleistung auf ein Problem mit der AGP-Anbindung hindeuteten. Auch beim Video-Encoding zeigte sich eine relativ niedrige Leistung im Vergleich mit den Intel-Chipsätzen. In Spielen konnte sich der PT880 dafür knapp hinter Intels i875P einordnen und erzielte immerhin noch 1 respektive 4 Prozent mehr Leistung als die anderen Chipsätze.

Aufgrund der im Durchschnitt sehr guten Leistung, wenn auch getrübt von einzelnen Ausreißern, war der VIA PT880 auf jeden Fall eine Alternative für Spieler. Der niedrige Preis – insbesondere des getesteten MSI PT880 Neo-LSR – war der größte Anreiz, ein Mainboard mit VIA-Chipsatz zu kaufen. Wer nicht alle Features der teureren Intel-Chipsätze und dazugehörigen Mainboards benötigte, war mit dem PT880 also gut beraten.

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